Moralischer Offenbarungseid: 200 „Kulturschaffende“ fordern Waffenlieferstopp für Israel

Wo sind die 200 Künstler, die sich für die verschleppten israelischen Geiseln einsetzen? (Joy Denalane, Jella Haase, Armin Rohde, Joko Winterscheidt, Anna Thalbach und Ski Aggu)© Bennie Julian Gay - Management Joy Denalane WIKIPEDIA; Harald Krichel /WIKIPEDIA; Superbass /WIKIPEDIA; 9EkieraM1 /WIKIPEDIA; Colin Darbyshire - Coda Photos WIKIPEDIA
Während israelische Geiseln nach fast zwei Jahren noch immer in den Tunneln der Terror-Bande aus Gaza festgehalten, gefoltert und ausgehungert werden, verstummen die meisten deutschen „Kulturschaffenden“ über das entmenschte Massaker vom 7. Oktober 2023 und finden ihre Stimme erst dann wieder, wenn es darum geht, Israel an den Pranger zu stellen. 200 Prominente fordern im Chor mit der Mörder-Bande einen Waffenlieferstopp und geben sich damit der Illusion hin, „etwas bewirkt zu haben“ und machen sich zu Unterstützern des bestialischen Judenmordes. Anstatt sich mit den unschuldigen israelischen Opfern zu solidarisieren, stilisieren sie in einer ganz und gar unerhörten Weise die verbrecherischen Gazaner zu Märtyrern und Helden. Es ist der moralische Offenbarungseid einer Szene, die dem judenfeindlichen und Islam-affinen Zeitgeist mehr zugetan ist als der Wahrheit und dem Anstand. (JR)
„200 Prominente aus Kunst und Kultur fordern in einem offenen Brief an Kanzler Olaf Scholz: Sehen Sie dem terroristischen Treiben der Hamas nicht länger zu, stoppen Sie unverzüglich jegliche finanzielle Unterstützung aus Deutschland für die palästinensische UNWRA! Deutschland muss Verantwortung übernehmen – kein Cent für Gaza, bis nicht alle israelischen Geiseln auf freiem Fuß sind!“ Können Sie sich an einen solchen Brief erinnern, der von einigen hundert Künstlern unterzeichnet wurde? Nein? Dann hat Ihr Gedächtnis Sie nicht im Stich gelassen – eine solche Petition hat es nämlich niemals gegeben. Bis auf einige rühmliche Ausnahmen wie Andrea Kiewel und Andrea Sawatzki schwieg die deutsche Künstlerschaft beredsam und saß die Situation erst einmal abwartend aus. Furchtbar war es „irgendwie“ schon, das Hamas-Massaker gegen die Besucher des „Nova-Festivals“ und die friedlichen Kibbuz-Bewohner in Re’im und Umgebung, aber der Protest dagegen blieb ein leises, unverständliches Murmeln.
Mord und Vergewaltigung als „Akt des Widerstands“
Rasch machten die ersten Vermutungen die Runde, es könne sich um eine „False Flag“-Aktion der Israelis gehandelt haben, man wisse schließlich, wie der israelische Mossad operiere. Beweise freilich gab es dafür nicht, schließlich handele es sich dabei um „Geheimoperationen“, munkelten die „Wissenden“. Ins Narrativ von der hochtechnisierten Militärmacht Israel mochte sich die Fehleinschätzung der Gefahrenlage im Gaza-Streifen nicht recht einfügen. Wie Douglas Murray in seinem – leider noch nicht auf Deutsch erschienenem – Buch „On Democracies and Death Cults: Israel, Hamas and the Future of the West“ beschreibt, tobte das Massaker noch, als sich in Europa bereits die ersten „Pro-Palästina“-Krawallmacher vor internationalen Botschaftsgebäuden einfanden. Mancherorts heuchelte man noch nicht einmal Mitgefühl, sondern betrachtete Mord und Vergewaltigung als „Akt des Widerstands“ gegen die „israelischen Besatzer“. Kurz darauf zückten auch schon die ersten Künstler ihre Kuffiyes auf den roten Teppichen der Republik. „Palästina“ wurde zum „current thing“ wie einstmals Corona oder die Massenmigration. Da musste man sich „positionieren“.
„Kunstschaffende“, also Sänger, Schauspieler und Autoren, sind im Allgemeinen nicht besser über ein Fachgebiet informiert als der Rest der Menschheit, es sei denn, sie heißen Andrea Kiewel und hielten sich beinahe ganzjährig in Israel auf. Ihr wurde während einer Sendung des „Fernsehgartens“ ein etwa 2 Zentimeter großer goldener Anhänger in der Form des jüdischen Staates zum Verhängnis, der keine Aussparungen für Gaza und die „palästinensischen Autonomiegebiete“ aufwies. Das empörte einige Bürger derart, dass sie lautstarken Protest einlegten. Die Moderatorin – die in der Vergangenheit bereits heftige Kritik an der Israel-Berichterstattung ihres Haussenders ZDF geübt hatte – erhielt daraufhin „Anhängerverbot“. Der Neutralität wegen. Die Medien wissen um die Reichweite publikumswirksamer Prominenten-Statements, da sind Sympathiekundgebungen für Israel von einer beliebten Moderatorin unerwünscht. Vielmehr werden die inzwischen rund 400 „Kulturschaffenden“ als mutig in den Himmel gelobt, so als erfordere es derzeit in Deutschland besondere Courage, sich gegen die israelische Regierung zu stellen.
Da ist es wieder, das unausgesprochene Klischee von den alles kontrollierenden Juden, die niemandem ein kritisches Wort gestatten. Dabei haben fast alle Leitmedien in den letzten Wochen den Bilderkrieg der Hamas wissentlich unterstützt. Noch Tage nachdem ein Foto von wartenden Kindern mit leeren Töpfen in den Händen längst als gestelltes Agenturbild entlarvt war, wurde es in der „Tagesschau“ als Kulisse für Meldungen über eine angebliche Blockade von Hilfsgütern durch die Israelis genutzt. Die Meldung erwies sich als ebenso falsch wie das Bild.
Informationssuche abseits des Mainstreams
Während man bei den Medien nicht länger umhinkann, ihnen eine böswillige Absicht zu unterstellen – Ausnahmen machten nur „Bild“ und „Focus“ – weiß man dies von den an der Petition beteiligten Künstlern nicht genau. Man muss keinen Zugang zu Geheiminformationen besitzen, um der Propaganda der Hamas auf die Schliche zu kommen. Auch ein Recherchenetzwerk – was macht eigentlich „Correctiv“ derzeit? – ist nicht vonnöten, lediglich ein wenig Informationssuche abseits des Mainstreams, wie sie jedem Bürger möglich ist:
Das israelische Logistiknetzwerk etwa „COGAT“ listet in Zusammenarbeit mit 40 internationalen Hilfswerken öffentlich einsehbar alles auf, was an den Grenzübergängen Zikkim und Kerem Schalom zur Auslieferung in den Gaza-Streifen freigegeben wird: Lebensmittel, medizinische Güter, aber auch Zelte und Decken. Allerdings erreichen von 2000 LKW-Ladungen nur 50 ihre Ziele, der Rest wird überfallen und ausgeplündert – das musste die UN nun kleinlaut zugeben. Israelische Hilfe beim sicheren Transport war ausdrücklich nicht erwünscht. Das hätten auch Künstler wie Daniel Brühl, Benno Führmann und Joko Winterscheidt ohne weiteres herausfinden können.
Auf der Unterschriftenliste finden sich auch weniger prominente Namen wie der des Musikers Ski Aggu, für welche die Petition möglicherweise eine Chance war, sich ins Gespräch zu bringen. Dabei sein ist alles – vor allem wenn eine bekannte Petitionsplattform den Appell startet, in diesem Falle „Avaaz“.
„Avaaz“ wurde 2007 von dem kanadischen Politikwissenschaftler Ricken Patel gegründet und finanziert sich inzwischen aus privaten Spenden. Finanzielle Starthilfe leisteten damals unter anderem die Soros-Foundation und die Gates-Stiftung, zu letzterer bestehen noch immer gute Beziehungen. Die Hauptaktivität der Organisation besteht im Erstellen und Bewerben von Online-Petitionen zu allen Themen, welche die Menschen gemeinhin umtreiben: Tier-, Umwelt- und Klimaschutz, Menschenrechte und Krieg. Die Verbrechen der Hamas scheinen den Organisatoren nicht „petitionswürdig“ genug gewesen zu sein, gegen Israel freilich wird nun heftig getrommelt. Kritiker werfen „Avaaz“ vor, mehr Energie in ihr Marketing zu stecken als in wirksame Arbeit: Populäre Themen werden aufgegriffen, Spenden gesammelt, dies als Erfolg verbucht – dann geht es weiter zum nächsten Krisenherd. Den durch Einschüchterung ins Amt gelangten Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Dramane Ouattara, glaubte man 2011 zum „Mann des Friedens“ gemacht zu haben. Kurzum: „Avaaz“ stellt einen ausgezeichneten Spielplatz für all jene dar, die sich für gerade modische Themen in die Bresche werfen wollen, ohne dabei vom Sofa aufstehen zu müssen. Weder die Plattform noch ihre Unterstützer wissen, worüber sie eigentlich reden, vielmehr springt man lediglich auf einen populären Zug auf.
Israel nicht auf Deutschland angewiesen
„Kunstschaffende“, die einfach nachplappern, was Online-Aktivisten vorgeben, die selbst nicht wissen, wovon sie reden: Das ist ein roter Faden, der sich durch die gesamte Nahost-Debatte zieht, da niemand den ausgetretenen Pfad der gängigen Narrative verlassen will. Seitdem Israel sich vom „Kibbuz-Staat“ zu einer High-Tech-Nation gewandelt hat und sich zudem 1973 trotz Überrumpelung durch die arabischen Staaten erfolgreich zur Wehr setzte, erkaltete die Liebe der meisten Linken zum jüdischen Staat. Fortan wurde es den „Imperialisten“ zugeordnet, die das schwache, frisch ausgerufene Volk der „Palästinenser“ böswillig unterdrücken.
In Deutschland kommt noch ein weiterer, ziemlich widersprüchlicher Affekt hinzu: Auch wenn Israel als militärisch stark wahrgenommen wird, glaubt ein Teil der deutschen Bevölkerung, es sei in seiner Existenz von Deutschland abhängig und dringend auf Zuwendungen aller Art aus Berlin angewiesen. Deshalb denken auch unsere „Künstler“, über ein starkes Machtmittel zu verfügen, wenn sie fordern, alle Waffenlieferungen einzustellen. Im Gegensatz zur Ukraine ist das Israel gegenüber immer noch opportun, der Grundsatz „keine Waffen in Krisengebiete“ wird heute recht selektiv angewandt.
Natürlich hat Friedrich Merz – zumindest zum Schein und mit Blick auf seinen „israelkritischen“ Koalitionspartner SPD – der Forderung nachgegeben. Mit Hintertür, denn nur die Lieferung von in Gaza eingesetzten Waffen soll ausgesetzt werden. Die liefert Deutschland aber gar nicht, es sei denn, Gaza läge plötzlich unter Wasser und würde von israelischen U-Booten durchkreuzt, die hier gebaut werden. Denn Merz weiß, wie man populistisch agiert, ohne es sich komplett mit dem jüdischen Staat zu verderben. Von dem will nämlich Deutschland Waffen geliefert bekommen, etwa das Mittelstrecken-Abwehrsystem „Arrow“, welches auch beim Angriff iranischer Drohnen zum Einsatz kam. Diese Feinheiten entgehen unseren Aktivisten allerdings, sie sind sich sicher, jetzt „wirklich etwas bewirkt zu haben“. „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, sang eine andere „Kulturschaffende“ im Zweiten Weltkrieg, das blieb allerdings aus. Genauso wie die Erkenntnis bei den Unterzeichnern des Appells, dass sie sich vor einen anti-israelischen Karren spannen ließen.
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