Antisemitische „Al Quds“-Demo marschiert über den Kurfürstendamm

Erstmals beziehen Politiker klar Stellung gegen den Marsch und pro Israel. Mit dem amerikanischen Botschafter Grenell hat die Gegendemo einen neuen prominenten Fürsprecher gewonnen.

So wird der „Al-Quds-Tag“ 2019 in Teheran begangen.© str, AFP

Von Dr. Nikoline Hansen

Alle Jahre wieder, seit Ayatollah Khomeini 1979 erstmals dazu aufrief, versammeln sich Menschen weltweit, um den vermeintlichen Anspruch der „Palästinenser“ auf Jerusalem zu erklären und Israel das Existenzrecht abzusprechen. So auch in diesem Jahr.

Am 1. Juni 2019 zog die übliche Demonstration, unterstützt von auffällig gekleideten Mitgliedern der jüdischen Neturei Karta, die den Staat Israel ablehnen, in Berlin vom Adenauerplatz über den Kurfürstendamm. Es kamen zwar weniger Teilnehmer als erwartet, allerdings waren die, die dabei waren, wie schon in den vergangenen Jahren von Hass und starken Emotionen erfüllt. Einzig und allein die Auflagen, die der Demonstration gemacht wurden, und die nach anfänglichen Schwierigkeiten auch erfolgreich durchgesetzt wurden, konnten verhindern, dass wieder durchgängig anti-israelische Parolen gerufen wurden – so wie der Ruf „Kindermörder Israel“, der diesmal untersagt war, aber anfangs über den Adenauerplatz schallte. Allerdings war auf zumindest einem Plakat zu lesen, Israel töte jeden zweiten Tag ein „palästinensisches“ Kind – eine Behauptung, die durch nichts belegt ist. Es war nicht das einzige Plakat mit einer fragwürdigen Botschaft.

Auffällig war dieses Jahr, dass nach dem umfangreichen zivilgesellschaftlichen Engagement erstmals auch die Politik eindeutig Stellung gegen Antisemitismus – und gegen die Al-Quds-Demonstration – bezog, sodass die Veranstalter sich dazu genötigt sahen, ihre Strategie weiter zu differenzieren. Sie erklärten, Juden seien ausdrücklich nicht Ziel der Demonstration, es ginge ausschließlich darum, dass der Staat Israel illegal sei, damit auch kein Existenzrecht habe und die „Palästinenser“ ein Recht auf eine Heimat hätten. So deutlich war dies in den letzten Jahren selten zu hören gewesen, auch wenn es eigentlich immer genau darum gegangen war.

Am Rande der Demonstration wurde die Zielrichtung dieser Agitation deutlich, als mich ein Teilnehmer mit der Frage ansprach: „Sind Sie Deutsche?“ und mir, nachdem ich das bejaht hatte, erklärte, ich müsse dafür sorgen, dass das, was vor 70 Jahren geschehen sei, sich nicht wiederhole. Es verwundert also auch nicht, dass Teilnehmer ein Plakat mit dem Spruch „Unsere Generation hat keine Schuld“ trugen – denn einerseits wird an die „Verantwortung“ appelliert, andererseits aber genau der Relativierung Wort geredet. So ist das mitgeführte Plakat „Israel ist einzigartig in der illegalen Landbesetzung“ an Zynismus wohl kaum zu überbieten – eine einzigartige historische Geschichtsklitterung. Die weiteren Plakate warfen dem zionistischen Staat Apartheid und Rassismus vor – was jedem, der das Land und seine Menschen kennt, absurd erscheinen muss. Aber die Demonstranten, arabische wie deutsche Verschwörungstheoretiker, sind in ihrer manischen Fixierung mit Argumenten wohl leider nicht so leicht von der Realität zu überzeugen. Sie agieren rückwärtsgewandt und mit einer klaren Agenda.

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