1967 ging es für Israel um die Frage: Sein oder Nicht-Sein

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser drohte, „alle Juden ins Meer zu treiben“.
© STF / AFP

Im Juni 1967 stand Israel vor der Vernichtung. Ägypten, Jordanien und Syrien hatten ihre Truppen mobilisiert, Nasser hatte die Meeresstraße von Tiran gesperrt und die Auslöschung Israels angekündigt. Die UNO zog ihre Friedenstruppen ab. Die Welt schaute zu. Israel handelte. In einem der kühnsten Präventivschläge der Militärgeschichte zerstörte die israelische Luftwaffe am 5. Juni 1967 die ägyptische, jordanische und syrische Luftwaffe binnen Stunden am Boden. Was folgte, war ein Sieg, der die geopolitische Landkarte des Nahen Ostens neu zeichnete — und der bis heute von Israels Feinden nicht verwunden worden ist. Was dabei bis heute verschwiegen wird: Ägypten hatte Israel 1948, 1956, 1967 und 1973 viermal zu vernichten versucht — und dennoch gab Israel nach dem Camp-David-Abkommen von 1978 den im Verteidigungskrieg gewonnenen Sinai — ein Gebiet mehrmals größer als Israel selbst — freiwillig zurück. Kein anderes Land der Geschichte hat so etwas je getan. Diese beispiellose Geste wird bis heute weder gewürdigt noch anerkannt — während Israel pausenlos als Aggressor diffamiert wird. (JR)

Von L. Joseph Heid

Der 5. Juni 1967 ist ein Montag. In Jerusalem zeigt die Uhr 7:45 Uhr, in Ägypten ist es 8:45 Uhr. Mit ihren französischen Mystère- und Mirage-Jets fliegen israelische Kampfflugzeuge einen Überraschungsangriff auf Militärflughäfen in Ägypten, Syrien und Jordanien. Innerhalb von 24 Stunden sind 416 arabische Kampfflugzeuge sowjetischer Bauart am Boden zerstört.

Um 8:14 Uhr israelischer Zeit beginnt der israelische Vormarsch auf Gaza und gegen den Sinai. Gegen 10:30 Uhr erobern jordanische Soldaten das UNO-Hauptquartier in Jerusalem und bombardieren um 11:00 Uhr Tel Aviv, Netanya und die israelische Enklave auf dem Skopusberg in Jerusalem. Um 14:25 Uhr rücken israelische Truppen in Jerusalem und im Norden des Westjordanlandes vor. Israel befürchtet, dass jordanische und irakische Truppen das Land an seiner engsten Stelle bei Netanya (15 Kilometer zwischen Grenze und Mittelmeer) durchtrennen könnten. Kurz: Mit seinem Präventivschlag kommt Israel einem arabischen Angriff auf sein Land zuvor und hat mit dem gesicherten Luftraum die strategische Vorentscheidung über den Ausgang des Krieges gewonnen. Der noch namenlose Krieg von 1967 gilt als Fortsetzung des israelischen Unabhängigkeitskrieges (1948/49) und der Suezkrise (1956).

Seit seiner Gründung im Jahre 1948 war der Staat Israel einem anhaltenden äußeren Druck und Belagerungszustand durch seine arabischen Nachbarn ausgesetzt. Die Araber weigerten sich, Israel als Bestandteil des Nahen Ostens anzuerkennen. Der Antagonismus zwischen Arabern und Israelis ergibt sich aus dem Zusammenprall zweier nationaler Bewegungen und aus der Tatsache, dass die arabische Seite den Zionismus genannten jüdischen Nationalismus prinzipiell und unversöhnlich bekämpft. Das heißt, die Araber konnten und können sich nicht dazu durchringen, sich mit der Existenz des Staates Israel abzufinden.

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