Marcello Mastroianni: Sohn einer jüdischen Mutter, Vater einer jüdischen Tochter

Zum 95. Geburtstag der italienischen Schauspieler-Legende

Der Film-Gigant Marcello Mastroianni (1924-1996)© AFP

Von Juri Bezeljansky

Als vor etwa 60 Jahren das Magazin „Jet“ herausfinden wollte, was Frauen an Schauspielern am meisten mögen, kam es zu folgendem Ergebnis: Die unwiderstehlichsten Augen habe Montgomery Clift, das schönste Gesicht Gary Cooper, den verführerischsten Mund Marlon Brando, die hübschesten Ohren besäße Clark Gable, den elegantesten Schnurrbart Errol Flynn, Michael Douglas soll mit seinen Hüften verblüffen, James Dean mit seinen Schultern, Warren Beatty habe das herrlichste Haar… und Summa summarum landete auf dem ersten Platz – Marcello Mastroianni!

 

Die Anfänge

Der zukünftige Schauspieler kam am 24. September 1924 zur Welt, im kleinen Städtchen Fontana Liri, nicht weit von Neapel, in der Familie des Zimmermanns Urbano Mastroianni. Dass seine Mutter Ida Irroles aus der gutbürgerlichen jüdischen Familie von Moissej und Malka Idelson stammte, erfuhr Marcello erst 1980. Idas Eltern emigrierten aus Russland, sie selbst wuchs in Hamburg bei fremden Leuten auf, kam später nach Italien und heiratete dort. Sie wusste von ihrer jüdischen Herkunft, hielt sie aber dennoch geheim, was ihr und ihrem Sohn in den Kriegsjahren das Leben rettete.

Marcello war 10, als die Familie nach Rom zog.

Seine Kindheit: Zu viert in einer kleinen Wohnung (ein Zimmer und eine Küche), unentwegte Streitigkeiten der Eltern. Marcello erinnerte sich: „Die Mutter klagte, dass Vater zwei Zigaretten mehr raucht als im Familienbudget eingeplant war, so reichte das Geld nicht einmal mehr für Lebensmittel… Vater tobte, es kam zu einem Handgemenge. Lange Zeit teilte Mutter mit mir das Bett: Es gab keinen Platz, mein Bruder musste auf dem Boden neben dem Bett schlafen, der Vater – im Flur. Der Ärmste, er war aufbrausend, nicht selten kam er betrunken heim, dann gab es Krach wegen des Geldes. Damals war das in den meisten italienischen Familien der Alltag …“

Das Leben ging dennoch weiter: Die Schule, die Kirche, Sport, Tanzen… Mit 11 bekam Marcello seine erste Rolle im kleinen Kirchentheater. Die Bühne zog ihn an: Er arbeitete auf dem Bau, als Zeichner, als Buchhalter – und abends spielte er, wo auch immer jemand für eine Massenszene gesucht wurde. Bald darauf, mit dem Architekten-Diplom in der Tasche, gab es für ihn nur noch die Kunst, und er spielte im Ensemble des großen Visconti.

 

Die Rollen

Auch Kino faszinierte ihn. Er träumte davon, mit dem berühmten Vittorio de Sica zu arbeiten. Marcellos Mutter kannte Vittorios Schwester und bat sie, dem Bruder ein Empfehlungsschreiben zu überreichen. Mit diesem Schreiben erschien Marcello immer wieder am Set, aber de Sica sagte nur: „Nein, Junge, du hast noch viel zu lernen…“. Dann spielte er endlich eine kleine Rolle in de Sicas „Kinder schauen auf uns“ und 21 Jahre später, selbst bereits eine Berühmtheit der Kinowelt, in seinem „Gestern, heute und morgen“ an der Seite von Sophia Loren. Der erste Film, wo man einen 15-jährigen Marcello sehen konnte, war „Marionette“ mit Beniamino Gigli. Wenige Jahre später betrat Mastroianni das Filmstudio Cinecitta als „richtiger“ Schauspieler.

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