Deutsche Kriegsverbrechen in Italien

Am 8. September 1943 vollzog Italien den Bruch mit Hitlerdeutschland: Mit der Verkündung des Waffenstillstands durch Marschall Badoglio wechselte das Land die Seiten – und wurde umgehend großteils von der Wehrmacht besetzt. Was folgte, war ein beispielloser Terror gegen Soldaten und Zivilisten, gegen Partisanen und jüdische Mitbürger: Massaker wie in Marzabotto oder Sant'Anna di Stazzema stehen für eine Besatzungspolitik, die auf Abschreckung durch Vernichtung setzte. Über Jahrzehnte blieben viele dieser Verbrechen ungesühnt, Akten verschwanden, Täter entzogen sich der Verantwortung. Die Studien von Marco De Paolis und Paolo Pezzino im Buch „Monte Sole Marzabotto. Deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg“ rufen dieses verdrängte Kapitel deutscher Gewaltgeschichte eindringlich ins Bewusstsein zurück, rücken die Opfer ins Zentrum und benennen die Verantwortung der Täter klar und unmissverständlich. (JR)

Von L. Joseph Heid

Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten am 8. September 1943 besetzte die Wehrmacht mehr als die Hälfte des italienischen Staatsgebiets. Im Zuge dieser Besatzung wurden etwa 12.500 Zivilisten, 6.700 gefangengenommene Partisanen sowie mehrere Tausend weitere Personen getötet. Dabei handelte es sich zumeist um Terroraktionen. Im selben Zeitraum wurden circa 7.000 Jüdinnen und Juden von Italien aus in deutsche Konzentrationslager deportiert, wo die meisten von ihnen ermordet wurden.

Deutsche Kriegsverbrechen in Italien, begangen zwischen dem 8. September 1943 und 2. Mai 1945, umfassten Massaker, Repressalien gegen Zivilisten, Zwangsarbeit und Deportationen. Die Verbrechen ereigneten sich während des Rückzugs der deutschen Truppen und im Kampf gegen italienische Partisanen. Die sogenannten „Bandenbekämpfungseinsätze“ waren oft brutale Vergeltungsaktionen, bei denen Zivilisten als „Banditen“ oder deren Unterstützer galten.

 

Massaker von Marzabotto

Zu den verheerendsten Vorfällen zählten die Massaker von Marzabotto (1944), ein SS-Verbrechen, bei dem über 700 Zivilisten getötet wurden. In Sant'Anna di Stazzema (1944) wurden mehr als 500 Zivilisten, überwiegend Frauen und Kinder ermordet. Weitere Orte wo im Jahr 1944 Massaker stattfanden, waren Civitella und Kephalonia, eine Ionische Insel Griechenlands, das zuvor italienisch besetzt gewesen war, und andernorts. Die Taten reichten von Exekutionen bis zur Zerstörung von Dörfern. Diese Kriegsverbrechen führten nach dem Krieg zu teils langen juristischen Aufarbeitungen, wobei viele Täter nicht oder nur unzureichend verurteilt wurden. Die historische Forschung hat die Ereignisse in den letzten Jahrzehnten intensiv aufgearbeitet.

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