60.000 Menschen für den „Judenmajor“

Meno Burg, der jüdische Offizier im preußischen Heer Friedrich Wilhelms IV., hatte gegen vielerlei Diskriminierungen zu kämpfen – Karriere machte der beliebte Soldat wegen seiner Qualitäten dennoch.

Meno Burg (1789-1853)

Von Thilo Schneider

Im Jahre 1812 tröpfelten die Reste der im Russlandfeldzug völlig zerschlagenen französischen „Grande Armee“ über die Grenzen Ostpreußens zurück nach Mitteleuropa. Für Preußen, das in diesem Krieg zwar gezwungenermaßen an der Seite Napoleons gekämpft hatte, aber lediglich mit der Aufgabe der Flankendeckung betraut war, begann die Zeit der sogenannten Befreiungskriege. Und zum ersten Mal in der Geschichte sollten von der jetzt folgenden „Allgemeinen Mobilmachung“ nur die Geistlichkeit und die Lehrer ausgenommen sein. Und damit begann für die preußischen Juden eine neue Periode relativer Freiheit.

Im „Judenedikt von 1812“, entworfen von dem Reformer von Hardenberg, wurde den preußischen Juden erstmals weitgehende Niederlassungs-, Handels- und Gewerbefreiheit gewährt. Ebenso fielen fast alle Sonderabgaben weg. Juden wurden also (fast) vollwertige preußische Staatsbürger. Einschränkungen gab es noch in der Zulassung zum Offizierskorps, der Justiz und der öffentlichen Verwaltung. Die Wehrpflicht hingegen galt nun für Juden und Christen gleichermaßen. Unter dem Strich lässt sich feststellen, dass Juden in Preußen durch das Edikt nun weniger als vorher diskriminiert wurden. Von einer tatsächlichen Gleichstellung als Bürger waren sie allerdings noch weit entfernt.

In diese Zeit hineingeboren wurde Meno Burg aus Berlin. Der 1789 geborene Burg ging ab 1804 in die Lehre zu seinem Cousin, dem „Königlichen Bauingenieur Salomon Sachs“. An der Berliner Bauakademie legte Burg 1807 dann sein Examen zum „Kondukteur und Feldmesser“ ab. Zu dieser Zeit lag Preußen unter französischer Besatzung am Boden und so kam es, dass Burg, ebenso wie vorher Sachs, „ausnahmsweise“ in den Staatsdienst übernommen wurden. Eine solche Übernahme wäre nach dem zu diesem Zeitpunkt noch geltenden „Erlaß eines Revidierten General-Privilegiums und Reglements vor die Judenschaft ... vom 17ten April 1750“ nicht möglich gewesen. In Notzeiten scheinen schon damals Regierungen ihre eigenen Gesetze nicht übermäßig ernstgenommen zu haben.

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