Der sowjetische Sieg als Tag der Befreiung

Drei Porträts jüdischer Überlebender zum Kriegsende im Mai 1945

Lew Lewinschtejn und Rachil Bubermann© Alexandre Sladkevich

Von Alexandre Sladkevich

Täglich begegnet man Dutzenden von Menschen, die einem unbekannt sind, und man ahnt nicht, wer vor einem steht oder an einem vorbeigeht und was derjenige erlebt hat. Dabei es ist eigentlich klar, dass die viel älteren Menschen unscheinbare Zeugen des Zweiten Weltkrieges sind. Diese Menschen, die nur wenigen auffallen, tragen das Leid der Kriegszeit in sich. Zeit der Angst, Schmerzen und Entbehrungen.

Mark Eisenbruch (Name geändert) lebt in Frankfurt am Main. Er ist ein Rentner, der sich von den übrigen Rentnern auf den ersten Blick nicht unterscheidet, außer in einer Sache: In dem 16-stöckigen Haus, in dem er wohnt, begrüßt er seine Nachbarn in ihren Muttersprachen. Man hört ihn fließend Deutsch, Russisch und Rumänisch sprechen. Er verrät gerne, woher er diese Sprachen kennt, verheimlicht aber dabei sein Schicksal. Er hat Angst. Seit 78 Jahren fürchtet er die Nazis. Mark ist 1923 im rumänischen Mihova, das heute zur Ukraine gehört, geboren. 1941 bis 1944 war er mit seiner ganzen Familie in einem Lager in Transnistrien interniert. „Das war das Ende dort. Fast alle Leute sind an Hunger und Typhus gestorben. Nur Wenige haben überlebt. Das waren die schlimmsten vier Jahre meines Lebens. Ich habe sie nie vergessen, so schwer es war. Dort habe ich drei Brüder verloren und viele Verwandte: Onkels, Tanten, Cousins, viele, viele ...“ Mit schwerem Herzen erinnert sich Mark.

Zu Fuß zurück nach Rumänien

1944 kam die Rote Armee und befreite die Überlebenden. Obwohl Mark körperlich und seelisch am Ende war, war er den Befreiern eine große Hilfe: Außer Jiddisch beherrschte er auch Rumänisch, Russisch und Französisch. „Diese Sprachen habe ich im Handelsgymnasium gelernt. Ich wurde als Soldat eingezogen und war als Dolmetscher bei der Infanterie tätig.“ Mark sollte Dokumente übersetzen und bei den Gefangenen dolmetschen. Als Soldat kam er nach Ungarn und Österreich. „Ich bin bis Wien gekommen und weil ich als Einziger von vier Söhnen überlebt habe, entließen die Russen mich im Herbst 1945. Aber vorher richtete meine Mutter meinetwegen ein Gesuch an Kalinin. Ich ging zu Fuß zurück, entlang der Strecke, wo wir gekämpft haben. Im April 1946 ist es mir gelungen, Rumänien zu erreichen ... Ich kann fünf Tage lang erzählen“, sagt Mark und verliert kein Wort mehr. Schmerz und Angst stehen in seinen Augen. Er fürchtet sich in die Vergangenheit zurückzublicken, aber noch mehr fürchtet er, dass die Neo-Nazis ihn aufstöbern werden. Seine Angst ist so groß, dass er sein Leben lang seine Herkunft und die Internierung im Lager auch von den Nachbarn verheimlicht.

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