Berlin: Bunt, tolerant, weltoffen und nett zu Antisemiten

Zu einer „palästinensischen“ Hass-Demo gegen Israel schwiegen Campino und Grönemeyer ebenso wie Kirchen, Gewerkschaften und Parteien. Selbst jüdische Verbandsvertreter blieben beunruhigend still.

So sah es am 25. September 2019 in Berlin aus.© TOBIAS SCHWARZ, AFP

Von Henryk Broder (Achse des Guten)

Heute ist Samstag, der 28. September. Vor drei Tagen fand in Berlin etwas statt, das Andrea Seibel in der Welt „eine Schande für das einst großartige Berlin" nannte: Während vor dem Brandenburger Tor, in Sichweite des Holocaust-Mahnmals, Antisemiten und Israelhasser eine Party feierten, wurden „Demonstranten, die Schilder ‚Kein Platz für Antisemitismus‘ trugen, von der Polizei gemaßregelt“. Nicht der Antisemiten-Auflauf wurde verhindert, sondern eine kleine Gegendemo, die als „Provokation“ eingestuft wurde. Ja, det is Berlin! Wo kämen wir denn hin, wenn man das friedliche Treiben von Leuten, die Tel Aviv wegbomben wollen, stören dürfte?

Wie es der Zufall will, fand zur selben Zeit eine „Podiumsdiskussion" im Charlottenburger Rathaus über das Thema „ANTISEMITISMUS: IMMER MEHR – IMMER AGGRESSIVER – WAS TUN?“ statt, zu der der „Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V“. und die Jüdische Gemeinde zu Berlin herzlich eingeladen hatten. Ein weiterer Beleg dafür, wie bunt, tolerant und weltoffen die Stadt Berlin ist, die Juden und Judenhasser gleichermaßen willkommen heißt.

Man könnte annehmen, dass die bewährte Toleranzpolitik des Berliner Senats die üblichen Betroffenen – also die Jüdische Gemeinde, den Zentralrat der Juden, die christlich-jüdische und die deutsch-israelische Gesellschaft – diesmal alarmiert hätte. Hat sie aber nicht. Ein paar Tage vor dem Berlin-Marathon wollte man dem Ruf der Stadt keinen Schaden zufügen. Anfragen bei dem Präsidenten des Zentralrates und der Berliner Beauftragten für Bürgerschaftliches Engagement blieben unbeantwortet. Josef Schuster bereitet sich auf das Neue Jahr vor und Sawsan Chebli überlegt, ob sie sich eine neue Rolex oder lieber einen Thermomix de luxe mit Platin-Griffen kaufen soll.

Aber am 9. November werden alle wieder dabei sein, die Heuchler und Heuchlerinnen, vorneweg die Regierende Schlaftablette, um sich gegenseitig zu versichern, dass „so etwas“ nie wieder passieren darf.

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