Willkommen in Achsivland!

Israel ist ein Staat der ethnischen und kulturellen Vielfalt: Sogar für einen Hippie-„Staat“ ist Platz im Staate der Juden (JR).

Ein Blick nach Achsivland© Ina Fassbender / AFP

Von Edgar Seibel

Zwischen den Ruinen einer bereits in der Bibel erwähnten Hafenstadt errichtete das ehemalige Palmach-Mitglied, der jüdische Seemann und Aktfotograf aus dem Iran, Eli Avivi, schon in den 70ern einen Staat im Staate – das Achsivland in Israel. Noch heute existent, belustigt Achsivland weiterhin viele Touristen.

Die Geschichte des Zwergstaates, der sich wenige Autominuten abseits der Küstenroute 4 nahe Naharija befindet, ist genauso voll von juristischen Auseinandersetzungen wie die Biografie seines Gründers Eli Avivi. Der unbeugsame Hippie, der schon während seiner Kindheit in den 1930er und 1940er Jahren oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, und Sabotageakte gegen die Briten als Besatzungsmacht des Heiligen Landes beging, errichtete zwischen den Ruinen der Stadt Achsiv unbefugt mehrere Hütten, von der wahnwitzigen Idee getrieben eine Art Pilgerstätte für Unangepasste aus aller Welt zu schaffen.

 

Ärger mit den Behörden

Den israelischen Behörden aber gefiel sein Plan überhaupt nicht. So wurde 1971 ein Großteil seiner Koloniehütten abgerissen, Avivi der widerrechtlichen Staatengründung angeklagt, die Klage später jedoch zurückgezogen.

Schließlich rief Eli Avivi mit seiner Frau Rina dann doch noch im selben Jahr, am 11. April 1971, den souveränen Staat Achsivland (Fläche: 0,01 qkm) aus und erklärte das Meeresrauschen zur Nationalhymne.

Das israelische Gericht musste verkünden, dass eine Anklage wegen Staatsgründung ohne Genehmigung keine strafrechtliche Tat nach herrschendem Gesetz darstellte. Nachdem Staatsgründer Avivi anschließend den Staats Israel verklagt hatte, stellte man als Resultat einen Pachtvertrag aus; Eli wurde Präsident auf Lebenszeit.

Der Präsident und seine First Lady Rina legten sich von da an richtig ins Zeug. Für ihre freidenkerisch veranlagten, meist jungen Gäste richteten sie neben einer Herberge und eigenen Pässen sogar ein Standesamt ein. In fünf Minuten, so Eli, könne man in Achsivland eine Ehe schließen und sich genauso schnell wieder scheiden lassen. Auch prominente Gäste konnte die Hippiehochburg Israels im Laufe der Jahre verzeichnen, so bekam sie beispielsweise Besuch von der Schauspielerin Sophia Loren, die für zwei Wochen blieb, oder in jüngerer Zeit von dem Model Bar Refaeli. Ein Visum zur Einreise wird zwar nicht verlangt, aber um 25 Schekel wird gebeten. Und um zu Campen benötigt man ebenfalls ein paar Scheine.

 

Ein Ort der freien Liebe

Nach einem Blick auf die stolze Landesflagge Achsivlands, wird man den Verdacht nicht los, dass die darauf abgebildete, barbusige Meerjungfrau nicht nur die Nähe zum Meer symbolisieren soll, sondern auch – oder sogar in erster Linie – die hierzulande gern gesehenen nackten Frauen. Der freizügige Lebensstil der Hippies im Ministaat machten ihn schon in den Anfangsjahren zu einem Ort der Liebe. Elis Nebenjob als begnadeter Aktfotograf des Landes, verschaffte ihm die Ehre, mit über zwei Millionen geschossenen Bildern eines der größten Aktfotoarchive Israels zu besitzen. Natürlich sind es vorwiegend Frauenbilder. „Die habe ich halt besonders gern fotografiert“, sagte Präsident Eli. Wobei die Wände seiner Präsidentenvilla mit Nacktbildern der First Lady Rina tapeziert waren.

Am 16. Mai 2018 starb Achsivland-Gründer Eli Avivi im Alter von 88 Jahren, doch sein Land lebt weiter.

Im Grunde reiht sich Achsivland ein in eine lange Liste abenteuerlicher Mikronationen, zu denen solche gehören wie etwa der Touristenmagnet Freistadt Christiania in Kopenhagen (Dänemark), ein Ort für Hippies und Künstler aller Art, oder Sealand, ein kleines Fürstentum, das sich auf einer alten Seefestung in der Nordsee gebildet hat (Fläche: 0, 004 qkm).

Schon im Jahr 2009 erschien zu Ehren Avivis der Dokumentarfilm „Medinat Akhziv: Akhziv, a place for love“, uraufgeführt auf dem Haifa International Film Festival.

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