„Lass mein Volk ziehen!“ - Natan Scharansky und der lange Kampf der sowjetischen Juden für ihre Freiheit

JR-Herausgeber Dr. Rafael Korenzecher (rechts im Bild), damals im Vorstand des Bundesverbands Jüdischer Studenten in Deutschland, protestierte zusammen mit Herrn M. Fogel vom Aktionskomitee für die Juden in der Sowjetunion, in den 1970er Jahren am Frankfurter Flughafen zugunsten der jüdischen Studenten und Dissidenten in der UdSSR..

Natan Scharansky wurde am 20. Januar 1948 geboren – ebenfalls an einem 20. Januar begann letztes Jahr die zweite Amtszeit Donald Trumps. Der heute 78‑Jährige gilt als einer der bekanntesten Juden der Dissidentenbewegung in der Sowjetunion. Auch der Herausgeber der Jüdischen Rundschau, Dr. Rafael Korenzecher, war bereits in den 1970er‑Jahren zusammen mit seinem Kommilitonen M. Fogel Teil der Freiheitsbewegung jüdischer Dissidenten in der Sowjetunion, wie diese Bilder vom Frankfurter Flughafen zeigen. Jüdischsein bedeutete in der Sowjetunion beschränkte Bildungs- und Karrierechancen, soziale Stigmatisierung und permanente Repression, während religiöses und kulturelles Leben bewusst erstickt wurde. Mit der Gründung Israels eröffnete sich erstmals die reale Perspektive auf Freiheit und Selbstbestimmung. Die UdSSR verweigerte oder erschwerte den Juden jedoch die Ausreise nach Israel. Wer sich gegen dieses Unrecht erhob, wurde wie der Dissident und spätere israelische Autor und Politiker Natan Scharansky, zum „Feind“ erklärt und verfolgt. Nach neun Jahren Haft im sibirischen Gulag durfte Scharansky endlich nach Israel ausreisen – ein Ereignis von historischer Tragweite. Seine Freilassung aus der Sowjetunion markierte nicht nur das persönliche Ende eines beispiellosen Leidensweges, sondern auch einen moralischen Sieg der jüdischen Dissidentenbewegung über den staatlich verordneten Antisemitismus. Dass dieser Kampf letztlich Erfolg hatte, ist ein bleibender Beweis dafür, dass Gewissen und Wahrheit selbst den brutalsten Repressionsapparat überdauern. (JR)

Von Dmitri Semenow

Das Datum 14. Februar 1986 fiel symbolisch fast mit einem anderen bedeutenden Ereignis im Leben der sowjetischen Juden im selben Monat zusammen, das jedoch 15 Jahre zuvor stattfand – mit der öffentlichen Friedensaktion der jüdischen „Verweigerer“ am 24. Februar 1971, die die Freiheit forderten, die UdSSR verlassen zu dürfen. Beide Ereignisse sind eng miteinander verbunden: Der weitere Aufstieg der Bewegung jüdischer Dissidenten führte zu massiven Repressionen, darunter auch zur Verhaftung des Dessidenten Natan Scharansky, der sich vom prophetischen Aufruf der Tora („Exodus“, 5:1) leiten ließ.

 

Ausreiseverweigerung und Schikane

Der staatlich-parteiische Antisemitismus in der UdSSR manifestierte sich in verschiedenen Formen der Diskriminierung von Juden. Die Gründung des Staates Israel eröffnete ihnen die Chance, Freiheit, Gleichberechtigung und ein würdiges Leben in ihrer historischen Heimat zu erlangen. Die sowjetische Regierung behinderte in jeder Hinsicht das Bestreben der Juden, in den Westen auszuwandern, insbesondere in das „feindliche“ Israel. Das Ausreiseverfahren war mit einer Reihe von bürokratischen Formalitäten und Verzögerungen verbunden, die darauf abzielten, die Massenauswanderung durch Ausreiseverweigerungen aufgrund von Militärdienst, der geheimen Natur der Arbeit des Antragstellers, der Nichtübereinstimmung mit den Interessen des sowjetischen Staates und der zurückbleibenden Verwandten so weit wie möglich zu erschweren. Die Auswanderungswilligen wurden des Verrats und des Zionismus bezichtigt, erlitten einen sozialen Statusverlust, wurden entlassen und unter dem Vorwand der Bekämpfung von Parasitismus strafrechtlich verfolgt.

All dies verstärkte die oppositionelle Stimmung unter den Ausgestoßenen, die jahrelang auf Ausreisevisa warten mussten, und führte dazu, dass sie sich den Reihen der aktiven Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten anschlossen. Die antiisraelische Kampagne in der sowjetischen Presse löste heftige Gegenreaktionen in Form von offenen Briefen an Zeitungen aus, in denen gegen Antisemitismus und die Verletzung des Auswanderungsrechts protestiert wurde. Petitionen gegen die Ablehnungen wurden an sowjetische Behörden, die internationale Öffentlichkeit und die UNO geschickt.

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