Jüdisches Leben in Tschechien – Normalität braucht keine Betonpoller

Die Große Synagoge in Pilsen.© Julian Plutz)


Zwischen Pilsen und Prag zeigt sich ein jüdisches Leben, das als historisch gewachsene Normalität existiert. Während jüdische Einrichtungen in Deutschland aufgrund der zunehmenden Islamisierung und dem Zerfall der Gesellschaft von grün, links und woke faktisch nur noch durch Poller, Beton und bewaffnete Polizeipräsenz am Leben erhalten werden können, begegnet man in Pilsen und Prag einer nüchternen Selbstverständlichkeit jüdischer Existenz. Synagogen, Friedhöfe und kulturelle Orte sind dort Teil des Stadtbildes, nicht Mahnmale einer permanenten islamischen Bedrohung. Der Blick nach Tschechien legt damit die Kausalität der Verunmöglichung jüdischen Lebens auch auf eine ideologisch unterfütterte, suizidale deutsche Einlasspolitik islamischer Israel- und Juden-Hasser offen. (JR)

Von Julian M. Plutz

Der gar nicht einmal so lustige Witz, die Antwort auf die Frage, woran man eine jüdische Einrichtung erkennt – nämlich am Polizeiauto davor –, funktioniert auf eine tragisch hervorragende Weise in Deutschland. Ob Frankfurt, München oder Berlin: Es sind weniger jüdische Insignien, religiöse Symbole oder architektonische Eigenheiten, die den Charakter von Synagogen, Gemeindehäusern oder Schulen prägen, sondern die permanente Bedrohungslage, an die sich Juden in Deutschland längst haben gewöhnen müssen. Die Präsenz bewaffneter Beamter, Poller, Betonblöcke und Sicherheitszäune ist zur selbstverständlichen Kulisse jüdischen Lebens geworden. Diese Normalisierung der Ausnahme ist dabei nicht Ausdruck erhöhter Sensibilität, sondern eines gesellschaftlichen Scheiterns.

Die Tatsache, dass diese moralische Asymmetrie ausgerechnet im Land der Millionen Stolpersteine, des ewigen „Nie wieder“-Mantras und der Verehrung toter Juden als eine Art morbider Gesellschaftskitt existiert, ist vom Prinzip her nur mit dem viel zitierten „Geschichtsknacks“ zu erklären. Dieser äußert sich besonders deutlich in der ritualisierten Bedeutungslosigkeit politischer Apparatschiks mit bedeutungsschwangeren Gesichtern, die alljährlich am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, betroffenes Pathos vortragen, ohne dass daraus eine spürbare Verbesserung der Lebensrealität lebender Juden, folgte. Das staatlich gepflegte Gedenken steht in einem eigentümlichen Missverhältnis zur faktischen Unfähigkeit oder Unwilligkeit, jüdisches Leben im Hier und Jetzt zu schützen.

Umso ungewohnter, aber nicht minder positiv ist die Erfahrung, wenn man jüdisches Leben in den deutschen Anrainerstaaten beobachtet. Von Nürnberg ist man in rund vier Stunden in Pilsen, einer westböhmischen Stadt, deren jüdische Geschichte weit zurückreicht und die dennoch selten im Fokus deutscher Debatten steht. Gerade dort offenbart sich ein Kontrast, der schmerzlich, aber lehrreich ist.

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