Großbritanniens Verrat an den Juden im Mandatsgebiet Palästina (1922-1948)

1947 stoppte die britische Marine auf dem Mittelmeer das Flüchtlingsschiff „Exodus“. An Bord waren etwa 4.500 Holocaust-Überlebende.© - / FILES-GPO / AFP

Großbritanniens Herrschaft im Mandatsgebiet Palästina begann mit einem historischen Versprechen und endete in einem folgenschweren Wortbruch. Was 1917 mit der Balfour-Deklaration als politische Zusage an das jüdische Volk formuliert wurde, verwandelte sich unter wachsendem Druck arabischer Gewalt in eine Politik der Einschränkung, Abschottung und Kapitulation. Den tiefsten Ausdruck fand dieses Versagen in den 1930er und 1940er Jahren, als Großbritannien aus geopolitischem Kalkül die Tore Palästinas nahezu verschloss, während in Europa die Vernichtung der Juden bereits in vollem Gange war. Fakt ist, dass eine entschlossene Haltung vielen Juden das Leben gerettet hätte. Das Weißbuch von 1939 besiegelte faktisch die Abschottung eines Landes, das für Hunderttausende die letzte Rettung vor den todbringenden Gaskammern hätte bedeuten können. (JR)

Von Liyun Gothóni

Die Geschichte der britischen Herrschaft im Mandatsgebiet Palästina zwischen 1922 und 1948 ist vor allem die Geschichte eines historischen Verrats. Sie erzählt von einer Weltmacht, die dem jüdischen Volk zunächst Hoffnung machte und politische Unterstützung zusicherte, dieses Versprechen jedoch schon früh brach und in der dunkelsten Stunde des europäischen Judentums schließlich genau jene Türen verschloss, die für Hunderttausende die Rettung vor den Gaskammern hätten bedeuten können.

 

Die Balfour Deklaration als Grundlage jüdischer Hoffnung

Als die britische Regierung am 2. November 1917 mit der Balfour Deklaration erklärte, sie betrachte „die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina mit Wohlwollen und werde sich bemühen, dieses Ziel zu fördern“, wurde dies von Juden in aller Welt, die von Pogromen und einer zunehmend aggressiven Diskriminierung bedroht waren, als historischer Meilenstein in über 2.000 Jahren Heimatlosigkeit verstanden. Erstmals erkannte eine der größten Weltmächte offiziell den Zionismus an und erklärte, dass das jüdische Volk nicht nur eine religiöse Gemeinschaft, sondern ein Volk mit nationalem Anspruch und historischer Bindung zum Land Israel sei. Für Millionen Juden, die seit Jahrhunderten in der Diaspora lebten, war diese Erklärung weit mehr als ein politischer Hoffnungsschimmer; für viele war sie die Bestätigung, dass die Vision Theodor Herzls und der zionistischen Bewegung keine politische Träumerei mehr war.

Diese Hoffnung entstand nicht allein aus ideologischer Überzeugung, in das historische Heimatland zurückzukehren, sondern aus bitteren Erfahrungen. In Osteuropa und insbesondere im Zarenreich lebten Millionen Juden unter massiver rechtlicher und gesellschaftlicher Diskriminierung. In den Ghettos waren ihre Bewegungsfreiheit, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten und ihre gesellschaftliche Teilhabe nahezu nicht existent. Nach der Ermordung von Zar Alexander II. im Jahr 1881 wurden sie für das Attentat verantwortlich gemacht. Es kam zu organisierten Gewaltexzessen, bei denen Häuser geplündert, Geschäfte zerstört, Synagogen verwüstet, Frauen und Mädchen vergewaltigt sowie ganze Familien ermordet oder vertrieben wurden. Das Pogrom von Kischinew im Jahr 1903 wurde zu einem Symbol dieser Grausamkeit. Für viele europäische Juden, die glaubten, sich durch Assimilation vor einem solchen Schicksal schützen zu können, wurde klar, dass ein Schutzraum in Form eines jüdischen Staates nicht mehr nur eine ideologische Vision, sondern eine existenzielle Notwendigkeit war.

Diese Hoffnung wurde 1922 weiter gestärkt, als der Völkerbund Großbritannien offiziell das Mandat über „Palästina“ übertrug. Anders als von vielen „antizionistischen“ Propagandisten heutzutage dargestellt, handelte es sich bei diesem Mandat nicht um eine Art „neutrales Verwaltungsmandat“, sondern um einen klar definierten internationalen Auftrag, der den jüdischen Anspruch auf Staatlichkeit anerkannte. Im Mandatstext wurde ausdrücklich die historische Verbindung des jüdischen Volkes zum Land Israel bestätigt und Großbritannien wurde verpflichtet, die politischen, wirtschaftlichen und administrativen Bedingungen zu schaffen, die die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte ermöglichen sollten. Darüber hinaus sollte die jüdische Einwanderung erleichtert und die Ansiedlung auf dem Land gefördert werden.

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