80 Jahre Aufstand und Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald

Denkmal für die Teilnehmer des Aufstands im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald© OLIVIER PAPEGNIES_BELGA MAG_Belga via AFP
Trotz Terror, Folter und Todesgefahr regte sich in den Konzentrationslagern Widerstand. Beim Aufstand im Konzentrationslager Buchenwald am 11. April 1945 nahmen jüdische Häftlinge eine zentrale und heldenhafte Rolle ein. Sie hatten sich bereits in Untergrundnetzwerken organisiert, obwohl sie besonderer Brutalität ausgesetzt waren. Als sich die amerikanischen Streitkräfte unter General Patton Thüringen näherten, verschärfte sich die Lage für die Häftlinge dramatisch. Die SS plante, das Lager entweder vollständig zu räumen oder, wenn dies nicht mehr rechtzeitig möglich war, zu vernichten. Über einen selbstgebauten Sender gelang es den KZ-Häftlingen einen SOS-Funkspruch an die heranrückenden US-Truppen abzusetzen, welche ihnen Hilfe zusicherte. Gegen 15.15 Uhr am 11. April 1945 begann der Aufstand. Mutige Häftlinge besetzten Wachtürme, stellten den Strom ab, überwältigten überraschte SS-Männer und beschlagnahmten deren Waffen. Innerhalb von zwei Stunden war das gesamte Lager in der Hand der Aufständischen. Einige SS-Leute waren bereits geflohen, andere wurden entwaffnet und inhaftiert. Kurz darauf rückte die US-Armee in Buchenwald ein. Damit endete das unsägliche Martyrium der ausgemergelten und mehr dem Tode als dem Leben nahen Opfer und der Terror der Nazis an diesem für das jüdische Volk opferreichen Ort seines Schmerzes. (JR)
Am 28. Februar 1933, nur einen Tag nach dem Reichstagsbrand, unterzeichnete Reichspräsident Paul von Hindenburg die Verordnung „Zum Schutz von Volk und Staat“. Dieses Dekret, das als Reichstagsbrandverordnung bekannt wurde, war ein entscheidender Schritt zur Zerstörung der Demokratie in der Weimarer Republik. Unter dem Vorwand, gegen die Gefahr eines angeblichen kommunistischen Putschversuchs vorzugehen, wurden wesentliche Grundrechte aufgehoben. Die Bürger verloren ihre Rede-, Presse-, Versammlungs- und Kundgebungsfreiheit; das Abhören von Telefonen, das Öffnen von Briefen, Hausdurchsuchungen und die Beschlagnahme von Eigentum ohne richterliche Anordnung wurden nun legalisiert.
In der Praxis setzte dieser Erlass das Reichsgesetz über alle anderen Normen und gab der Polizei – zunehmend beeinflusst von der NSDAP und besonders den Einheiten der SA und SS – freie Hand. Auf diese Weise war es möglich, politische Gegner ohne rechtsstaatliches Verfahren festzusetzen. Während die NSDAP ihre Macht konsolidierte, nutzten Reichskanzler Adolf Hitler und das von ihm abhängige Umfeld jede Gelegenheit, um die Opposition zu unterdrücken.
Aufstieg der SS und die Rolle Heinrich Himmlers
Innerhalb weniger Monate nach der Machtübertragung an Hitler im Januar 1933 entstanden überall im Deutschen Reich sogenannte „wilde“ Konzentrationslager. Ursprünglich häufig von der SA betrieben, verschleppten die Nazis vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter sowie Angehörige missliebiger Gruppierungen in diese Lager. Bald jedoch gewann die SS unter Heinrich Himmler an Bedeutung.
Himmler, ab 1929 Reichsführer SS, war überzeugt, dass die SS und ihre Wachmannschaften selbst „zum Opfer“ würden, wenn sie keine Härte zeigten. Tatsächlich jedoch traf die staatliche Gewalt primär unschuldige Menschen: Neben politischen Gegnern wurden sogenannte „asoziales Elemente“ (darunter Obdachlose, Bettler, Drogenabhängige) und zunehmend auch Juden verhaftet. Nach den Ereignissen um den sogenannten Röhm-Putsch im Juni/Juli 1934 („Nacht der langen Messer“) sicherte sich die SS endgültig das Monopol auf die Konzentrationslager.
Struktur der Konzentrationslager
Ab 1934 begann der Aufbau eines zentralen KZ-Systems. Himmler schuf die Inspektion der Konzentrationslager (IKL), in der alle großen Lager zusammengefasst wurden. Die Leitung übertrug er an Theodor Eicke, einen seiner loyalsten Gefolgsleute. Eicke hatte sich bereits in Dachau „bewährt“, wo er ein äußerst hartes Regime etablierte, das später als Vorbild für andere Lager diente.
Die IKL koordinierte Bau, Verwaltung, Personal und „Disziplin“ in den Konzentrationslagern. Sie standardisierte auch viele der brutalen Praktiken. Zunächst waren es politische Gegner wie Kommunisten und Sozialdemokraten, die eingesperrt wurden, doch schon früh traf die NS-Repression weitere Gruppen. Besonders traf es Juden: Nach der Pogromnacht im November 1938 stieg ihre Zahl in den Konzentrationslagern sprunghaft an. Ab 1933 entstanden in kurzer Zeit zahlreiche Lager: Dachau im Süden, Sachsenhausen im Norden, Lichtenburg und Sachsenburg, Ravensbrück (speziell für Frauen) sowie später Buchenwald, Mauthausen, Flossenbürg und viele andere. Im besetzten Polen (1939) kamen weitere Standorte hinzu. Nicht alle waren reine Konzentrationslager: Manche dienten als Vernichtungslager (Bełżec, Sobibór, Treblinka und Chełmno), die jedoch teils anderen SS-Stellen unterstanden.
Wichtige Akteure innerhalb der IKL
Unter Eickes strenger Leitung kamen mehrere ranghohe SS-Funktionäre zum Einsatz:
• Richard Glücks, zunächst Eickes Stellvertreter, avancierte später zum Generalleutnant der Waffen-SS und leitete den gesamten Sanitätsdienst in den Konzentrationslagern. Unter seiner Aufsicht fanden an vielen Orten menschenverachtende medizinische Experimente statt.
• Arthur Liebehenschel, SS-Obersturmbannführer, wurde Stabschef der IKL und schließlich Kommandant von Auschwitz und Majdanek. Nach Kriegsende verhaftete man und verurteilte ihn 1947 in Polen zum Tod.
• Anton Kaindl, der eine Karriere als unauffälliger Buchhalter begann, leitete schließlich Verwaltungsabteilungen innerhalb der SS und wurde 1942 Kommandant des KZ Sachsenhausen. Er wurde 1947 von einem sowjetischen Militärtribunal zu lebenslanger Haft verurteilt und starb im Gulag.
• Friedrich Karl Dermitzel, promovierter Mediziner, stieg vom SS-Untersturmführer zum Generalmajor auf und war maßgeblich am medizinischen Dienst beteiligt. Er konnte sich nach 1945 jeglicher Strafe entziehen und starb erst 1981 in Köln.
Verfolgung neuer Häftlingsgruppen
Im ersten Jahr der Diktatur wurden über 25.000 Menschen „präventiv“ verhaftet. Während der 1930er-Jahre erweiterte sich der Katalog der Verfolgten: „Asoziale“, sogenannte Berufsverbrecher, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Homosexuelle und zahlreiche andere Gruppen fanden sich in den Lagern wieder. Die Inhaftierten litten unter unvorstellbaren Bedingungen: Zwangsarbeit, mangelhafte Hygiene, kaum medizinische Versorgung, Schläge und Folter waren an der Tagesordnung.
In vielen Lagern organisierten die NS-Machthaber Rüstungsbetriebe – so z.B. die Gustloff-Werke in Buchenwald, wo die Häftlinge unter lebensgefährlichen Umständen arbeiten mussten. Das gesamte System war auf Ausbeutung bis zum Tod ausgelegt: Wer zu schwach zum Arbeiten war, wurde oft „ausgemustert“ und getötet.
Buchenwald nahe Weimar
Ein besonders großes Lager war Buchenwald, dessen Bau 1937 von Himmler persönlich angeordnet wurde. Die Wahl fiel auf den Ettersberg in Thüringen, nahe der Stadt Weimar – ein Ort, der ironischerweise für deutsche Klassik und Humanismus stand (Goethe, Schiller). Zunächst sollte das Lager „KZ Ettersberg“ heißen, doch man entschied sich für den Namen „Buchenwald“.
Das Lager war von einem mit 380 Volt Strom führenden Stacheldrahtzaun umgeben; Wachtürme und eine Kommandantur sicherten das Gelände. Über dem Haupttor prangte höhnisch die Inschrift „Jedem das Seine“. Im Sommer 1937 trafen die ersten 147 Häftlinge aus Sachsenhausen ein. Kurz darauf kamen weitere Transporte, u.a. aus Sachsenburg und Lichtenburg, die man auflöste.
Buchenwald wuchs rasch: 1938 waren dort bereits über 11.000 Personen eingesperrt; im Februar 1945 befanden sich rund 80.000 Häftlinge im Lager. Ständig verschärfte Zwangsarbeit und mangelnde Versorgung führten zu enormen Sterberaten. Die SS ließ 1940 ein Krematorium errichten, um die Vielzahl an Toten direkt im Lager einäschern zu können.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden in Buchenwald auch Kriegsgefangene festgehalten. Besonders hoch war die Sterberate unter sowjetischen Gefangenen. Im Herbst 1941 erschossen SS-Männer eine erste Gruppe von 300 sowjetischen Offizieren. Weitere Opfer waren polnische Untergrundkämpfer, französische Résistance-Mitglieder, niederländische Widerständler, Luxemburger Patrioten, Belgier und Häftlinge aus vielen weiteren Nationen Europas.
Jüdische Häftlinge
Von Anfang an war die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Teil der NS-Politik. Auch in Buchenwald galten Juden als „Sonderkategorie“, die besonders grausame Demütigungen und Misshandlungen erleiden mussten. Nach der Novemberpogromnacht 1938 wurden über 10.000 jüdische Männer ins Lager deportiert. Viele von ihnen überlebten diese Torturen nicht. Im Gesamtverlauf wurden Schätzungen zufolge mindestens 11.000 Juden allein in Buchenwald ermordet oder zu Tode gequält.
Widerstand, Untergrund und Aufstand
Trotz Terror, Folter und Todesgefahr regte sich in den Konzentrationslagern Widerstand. In Buchenwald organisierten sich Gefangene in konspirativen Gruppen. Das Internationale Lagerkomitee, geleitet vom deutschen Kommunisten Walter Bartel, vereinte Vertreter verschiedener Nationen, darunter der Tscheche Innemann, der Franzose Paul, der Russe Simakov und viele weitere. Darüber hinaus existierte eine militärische Untergrundgruppe, die Waffen schmuggelte und sich auf eine mögliche Selbstbefreiung vorbereitete.
Im April 1945, als sich die amerikanischen Streitkräfte unter General Patton Thüringen näherten, verschärfte sich die Lage für die Häftlinge dramatisch. Die SS plante, das Lager entweder vollständig zu räumen oder, wenn dies nicht mehr rechtzeitig möglich war, zu vernichten.
In der Nacht zum 8. April 1945 gelang es zwei Häftlingen, dem polnischen Funkamateur Gwidon Damazyn und dem russischen Kriegsgefangenen Konstantin Leonov, über einen selbstgebauten Sender einen SOS-Funkspruch an die heranrückenden US-Truppen abzusetzen. Er funkte:
„An die Alliierten. An die Armee von General Patton. Hier spricht das Konzentrationslager Buchenwald. SOS. Wir bitten um Hilfe. Die SS will uns vernichten.“
Nach mehreren Versuchen kam die Antwort:
„KZ Buchenwald – haltet durch. Wir eilen Ihnen zu Hilfe. Drittes Armeekommando.“
Aufstand am 11. April 1945
Das Internationale Komitee erfuhr, dass die SS am 11. April um 17.00 Uhr die endgültige Vernichtung des Lagers plane. Man beschloss, zuvor zu handeln: Gegen 15.15 Uhr begann der Aufstand. Häftlinge besetzten Wachtürme, stellten den Strom ab, überwältigten überraschte SS-Männer und beschlagnahmten deren Waffen. Innerhalb von zwei Stunden war das gesamte Lager in der Hand der Aufständischen. Einige SS-Leute waren bereits geflohen, andere wurden entwaffnet und inhaftiert.
Kurz darauf rückte die US-Armee in Buchenwald ein. Damit endete der Terror unter den Nazis an diesem Ort. Am 19. April 1945 versammelten sich die Überlebenden – rund 21.000 Menschen – zu einem ersten freien Appell auf dem großen Exerzierplatz. Sie gedachten der Toten und schworen, für eine Welt ohne Faschismus einzutreten.
Erinnerungen von Emil Alperin
Emil Alperin (1922–2009) war einer der Häftlinge, die den Aufstand und die Befreiung Buchenwalds miterlebten. Er wurde 1922 in Odessa geboren, 1940 zur Roten Armee eingezogen, geriet in Kriegsgefangenschaft und durchlief mehrere Lager, bis er im März 1944 nach Buchenwald kam. Später erinnerte er sich an die Angst, als Jude erkannt zu werden, zumal er das „R“ nicht deutlich aussprechen konnte und manche Worte deshalb bei Gesprächen vermied.
Alperin war Teil der internationalen Untergrundorganisation im Lager. Nach der Befreiung ließ er sich in Charkow nieder und gründete 1963 den „Charkower Regionalrat der antifaschistischen Widerstandskämpfer“, den er lange leitete. Kurz nach dem 11. April 1945 sammelte er in einem Notizbuch Einträge von Kameraden verschiedener Nationen; diese Aufzeichnungen erschienen 2008 als „Das Buchenwald-Notizbuch“.
Zahlen und Fakten
• Zwischen Juli 1937 und April 1945 waren in Buchenwald mehr als 250.000 Menschen aus über 30 Nationen inhaftiert.
• Mindestens 50.000 starben dort oder wurden ermordet. Unter den Opfern befanden sich etwa 11.000 Juden.
• Zahlenentwicklung: Während 1938 noch 11.028 Häftlinge registriert waren, stieg die Zahl bis Februar 1945 auf über 80.000.
• Kategorien: Die Häftlinge mussten je nach „Delikt“ oder Herkunft farbige Winkel tragen. Politische Gefangene (rot), „Asoziale“ (schwarz), Kriminelle (grün), Zeugen Jehovas (violett) und Juden mit zusätzlichem Davidstern.
• Rüstungsarbeit: Viele Häftlinge wurden zu Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieben gezwungen, darunter die Gustloff-Werke. Andere starben bei brutalen Außenkommandos.
• Bekannte Häftlinge: Der französische Politiker Léon Blum, der Premier Édouard Daladier, Rabbiner wie Jacob Avigdor oder Yisrael Meir Lau, Theologen wie Dietrich Bonhoeffer und August Froehlich sowie der ungarische Schriftsteller Imre Kertész (Literaturnobelpreis 2002) waren dort inhaftiert.
• Martin Sommer, Hauptscharführer der SS, galt als einer der brutalsten Täter („Buchenwald-Schlächter“). Er folterte, spritzte Phenol oder Luft in die Adern und tötete unzählige Häftlinge.
SS-Täter und ihre Schicksale
• Heinrich Himmler: Reichsführer SS und einer der Hauptverbrecher des NS-Staates, verantwortlich für die Vernichtung von Millionen Juden, Sinti und Roma und anderen Gruppen. Er versuchte nach der Kapitulation zu fliehen, wurde am 21. Mai 1945 von den Briten gefasst und beging Suizid mittels Zyankalikapsel.
• Theodor Eicke: Chefinspekteur der IKL, beteiligte sich persönlich an Erschießungen und war mit seinen SS-Einheiten für Massenmorde in Polen verantwortlich. 1943 kam er in der Nähe von Charkow ums Leben.
• Richard Glücks: Leitete den Sanitätsdienst in den KZ und war verantwortlich für unmenschliche medizinische Experimente. Er entkam zunächst, nahm sich aber im Mai 1945 durch Zyankali das Leben.
• Arthur Liebehenschel: Stellvertretender Chef der IKL, Kommandant von Auschwitz und später Majdanek. Er wurde 1945 verhaftet, 1947 in Polen gehängt.
Nach der Befreiung
Während des Kriegsendes wurden Zehntausende Häftlinge aus Buchenwald in Richtung anderer Lager verschleppt. Viele starben unterwegs an Hunger, Kälte oder durch Mordhandlungen der Wachmannschaften. Diejenigen, die zurückblieben, konnten sich dank des Aufstands am 11. April 1945 selbst befreien – kurz bevor die US-Armee eintraf.
Am 19. April 1945 zelebrierten die Überlebenden ihren ersten freien Appell, gedachten der rund 56.000 Toten von Buchenwald und schworen feierlich, Faschismus und Hass zu bekämpfen. In den folgenden Wochen und Monaten kehrten die meisten Überlebenden in ihre Heimatländer zurück, oft schwer traumatisiert und ohne Nachricht von ihren Familien.
Nachnutzung durch die Sowjetunion und Strafverfolgung
Ab August 1945 bis zum 1. März 1950 nutzte das sowjetische NKWD das frühere KZ-Gelände als Speziallager Nr. 2. Hier wurden vor allem tatsächliche oder vermeintliche NS-Funktionsträger interniert, aber auch Menschen, die in den Augen der sowjetischen Besatzungsmacht ein Sicherheitsrisiko darstellten. Mehrere tausend starben erneut in Buchenwald, nun unter sowjetischer Lagerverwaltung.
In den folgenden Jahren kam es zu verschiedenen Gerichtsprozessen. 1947 standen 30 Angehörige des Buchenwald-Personals vor einem amerikanischen Militärgericht. 22 erhielten Todesurteile, wobei nur neun tatsächlich hingerichtet wurden. Andere prominente Täter wurden in der sowjetischen Besatzungszone angeklagt. Manche SS-Leute tauchten unter oder erhielten aufgrund der veränderten geopolitischen Lage (Kalter Krieg, Amnestien) später milde Urteile.
Gedenkstätte Buchenwald
Am 14. September 1958 eröffnete die Gedenkstätte Buchenwald auf dem ehemaligen Lagergelände. In der DDR wurde sie zu einem zentralen Ort der Mahnung gegen Faschismus und Krieg. Nach 1990 erfolgte eine Neukonzeption der Gedenkstätte, um die Verbrechen des NS-Regimes differenziert darzustellen und gleichzeitig auch an die Opfer der Sowjetzeit zu erinnern.
Einer der bekanntesten Überlebenden war der Schriftsteller und spätere Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der seine Erfahrungen u.a. in dem Buch „Nacht“ (1960) verarbeitete. Andere literarische Auseinandersetzungen mit Buchenwald oder zumindest mit einem daran angelehnten Lager finden sich in Erich Maria Remarques Roman „Der Funke Leben“ (1952) oder in Jorge Semprúns Werk „Was für ein schöner Sonntag!“ (1980, Originaltitel „Quel beau dimanche!“).
2009 besuchten der damalige US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit Überlebenden wie Elie Wiesel und Bertrand Herz die Gedenkstätte. Sie ehrten die Opfer und erinnerten an die Bedeutung von Buchenwald als Symbol für den beispiellosen Terror der Nationalsozialisten.
Fazit
Die Geschichte von Buchenwald ist untrennbar mit den verbrecherischen Aktivitäten der NS-Diktatur verknüpft. Der Weg in die diktatorische Willkür begann mit der „Reichstagsbrandverordnung“ am 28. Februar 1933, die zivile Rechte und Freiheiten beseitigte. Unter Himmlers Führung entstand ein KZ-System, das immer mehr Häftlinge aus ganz Europa verschlang. Entsetzliche Zustände, Folter und Massenmord prägten den Lageralltag. Dennoch entwickelten Gefangene wie Emil Alperin und viele andere einen mutigen Widerstand und riskierten ihr Leben.
Die Selbstbefreiung Buchenwalds am 11. April 1945 und die Ankunft der alliierten Truppen retteten tausenden von Menschen das Leben. Wer überlebte, kehrte in eine vom Krieg zerstörte Welt zurück. Die Erinnerung an Buchenwald wird bis heute lebendig gehalten – als Mahnmal dafür, wohin Rassenwahn, Antisemitismus, Totalitarismus und die Abwesenheit eines funktionierenden Rechtsstaates führen können.
Zahlreiche Prozesse gegen SS-Verbrecher endeten allerdings mit milden Strafen oder Freilassung nach kurzer Zeit, sodass viele Täter nie eine angemessene Sühne leisten mussten. Dennoch bleibt Buchenwald, wie andere KZs, ein zentraler Ort des Gedenkens in Europa. Das Schicksal der dort inhaftierten Menschen und der Mut derjenigen, die Widerstand leisteten, haben weltweit Bedeutung als Teil der kollektiven Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und als Warnung an künftige Generationen.
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