170 Jahre Freud – Die Revolution der Psychoanalyse

Sigmund Freud© © COLLECTION ROGER-VIOLLET / ROGER-VIOLLET VIA AFP

Zum 170. Geburtstag von Sigmund Freud rückt eine der folgenreichsten intellektuellen Revolutionen der Moderne in den Fokus: die schonungslose Freilegung des Unbewussten. Der jüdische Wiener Neurologe und Begründer der Psychoanalyse erschütterte das bürgerliche Selbstbild seiner Zeit, indem er den Menschen nicht länger als rationales Wesen, sondern als von Trieben, Konflikten und verdrängten Erfahrungen gesteuertes Subjekt beschrieb. Seine Erkenntnisse über das Unbewusste, die Bedeutung früher Kindheitserfahrungen und die Dynamik innerer Konflikte haben nicht nur neue Behandlungsmethoden ermöglicht, sondern auch das Selbstverständnis des Menschen vertieft. Freud hat den Menschen nicht erniedrigt, sondern ihn in seiner inneren Komplexität ernst genommen und damit den Weg für ein tieferes Verständnis von Leid, Persönlichkeit und Heilung geebnet. (JR)

Von David Shimanowski

Als ich einmal als Tourist durch Wien schlenderte, stieß ich auf eine Gedenktafel am Eingang des Hauses in der Berggasse 19. Darauf stand, dass Sigmund Freud hier 47 Jahre lang gelebt und gearbeitet hatte. Ich war überwältigt: War er wirklich jener berühmte Neurologe und Begründer der Psychoanalyse, dessen Lehren mich schon als Student fasziniert hatten? Schließlich ist Freud als Begründer der Psychoanalyse bekannt, der einen bedeutenden Einfluss auf die Psychologie, Medizin, Soziologie, Anthropologie, Literatur und Kunst des 20. Jahrhunderts hatte. Seine Bücher, die in sowjetischen Spezialbeständen versteckt waren, habe ich in der wissenschaftlichen Bibliothek studiert, nachdem ich dafür mühsam eine Genehmigung erhalten hatte. Und nach meiner Rückkehr nach Deutschland las ich Freuds Werke, die heute allgemein zugänglich sind, erneut.

 

Der dornige Weg zum Ruhm

Am 5. Mai 1856 wurde in der mährischen Kleinstadt Freiberg (heute Příbor) als Erstgeborener von Jakob Freud und Amalia Nathanson ein Sohn geboren, der nach seinem Großvater Schlomo (Sigismund) benannt wurde. Jakob, Sohn eines Rabbiners aus Galizien, handelte ohne großen Erfolg mit Stoffen, war ein gütiger, ehrlicher Mensch und liebte seine Frau und seine Kinder (insgesamt acht Kinder aus mehreren Ehen) von ganzem Herzen. Er hielt sich nicht streng an religiöse Traditionen, las aber gerne den Talmud. Die hübsche, lebensfrohe Amalia, die halb so alt war wie ihr Mann, schämte sich für ihren galizischen Akzent und vergötterte ihren „goldenen Jungen“. Der Kleine war drei Jahre alt, als die Familie nach Leipzig zog, dann nach Wien, wo sie eine Wohnung im Arbeiter- und Vorstadtviertel Leopoldstadt mietete. Sigmund wuchs als Wunderkind auf, las mit fünf Jahren fließend und stieg in der regulären Schule mühelos von Klasse zu Klasse auf. Der Vater glaubte an die große Zukunft seines Sohnes und bemühte sich mit aller Kraft, ihm eine angemessene Ausbildung zu ermöglichen. Dank der Vorbereitung zu Hause und seiner außergewöhnlichen Begabung konnte der Junge im Alter von neun Jahren die Aufnahmeprüfung bestehen und ein Jahr früher als vorgesehen in ein Gymnasium eintreten. Er lernte schnell Englisch, Latein und Altgriechisch und schloss das Gymnasium mit Auszeichnung ab.

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