Der vernachlässigte Teil der Schoah

Der Holocaust betraf nicht nur die europäischen, sondern auch die orientalischen Juden, beispielsweise in Nordafrika und im Irak

Zur Zwangsarbeit genötigte Juden 1942 in Tunesien.© WIKIPEDIA, BUNDESARCHIV

Von Hen Mazzig (Times of Israel)

Eines Abends in Petach Tikva, als ich noch ein Kind war, und in meinem Zimmer die irakisch-jüdische Sängerin Salima Mourad hörte, ertönte eine markerschütternde Sirene. Ich stand von meinem Bett auf, stand und rührte mich nicht mehr.

Die Sirene markierte den Beginn des Jom HaSchoa, des Holocaustgedenktags. Ich gab mir große Mühe, an all jene zu denken die im Holocaust starben, während die laute Sirene die arabische Musik übertönte. Ich versuchte mich dazu zu zwingen den Schmerz meines eigenen Volkes zu fühlen.

Dann hörte die Sirene auf. Salima sang weiter auf Arabisch: «Mein Körper hungert, meine Seele ist geschmolzen und man sieht meine Knochen.»

Dies geschieht jedes Jahr am Holocaustgedenktag.

Weil ich ein israelischer Mizrahi bin, hatte ich immer eine komplizierte Beziehung zum Holocaust.

Als ich in Israel aufwuchs, erfuhr ich von dem schrecklichen Massenmord an einem Drittel der jüdischen Gesamtbevölkerung. Es war immer hart die Geschichten der Überlebenden und von meinen Freuden, deren Großeltern überlebt haben, zu hören. Jedes Jahr während des Jom HaSchoa, schließen die Läden in Israel früher, man sieht Filme über den Holocaust im Fernsehen und eine Sirene erzwingt die Aufmerksamkeit aller Israelis, verpflichtet uns dazu eine Minute still zu sein und uns daran zu erinnern, was uns widerfahren ist.

Aber als ich aufwuchs, verstand ich nicht wozu.

Wenn ich meine irakische Großmutter fragte, warum der Holocaust wichtig für uns ist, antwortete sie, «Es ist etwas Schreckliches, dass den Aschkenasim widerfahren ist», und dass wir alle eine Familie, dass wir alle Juden seien.

Ich konnte verstehen, dass das jüdische Volk eine Familie war. Aber ich konnte nicht verstehen, was diese Tragödie für mich bedeutete, einen jungen Mizrahi-Juden ohne echte Verbindung zu den Juden Europas.

Als ich meine Grossmutter fragte, ob unsere Familie von den Nazis unterdrückt wurde, sagte sie: «Nein, aber wenn Hitler gekonnt hätte, hätte er uns auch getötet.»

Meine Oma und der Farhud

Aber die Juden des Irak litten teilweise sehrwohl wegen Hitler. 1941 verbrüderte sich die Regierung des Irak offiziell mit Nazi-Deutschland und führte deshalb Maßnahmen in Kooperation mit Deutschland aus. Meine Großmutter erzählte mir, wie hart das Leben für die Juden des Irak war und vom Farhud, dem zweitätigen Massaker gegen die jüdische Gemeinschaft im Irak 1942, wie auch davon, wie sie aus dem Irak vertrieben wurden. Aber sie verstand die Verbindung zu Nazis nicht.

Wenn sie mir von diesem Elend erzählte, schloss sie ab mit den Worten «Es war kein Holocaust».

Vielleicht ist es das, weshalb ich solche Schwierigkeiten hatte die Geschichte meiner Leute in die Geschichte Israels und die kollektive Erinnerung einzubringen, und warum ich so eine komplizierte Beziehung zum Holocaust hatte.

Die jüdische Gemeinschaft in Europa erduldete schreckliche Gewalt; sechs Millionen Juden wurden ermordet. Es gibt keine Möglichkeit zu leugnen, wie schrecklich das war und wie viel Trauer und Leid sie erfahren haben.

Wenn Überlebende und Flüchtlinge in Israel ankommen, wollen sie aus der Dunkelheit herauswachsen, aber sie erinnern sich immer noch daran, was ihnen passiert ist. Das größte Holocaustmuseum der Welt, Yad Vashem, dokumentiert alles, was den Juden in Europa passiert ist, und zwar auf eine professionelle, aber emotionale Art und Weise.

Ich erinnere mich daran, wie ich als Heranwachsender Yad Vashem besucht habe und nach der Geschichte der irakischen Juden gesucht habe, aber sie nicht finden konnte. Die Geschichte, die nur aus den Erzählungen meiner Großmutter bestand.

Sie können diesen Artikel vollständig in der gedruckten oder elektronischen Ausgabe der Zeitung «Jüdische Rundschau» lesen.

Vollversion des Artikels

€ 0,75 inkl. MwSt.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Hier können Sie

die Zeitung abonnieren,
die aktuelle Ausgabe oder frühere Ausgaben kaufen
oder eine Probeausgabe der Zeitung bestellen,

in gedruckter oder elektronischer Form.

Vollversion des Artikels

€ 0,75 inkl. MwSt.
Zugang erhalten

Sehr geehrte Leser!

Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:

alte Website der Zeitung.


Und hier können Sie:

unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen

in der Druck- oder Onlineform

Unterstützen Sie die einzige unabhängige jüdische Zeitung in Deutschland mit Ihrer Spende!

Werbung


Netanjahus Sohn enttarnt Heiko Maas

Netanjahus Sohn enttarnt Heiko Maas

Bundesaußenminister Maas beklagt neuerdings plakativ die Ausgrenzung Israels bei der UNO – Jair Netanjahu prangert öffentlich an, dass der Minister und seine Regierung anti-israelische Organisationen bezahlen.

Die Erlöserkirche Jerusalem als BDS-Stützpunkt?

Die Erlöserkirche Jerusalem als BDS-Stützpunkt?

Mit der Berufung von Rainer Stuhlmann als Interimsprobst gehört nach Pfarrerin Gabriele Zander nun schon ein zweiter Israel-Dämonisierer zum Führungsstab der protestantischen Hauptkirche des Heiligen Landes.

Die Jugendgruppe „Im Tirtzu“ – aktiv und wirkungsvoll gegen BDS

Die Jugendgruppe „Im Tirtzu“ – aktiv und wirkungsvoll gegen BDS

Junge patriotische Juden bieten BDS-Hetzern und antiisraelischen „Touristen“ im jüdischen Staat Paroli.

Eine Frau von Bescheidenheit und Anstand

Eine Frau von Bescheidenheit und Anstand

Zum Tode von Nechama Rivlin – First Lady und Ehefrau des Staatspräsidenten von Israel

Alija mit 89

Alija mit 89

Australisch-jüdischer Milliardär Sir Frank Lowy: „In Israel fühle ich, dass ich zu Hause bin. Das ist alles.“

Der Kampf eines Terroropfer gegen die britische Regierung

Der Kampf eines Terroropfer gegen die britische Regierung

Kay Wilson kämpft seit Jahren dafür die Überweisung britischer Steuergelder an die „Palästinensische Autonomiebehörde“ zu stoppen, weil diese auch Gehälter an ihre Peiniger zahlt.

Linoy Ashram: Israels zukünftiger Superstar

Linoy Ashram: Israels zukünftiger Superstar

Die israelische Rhythmische Sportgymnastin aus Rishon Lezion ist eine der heißesten Kandidatinnen für Gold bei den bevorstehenden Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Ramat Trump – ein Dorf im Golan trägt den Namen des US-Präsidenten

Ramat Trump – ein Dorf im Golan trägt den Namen des US-Präsidenten

Auf Veranlassung des Premierministers Netanjahu benennt Israel aus Dankbarkeit nach Donald Trump.

Das israelische Innovationswunder – wie die Wüste Hightech schafft

Das israelische Innovationswunder – wie die Wüste Hightech schafft

Enger Zusammenhalt und die gemeinsame Armee-Zeit spornen die Gründer in Israel zu neuen Leistungen an.

Der einfachste wäre der beste Nahost-Friedensplan

Der einfachste wäre der beste Nahost-Friedensplan

Im Grunde ist es ganz simpel: Es gilt nicht nur, keine Muslime, sondern auch keine Juden zu töten. Ein sicher hilfreicher 5-Punkte-Vorschlag unseres Autors.

Die frei erfundene jüdische Familien-geschichte der „Bloggerin des Jahres“

Die frei erfundene jüdische Familien-geschichte der „Bloggerin des Jahres“

Nach Wolfgang Seibert, dem Gemeindevorsitzenden von Pinneberg, wurde nun eine weitere linke Politaktivistin, die Autorin Marie Sophie Hingst, als pseudo-jüdische Hochstaplerin entlarvt.

Islands judenfeindliche Blamage beim Eurovision Song Contest

Islands judenfeindliche Blamage beim Eurovision Song Contest

Meine Meinung als bisexuelle Jüdin zum Auftritt von „Hatari“ in Israel

Werbung

Alle Artikel
Diese Webseite verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr dazu..
Verstanden