Die Jüdin, die den „Schlächter von Lyon“ outete

Vor 20 Jahren starb Dora Schaul, die erstmals einen der aggressivsten Nazi-Mörder, Klaus Barbie, den Gestapo-Chef von Lyon, enttarnte.

Klaus Barbie während seines Prozesses© STF, AFP

Von Martin Stolzenau

Klaus Barbie, der als Gestapochef von Lyon, als „Schlächter von Lyon“, und als mehrfach verurteilter Kriegsverbrecher weltweite Bekanntheit erlangte, wurde erstmals während der deutschen Besetzung Frankreichs durch ein deutsche Jüdin und Aktivistin der Résistance enttarnt und mit seinen Verbrechen über den Londoner Rundfunk einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Das bildete den Anfang für die Nachkriegsverfolgung seiner Person, die 1983 zur Auslieferung von Bolivien an Frankreich und zum Prozess von 1987 in Lyon führte, der mit seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft endete.

Die Antifaschistin, die seine Verfolgung ins Rollen brachte, hieß ursprünglich Dora Davidsohn, wurde am 21. September 1913 in Berlin geboren und war die Tochter eines jüdischen Kaufmanns. Sie absolvierte die Handelsschule, arbeitete als kaufmännische Angestellte und erlebte hautnah die Verfolgung durch die Nazis. Nach deren Machtergreifung emigrierte sie zunächst in die Nieder- lande und dann nach Frankreich, während ihre Eltern und ihre Schwester auf ein schnelles Ende der Naziherrschaft hofften und in Deutschland ausharrten. Dora Davidsohn lebte zunächst ohne gültige Papiere, lernte dabei Alfred Benjamin kennen, den Sohn eines jüdischen Eisenhändlers, der nach längerer Schutzhaft im KZ Elsterwegen ebenfalls nach Frankreich emigriert war und seine jüdische Leidensgefährtin für den antifaschistischen Widerstand gewann. Mehr noch. Sie wurden beide als feindliche Ausländer 1939 interniert, heirateten zwischenzeitlich und konnten danach aus unterschiedlichen Internierungslagern fliehen.

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