Jüdisches Erbe im Burgenland: Ein Land stellt sich der Vergangenheit

Paul I. Fürst Esterházy lud 1670 die aus Wien vertriebenen Juden ein. Rund 3000 Juden folgten seinem Ruf. Dank Esterhàzy gab es in den „Sieben-Gemeinden“ eine eigene jüdische Verwaltung, eigene Ärzte und Hebammen. Die heutige Burgenländische Landesregierung pflegt dieses Andenken an das jüdische Erbe.

Den alten jüdischen Friedhof Eisenstadts gibt es seit dem Zuzug der Wiener Juden Ende des 17. Jahrhunderts. Der älteste erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1679, die letzte Bestattung fand hier 1875 statt.


Von Halfdan Henriksson

Das österreichische Burgenland war immer schon etwas anders als die übrigen acht Bundesländer Österreichs. Das liegt vor allem daran, daß es erst nach Ende des Ersten Weltkriegs Teil der neugegründeten Republik Österreich wurde, weshalb das vergangene Jahr vom 100-Jahre-Jubiläum geprägt war. Davor war es über Jahrhunderte als Teil des Königreichs Ungarn, vor allem geprägt von dörflichen Strukturen und dem Großgrundbesitz adeliger Familien, von denen die Batthyánys und die Esterházys die bekanntesten sind. Beide Familien sind mit dem Entstehen der jüdischen Gemeinden eng verbunden.

Vor allem die Esterházyschen „Sieben-Gemeinden“ in Eisenstadt, Mattersdorf (heute –burg), Kobersdorf, Lackenbach, Frauenkirchen, Kittsee und Deutschkreutz gelten als Keimzelle jüdischen Lebens. Sie entstanden durch die Einladung von Fürst Paul I. Esterházy, der 1670 die aus Wien vertriebene Juden einlud, sich in seinem Herrschaftsbereich niederzulassen. Rund 3000 Juden, vor allem orthodoxe, folgten diesem Ruf. In den folgenden Jahren entwickelte sich ein vielseitiges Gemeindeleben: Es gab eine eigene jüdische Verwaltung mit niederer Gerichtsbarkeit, eigenen Ärzte, Hebammen, Schächtern und zahlreichen anderen Berufen.

Die ehemalige private Synagoge von Samson Wertheimer am Eisenstädter Oberberg gehört zu den wenigen im deutschen Sprachraum, welche das Pogrom von 1938 und die Zeit danach unbeschadet überstanden haben. Sie ist die älteste in ihrer ursprünglichen Funktion erhaltene Synagoge Österreichs. Bis 1840 hatte die ›Wertheimer'sche Schul‹, wie die Synagoge früher genannt wurde, ihren eigenen Rabbiner. Die Eisenkette am Pfeiler markiert die Grenze des ehemaligen Ghettos – mit ihr wurde am Sabbat die Gasse gesperrt. Sie ist ein Zeichen der damaligen jüdischen Autonomie.


Das jüdische Leben, das bedeutende Persönlichkeiten wie der Geiger Joseph Joachim, der Komponist Karl Goldmark oder Sándor Wolf, der Gründer des burgenländischen Landesmuseums prägten, fand ein abruptes Ende mit der Herrschaft des Nationalsozialismus. Nur wenige Monate nach dem Anschluss Österreichs verkündete Gauleiter Tobias Portschy bereits das Land als „judenfrei“, alle außer zwei Synagogen wurden zerstört. Nach Beraubung bzw. Enteignung kamen die meisten von der damals 4.000 jüdischen Burgenländer nach Wien, und zwei Drittel von ihnen gelang die Emigration nach Großbritannien, die USA oder Palästina. Mindestens 1.300 wurden ab 1939 in Ghettos und Konzentrationslagern ermordet. Nur wenige kehrten nach dem Krieg in ihre Heimat zurück, heutzutage leben nur rund ein Dutzend dort.

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