Franco und die Juden

Franco in Bilbao, 1939© AFP

Obwohl der spanische Diktator Franco eine schändliche Allianz mit Hitler-Deutschland eingegangen ist, muss gesagt werden, dass sich der Umgang mit der sogenannten „Judenfrage“ in Spanien trotz des unzweifelhaft herrschenden Antisemitismus erheblich von dem der Nazis unterschied. Spanien ist das Land der Inquisition, des katholischen Antisemitismus, der Zwangstaufen und der massiven Abwanderung sephardischer Juden. Dennoch gehörte der Antisemitismus in Francos Spanien nicht zur zentralen Agenda, spanische Diplomaten waren sogar an der Rettung Tausender Juden aus Nazi-Deutschland beteiligt. Das mag vor allem darin liegen, dass der spanische Diktator davon überzeugt war, dass man die sog. „Judenfrage“ bereits 1492 mit der Reconquista gelöst hatte, als die Juden zum Christentum konvertieren oder das Land verlassen mussten. Trotzdem darf nicht verkannt werden, dass Franco den Judenhass schürte und behauptete, die Juden seien Teil einer internationalen Verschwörung und Schuld an den Problemen im Land. Nach dem 2. Weltkrieg wollte Franco seine Kollaboration mit den Nazis vertuschen, in dem er u.a. bei der Rückführung von Juden aus Marokko nach Israel mithalf. Seine Beziehung zum Judentum war stets ambivalent, ein Don Quijote war Franco ganz sicher nicht. (JR)

Von Alexander Kumbarg

Francos Auftritt auf der politischen Weltbühne

Auf dem Territorium Spaniens leben Juden seit der römischen Antike. Die jüdisch-spanische Geschichte ist hart. Im Jahre 1492 verfügte das Königspaar Ferdinand II. von Aragon und Isabella die Katholikin, dass die Juden entweder Spanien verlassen oder zum Christentum konvertieren sollten. Die meisten Juden ließen sich taufen. Einige der Juden wurden getauft und ihre Nachkommen werden Marranos genannt. Sie praktizierten oft heimlich weiterhin das Judentum. Wenn dies festgestellt wurde, konnte die "Heilige Inquisition" sie foltern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Das Edikt von 1492 wurde de facto durch die Verfassung von 1869 aufgehoben. Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine kleine jüdische Bevölkerung in Spanien. Unter der Diktatur von Miguel Primo de Rivera zwischen 1924 und 1930 erhielten mehrere tausend sephardische Juden – Nachkommen ausgewanderter iberischer Juden – die spanische Staatsbürgerschaft. Es bestand Einvernehmen darüber, dass ihre Verbindungen zu verschiedenen Ländern und ihre beruflichen Erfolge für Spanien nützlich sein könnten.

In den 1930er Jahren hatte Spanien viele sozioökonomische und politische Probleme angehäuft. Die Monarchie wurde durch eine Republik ersetzt. Es wurden Angriffe auf Grundbesitzer, Geistliche und viele Militärangehörige gestartet. Die antireligiöse Politik betraf auch jüdische Gemeinden. Es gab keinen wirklichen Kampf gegen den Antisemitismus. Zum Beispiel wurde eine der Madrider Synagogen ausgeraubt und Tora-Rollen geschändet. Zur gleichen Zeit durften sich mehrere tausend jüdische Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland in Spanien niederlassen.

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