100. Geburtstag Gerhard Löwenthals: Ein Jude und kritischer Journalist aus Berlin

Gerhard Löwenthal setzte sich engagiert für die Bürgerrechte in der DDR ein.


Löwenthal sah sich als „deutschen Patrioten jüdischen Glaubens“, er stand, wie auch unsere Zeitung, für einen freiheitlichen, auf die Bewahrung von Rechtsstaat und Marktwirtschaft ausgerichteten Konservatismus. Besonders im Erstarken linker Gesinnung sah er eine große Bedrohung für den freiheitlich-demokratischen Rechtstaat. Aus der Shoah leitete der Holocaustüberlebende eine „fortdauernde Verantwortung“ Deutschlands für Israel ab, der die deutsche Politik allerdings trotz großspuriger Worte und fortdauernder Gedenktags-Heuchelei bis heute auch nicht annähernd nachkommt. Gerade jetzt fehlt angesichts des Israel-aversen Verhaltens Deutschlands, besonders in der Mainstream-Medienlandschaft, ein Mahner wie Löwenthal aufs Schmerzlichste. (JR)

Von Stefan Winckler

Wer war dieser Journalist, der die Fernseh-Nation Woche für Woche in zwei feindliche Lager spaltete, wie es zumindest der „Spiegel“ vor 50 Jahren behauptete?

 

Leben und Werk

Gerhard Löwenthal wurde 1922 in Berlin am Kurfürstendamm geboren. Der Vater, ein Herrenkonfektionär, war Jude. Die Mutter konvertierte mit der Heirat vom Protestantismus zum jüdischen Glauben. Seine Lehrer waren im Wesentlichen bürgerlich-konservativ. Die weitaus meisten behandelten ihn auch nach 1933 korrekt und gerecht. Ähnliche Erfahrungen machte der Schüler Marcel Reich-Ranicki in Berlin-Schöneberg – die modernen Viertel der Metropole mit einem recht hohen jüdischen Bevölkerungsanteil unterschieden sich von den ländlichen oder kleinstädtischen Gegenden. Allerdings griffen HJ-Schläger Löwenthal mehrfach an, weswegen er im Sportclub „Makkabi“ Boxunterricht nahm und sich fortan wirkungsvoll verteidigte.

Am 10. November 1938, im Anschluss an die Pogromnacht, wurden Löwenthal und sein Vater ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Dank der Fürsprache von „Onkel Max“, einem hochrangigen Angestellten der Heinkel-Flugzeugwerke, kamen beide wieder frei. Im Hintergrund hatte sich seine Mutter eingesetzt. Wie alle jüdischen Schüler musste Gerhard Löwenthal das Gymnasium verlassen. Der Kriegsausbruch verhinderte, dass er nach Großbritannien emigrierte, wie sein jüngerer Bruder Herbert. In den folgenden Jahren lernte er das Optikerhandwerk bei einem wohlgesonnenen Lehrmeister. Einer Deportation entging er, da der Betrieb als „kriegswichtig“ galt und die Mutter erneut „alle Hebel in Bewegung setzte“. Löwenthal befand sich wochenlang in Gestapo-Haft, da er Juden unterstützt, einige sogar versteckt hatte. Als Träger des Gelben Sterns war er ohnehin auf das Höchste gefährdet. Fast alle jüdischen Verwandten wurden ermordet.

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