Die Gruppe 43 – jüdischer Widerstand im Nachkriegs-England

Nach 1946 formierten sich in London ehemalige jüdisch-britische Soldaten, um – notfalls gewaltsam – ein Wiedererstarken der englischen Faschisten um Oswald Mosely zu verhindern

Jüdische Soldaten der britischen Armee in Norditalien im März 1945© SAUL LOEB , AFP

Von Karl Pfeifer

Während die allermeisten Briten das Kriegsende in Europa 1945 freudig erlebten, waren die Nazisympathisanten, die für einen deutschen Sieg eingetreten waren, bestürzt. Der antisemitische und rechtsextreme Herzog von Bedford veröffentlichte bereits im Juni 1945 einen Artikel, in dem er den Tod der nazifaschistischen Führer betrauerte.

„Die Ermordung von Mussolini und der Tod von Hitler entfernen aus der internationalen Politik zwei Persönlichkeiten, von denen ich voraussage, dass die zukünftigen Historiker sie milder beurteilen werden als die jetzigen Kriegspropagandisten.“

Am 9. Oktober 1945, nachdem er mit Unterstützung des Herzogs von Bedford die „British People’s Party“ gegründet hatte, erklärte der britische Nationalsozialist John Beckett:

„Sogar, wenn die Geschichten über das Hitlerregime wahr sein würden – und wir wissen dass die meisten Propaganda sind – hätten die keinen Krieg gerechtfertigt.“

Schon im Sommer 1945 versammelten sich die aus den Gefängnissen und der Internierung entlassenen Faschisten, um zu versuchen einheitlich aufzutreten. Im Februar 1946 gab es allein in London 14 faschistische Gruppen, die ihre Aktivitäten wie bereits sieben Jahre zuvor in den von Juden dicht bewohnten Vierteln konzentrierten. Es gab faschistische Buchhandlungen und Debattierklubs. Ihre Zeitungen und Zeitschriften wurden vor den U-Bahnstationen verkauft. Einige der schon vor dem Krieg bekannten Propagandisten traten wieder öffentlich auf.

Ehemalige jüdische Soldaten empörten sich über solch üble Provokationen und wandten sich an ihre Abgeordneten. Die ersten Fragen dazu wurden im Parlament gestellt. Doch nichts geschah. Auch dann nicht als ein Faschist in Hackney sich auf einen Stuhl stellte und schrie: „Die Nazis hatten Recht die Juden zu vergasen.“ Das u.ä.m. konnte auch geschehen, weil die Briten sich nach Frieden sehnten und viele politikverdrossen waren. Die aus der Armee entlassenen Soldaten wollten in der Regel wieder arbeiten oder studieren.

AJEX wird aktiv

Die Einzige, die im Herbst 1945 darauf reagierte, war die Association of Jewish Ex-Servicemen (AJEX), die im Hyde Park und anderswo in London Reden hielt und die Briten vor der Rückkehr der Mosley-Anhänger warnte. Es war aber wirkungslos, denn das Publikum bestand hauptsächlich aus Juden bzw. Jugendlichen, die man nicht überzeugen konnte, und die mit Zwischenrufen störten.

Verbitterte Ex-Soldaten wandten sich an den gewählten „Jewish Board of Deputies“ und dessen Verteidigungskomitee, das nur strikt im Rahmen der Legalität wirken konnte. Das Komitee wies auf die Gefahr hin, dass der jüdische Terror im Mandatsgebiet Palästina den Antisemiten im Vereinigten Königreich Auftrieb geben könnte. Jüdische Ex-Soldaten reagierten empört:

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