Nationalsozialismus und Kunst: Der Angriff auf die geistige Freiheit (Teil 1)

Käthe Kollwitz, Selbstbildnis, 1910.
Der Nationalsozialismus verstand Kunst nicht als freien Ausdruck, sondern als politisches Instrument zur Formung von Volk und Weltanschauung. Alles Moderne, Abstrakte und Experimentelle galt dem Regime als Bedrohung einer vermeintlich „völkischen Ordnung“ und wurde systematisch diffamiert, verfolgt oder vernichtet. Unter der Ägide von Adolf Hitler und seinen Kulturideologen entstand ein ästhetisches Zwangssystem. Avantgardistische Stilrichtungen in der Kunst lehnten sie pauschal als „undeutsch“ und „typisches Judenprodukt“ ab. Die Verfemung des Bauhauses und die Inszenierung der Ausstellung „Entartete Kunst“ markieren den Tiefpunkt einer menschenverachtenden Kulturpolitik, die nicht nur Kunst zerstörte, sondern die geistige Freiheit insgesamt. (JR)
Die Nationalsozialisten hatten für die als dekadent empfundene Kultur der Moderne nur tiefe Verachtung übrig. Avantgardistische Stilrichtungen in der Kunst lehnten sie pauschal als „undeutsch“ und „typisches Judenprodukt“ ab. Das NS-Regime bekämpfte alles „Artfremde“ in der Kunst und förderte eine „sittliche Staats- und Kulturidee“.
Hitler hielt sich für einen Künstler und bezeichnete sich selbst als solchen. Indes war er ein talentloser Künstler, dem man den Zugang zur Kunstakademie verwehrte. Er war ein gescheiterter „Künstler“, bevor er beschloss, Politiker zu werden. Seine eigenen Gemälde von Gebäuden und Landschaften waren von der etablierten Kunstszene zugunsten abstrakter und moderner Stile abgelehnt worden. Die Ausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937 bot ihm daher die Gelegenheit, es dem tonangebenden Kunst-Establishment heimzuzahlen. Er hatte im Sommer zuvor in einer Rede gesagt: „Kunstwerke, die sich nicht in sich selbst verstehen lassen, sondern ein prätentiöses Handbuch benötigen, um ihre Existenz zu rechtfertigen, werden nie wieder ihren Weg zum deutschen Volk finden.“
Kunst und Kultur waren seit 1933 nicht mehr autonom, sondern sie standen im Dienst von Staat, Volk und Rasse. Makellose Frauen und Männer, bevorzugt blond und blauäugig, dienten den Nationalsozialisten als Propaganda für die Ästhetik des nordischen Menschen. Sie symbolisierten Schönheit, Reinheit, Anmut und Stärke und sollten die Überlegenheit des „arischen Herrenvolkes“ demonstrieren.
Sie können diesen Artikel vollständig in der gedruckten oder elektronischen Ausgabe der Zeitung «Jüdische Rundschau» lesen.
Vollversion des Artikels
Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Hier können Sie
die Zeitung abonnieren,
die aktuelle Ausgabe oder frühere Ausgaben kaufen
oder eine Probeausgabe der Zeitung bestellen,

in gedruckter oder elektronischer Form.
Sehr geehrte Leser!
Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:
alte Website der Zeitung.
Und hier können Sie:
unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen
in der Druck- oder Onlineform

Werbung














