„Farhud“ – Das Pogrom von Bagdad

Ramat Gan. Denkmal für die Opfer der Farhud-Pogrome von 1941 und der Pogrome der 1960er Jahre im Irak.© Wikipedia / dr. avishai teicher
Im Juni 1941 entlud sich in Bagdad eine Welle ungezügelter islamischer Gewalt gegen die jüdische Gemeinde des Irak — eines der ältesten jüdischen Siedlungsgebiete der Welt, seit über 2.600 Jahren bewohnt. Der Farhud, wie das Pogrom auf Arabisch heißt, forderte Hunderte jüdische Todesopfer, Tausende wurden verletzt, jüdisches Eigentum wurde geplündert und zerstört. Das Massaker fand ausgerechnet zu Schawuot statt — dem jüdischen Fest der Torah-Übergabe. Angeheizt wurde es durch nationalsozialistische Propaganda und islamischen Judenhass — eine unheilvolle Verbindung, deren Erben heute Hamas, Hisbollah und das iranische Regime sind, tatkräftig unterstützt von der woken, linken und grünen Politik des Westens. Der Farhud markiert den Beginn vom Ende einer 2.600 Jahre alten jüdischen Geschichte im Irak — und steht exemplarisch für eine der größten verschwiegenen Vertreibungen der modernen Geschichte: Zwischen den 1940er und 1970er Jahren wurden rund 850.000 Juden aus dem gesamten Mittleren Osten und Nordafrika vertrieben – aus dem Irak, Syrien, Ägypten, Libyen, Algerien, Tunesien, Marokko und dem Jemen. Blühende Gemeinden, teilweise jahrtausendalt, wurden ausgelöscht. Heute existiert die jüdische Gemeinde des Irak praktisch nicht mehr. Die UNO hat dazu bis heute keine einzige Resolution verabschiedet – ein moralisches Versagen, mit dem die Guterrese, die Steinmeiers und die Baerbocks dieser Welt - um nur einige zu nennen - selbst noch ins Reine kommen müssen und sollten. (JR)
Vielen ist wohl noch der sowjetische Film Aladdins Wunderlampe in Erinnerung, durch den der Satz „In Bagdad ist alles ruhig“ zu einem geflügelten Wort wurde. Es lohnt sich, hier einen Dialog aus diesem Film zu zitieren: „Merke dir, merke dir: Ich habe nichts gesehen. Ich sage dir noch mehr: Auch du hast nichts gesehen. Wir beide haben nichts gesehen! Weißt du, warum ich 85 Jahre gelebt habe? Weil ich die ganze Zeit gesagt habe: ‚In Bagdad ist alles ruhig‘“…
Leider gibt es Menschen – und zwar nicht wenige –, die eine solche Lebenseinstellung vertreten. Aber es gab immer Augenzeugen der Ereignisse, oft tragischer Art, die später davon berichteten. Unter anderem auch davon, dass es in Bagdad bei weitem nicht immer ruhig zuging. Vor 85 Jahren, Anfang Juni 1941, kam es in der irakischen Hauptstadt zu einem blutigen Pogrom gegen die Juden. In der Geschichte dieses Landes erhielt er den Namen „Farhud“ („Enteignung“).
Der politische Hintergrund
Historischer Hintergrund für den „Farhud“ waren die Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs, die auch den Irak erreichten. Zwei Monate vor dem Pogrom hatte im Land ein Militärputsch stattgefunden, in dessen Folge Raschid Ali al-Gailani an die Macht kam. Dieser Politiker war pro-deutsch eingestellt, während Großbritannien damals maßgeblichen Einfluss im Irak ausübte. Der beginnende Konflikt der neuen Regierung mit den Briten führte dazu, dass al-Gailani den Irak verließ, und daraufhin wurde die Rückkehr von Abd al-Ilah, dem Regenten des minderjährigen Königs, nach Bagdad möglich. Die Ankunft von Abd al-Ilah bedeutete die Wiederherstellung des nach dem Umsturz ins Wanken geratenen britischen Einflusses, der die Königsfamilie stützte.
Das Ereignis fiel zeitlich mit dem Ende des jüdischen Schawuot-Festes zusammen. An jenem Tag verließen die festlich gekleideten Juden nach Beendigung der Festliturgie die Synagogen und machten sich auf, um den Regenten zu begrüßen. Da es in der Stadt jedoch nicht wenige Anhänger von al-Gailani gab, werteten diese das Verhalten der Juden als Zeichen der Zustimmung zu den politischen Veränderungen, was den Judenhassern als Anlass diente.
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