Eli, der Spion

Israels bekanntester Spion Eli Cohen ist eine Legende. 54 Jahre nach seinem Tod am Galgen in Damaskus ist er immer noch eine angesehene Persönlichkeit in Israel.

Eli Cohens Witwe feiert zusammen mit Premierminister Ehud Barack das Erscheinen einer Gedenk-Briefmarke für ihren hingerichteten Ehemann.© Menahem Kahana, AFP

Von Sheldon Kirshner (Israel Heute)

Die sechsteilige Netflix-Miniserie „The Spy“ von Gideon Raff beleuchtet Eli Cohens heldenhaftes Bild. In einer inspirierten, aber unglaublichen Besetzung spielt der britische Schauspieler Sacha Baron Cohen, den legendären israelischen Spion. Cohen machte sich einen Namen als schräger Komiker, indem er sehr ausgefallene und raffinierte Charaktere wie Borat und Ali G. porträtierte. In „The Spy“, basierend auf Uri Dan und Yeshayahu Ben-Porats „The Spy Who Came From Israel“, geht er erneut undercover, jedoch in eine ganz andere Richtung.

Schlank, mit einem flotten Schnurrbart, einem schwachen nahöstlichen Akzent und einem ausgeprägten Charme, verwandelt sich Cohen geschickt in einen Mann, der von einer Mission nationaler Bedeutung besessen ist. Der Mossad, Israels Außengeheimdienst, brauchte Augen und Ohren in Syrien, einem der tödlichsten Feinde Israels, und Cohen war der Herausforderung gewachsen. Er besaß ein Gespür für Freundschaft und knüpfte enge Beziehungen zu Mitgliedern der politischen und militärischen Elite Syriens, um wichtige Informationen aus ihnen herauszubekommen, die sich im Sechstagekrieg von 1967 als sehr hilfreich erwiesen.

Er gab sich als Kamel Amin Thaabet aus, ein erfolgreicher Geschäftsmann syrischer Herkunft aus Argentinien, und beeindruckte die richtigen Leute mit seinem unerschrockenen Patriotismus, seiner überfließenden Großzügigkeit und seiner enormen Lebensfreude. Der wichtigste Syrer, den er in Buenos Aires traf, war Amin al-Hafez, der syrische Militärattaché. Hafez würde 1963 in einem blutigen Putsch zum syrischen Präsidenten aufsteigen. Durch Hafez’ Vertrauen in ihn erlangte Cohen eine enge Nähe zur Macht und enormen Einfluss. Bevor Cohen 1965 enttarnt wurde, wurde ihm die Sonderposition des stellvertretenden Verteidigungsministers angeboten.

Die offizielle, eigennützige syrische Schilderung spielt Cohens Beitrag zur israelischen Militärstrategie gegen Syrien am Vorabend des Sechstagekriegs, als die israelische Armee die Golanhöhen in nur zwei Tagen eroberte, herunter. Die Verunglimpfung von Cohen durch Syrien ist verständlich, wenn man bedenkt, welche Erniedrigung und Beschämung er Syrien, dem schlagenden Herzen des arabischen Nationalismus, zugefügt hat.

 

Ein Kind arabischer Juden

Interessanterweise waren Cohens Eltern arabische Juden. Ursprünglich aus Aleppo, Syrien, ließen sie sich 1914 in Alexandria, Ägypten, nieder. Cohen, geboren 1924, war ein leidenschaftlicher Zionist, der sich Anfang der 1950er Jahre einem israelischen Spionagering in Ägypten anschloss. Er wanderte 1956 nach Israel aus.

In einer der ersten Szenen in „The Spy“, die in Marokko und Ungarn gedreht wurde, arbeitet Cohen als Buchhalter für ein Kaufhaus in Tel Aviv. Vor dem Laden in der Allenby Street drücken sich Israelis gegen ein Schaufenster, um einen Bericht über die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Israel und Syrien im Fernsehen zu sehen. Das ist ein Teil der Vorstellungen Raffs, da Fernseher in Israel erst ab 1966 verfügbar waren. Es ist ein kleiner Fehler in einer ansonsten überzeugenden Geschichte über einen sephardischen Juden, der einen Minderwertigkeitskomplex über seinen nahöstlichen Hintergrund hat. Wie er sich bei seiner geliebten Frau Nadia (Hadar Ratzon Rotem) beschwert: „Weißt du, was sie sehen, wenn sie mich ansehen? Einen Araber, das wars. Jüdisch, ja. Aber nur ein Araber.“

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