„Berlin, hier ist die Uhr der Kunst, die nicht nach noch vor geht“.

Zum neuen Buch von Jörg Aufenanger über Else Lasker-Schüler und ihre Zeit in Berlin

Von Ludger Joseph Heid

Für Gottfried Benn war sie größte deutsche Lyrikerin überhaupt – Else Lasker-Schüler. Else Lasker-Schüler, 1869 in Wuppertal-Elberfeld geboren, stammt aus gutbürgerlichen Verhältnissen des kulturell weitgehend assimilierten Judentums der deutschen Mittelschicht. Ihr Großvater war Rabbiner. Sie selbst war nicht religiös in dem Sinne, dass sie die jüdischen Gebräuche eingehalten hätte, aber sie suchte Gott ihr Leben lang, das zieht sich durch ihr ganzes Werk. Sie hat immer wieder die Versöhnung der Religionen beschworen, ganz im Geiste von Lessings „Nathan“. Die Uraufführung ihres „Arthur Aronymus“ erlebte der Emigrant Thomas Mann 1936 in Zürich und notierte in sein Tagebuch: „Ein langes, ungeordnetes, aber liebenswürdiges rheinisches Judenstück der Else Lasker-Schüler, das großen Erfolg hatte“.

Seit ihrer Ehe mit Berthold Lasker (1860-1928) führte sie ab 1894 den Namen Lasker-Schüler. Über die fast vierzig Jahre in der deutschen Hauptstadt lebenden Dichterin und Malerin hat Jörg Aufenanger einen Essay vorgelegt, in dem er den pulsierenden Berliner Zeitgeist der ersten dreißig Jahre des 20. Jahrhunderts einfängt. Einfühlsam, kenntnisreich und leichtfüßig geschrieben, möchte man das Buch, einmal zu lesen begonnen, nicht mehr aus der Hand legen.

 

Jünger geschwindelt

Als sie 1894 nach Berlin kam, hatte Else Lasker-Schüler schnell Kontakt zu Künstler- und Bohémekreisen gesucht, schreibend und zeichnend erste künstlerische Positionen erprobt. Sie hatte einige Jahre Zeichenunterricht genommen, unterhielt ein Atelier, tauschte sich mit erfahrenen Künstlern aus, aber um 1900 hatte ihre zweite Begabung, das Dichten, das größere Gewicht bekommen.

Um die Jahrhundertwende, da war sie 30, schrieb sie an ihre Schwester: „Ich habe jetzt schönen Kreis. Ich hätte mit 17 Jahren nach B[erlin] kommen müssen, dann ständen die Sachen heute anders“. Anderthalb Jahre später wird sie dann ihre künstlerischen Anfänge entsprechend stilisieren, sich für jünger ausgeben und verbreiten, sie sei mit 14 zum Studium der Malerei nach Paris gegangen, mit 18 nach Berlin. Dabei brauchte ihr wirkliches Leben kaum bohèmisiert zu werden, so wie sie in der deutschen Kulturhauptstadt unterwegs war.

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