Mimikry für Anfänger

Wie man als Jude unbehelligt in Europa leben kann

Viel zu auffällig: Kippa.© TOBIAS SCHWARZ, AFP

Von Peter Sichrovsky (Schlaglichter.at)

Hier ein paar Vorschläge für Juden, wie man sich in der Gesellschaft reibungslos und ohne Konflikte bewegen und ein ruhiges, zufriedenes Leben genießen könnte:

Das Wichtigste: Versuchen Sie, nicht als Jude erkennbar zu sein.

Das beginnt schon bei den Äußerlichkeiten: Keine Kippa, kein großer schwarzer Hut, keine große goldene Kette mit Davidstern, keine Pejes und keine Zizit.

Versuchen Sie in Gesellschaft nicht mit jüdischen Witzen zu beeindrucken, aber lachen sie laut und deutlich, wenn andere welche erzählen, und unterbrechen Sie den Erzähler nicht mit der Bemerkung: Den kenn ich schon, und außerdem geht er ganz anders.

Wenn die Rede auf Israel kommt, sagen Sie am besten gar nichts, wenn man Sie um Ihre Meinung fragt, sagen Sie einfach, Sie würden sich nicht mit Weltpolitik beschäftigen, es gäbe ja hier im Land genug zu tun.

Fragt man Sie, ob Sie schon einmal in Israel waren, lügen Sie einfach, so lange nicht jemand in der Gruppe ist, der von Ihnen weiß, dass Sie schon dort waren. Eine touristische Auseinandersetzung über Israel stehen Sie nicht durch, dann verraten Sie sich garantiert.

Zeigen Sie sich in der Öffentlichkeit erschüttert über Antisemitismus. Es sieht nicht gut aus, wenn sie es zwar nicht mehr hören wollen, aber dies auch erwähnen, denn Sie riskieren, als Rechter verortet zu werden, der diese Gefahr verharmlost.

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