Zum 80. Jahrestag: Die Tragödie von Babi Jar

Ein sehr persönlicher Blick einer Familie zurück auf die massenhafte und bestialische Ermordung ukrainischer Juden in einer Schlucht bei Kiew 1941 (JR)

Boris Bomstein 1940


Von Lina Gorodezkaja

Dieses Bild fiel plötzlich aus dem Fotoalbum heraus; mein Sohn wollte es an seinen Platz zurückstecken und fragte: „Mama, wer ist das?“ Das Bild war bereits 75 Jahre alt und denjenigen, der von diesem Foto auf uns schaute, gibt es seit 74 Jahren nicht mehr – meinen Onkel, den einzigen Bruder meiner Mutter. Dank dieses Bildes kehrte ich gedanklich in jene Stadt zurück, in der ich aufgewachsen bin.

Vor etwa 30 Jahren, kurz vor unserer Auswanderung nach Israel, unternahmen meine Mutter und ich eine Reise in die Vergangenheit, in die Jahre vor dem Krieg, als Kiew weder U-Bahn noch prächtige Brücken hatte und das Leben in der Stadt noch ganz anders ablief. Aber auch damals blühten die Kastanien und der Dnjepr floss vorüber. Auf seiner linken Seite, angekommen mit der Straßenbahn, fanden wir uns im Hof vor zwei alten Häusern wieder – einem Holz- und einem Backsteinhaus. Hier stand die Zeit still, zumindest für meine Mutter, denn es war der Hof ihrer Kindheit.

 

Matratzen im Hof

Sie wuchsen zusammen auf, diese Kinder aus den sieben „Kommunalkas“ (Kommunalka, zu Deutsch Gemeinschaftswohnung, ist in Russland im 19. Jahrhundert mangels Wohnraums entstanden. In solchen Mehrzimmerwohnungen teilten mehrere Parteien / Familien den Sanitär- und Küchenbereich, - Anm. d. Übers.). Alle Nachbarn waren durch Zufall jüdisch und der Hofkehrer Onkel Vanja war der Einzige im Haus, der kein Jiddisch sprach. Die älteren Jungs begeisterten sich für Fußball, Mädchen spielten Mutter und Tochter, und die Frauen kochten zusammen in den Gemeinschaftsküchen, stritten und vertrugen sich wieder. In den drückend heißen Sommern trugen Kinder Matratzen in den Hof und übernachteten dort, ohne Angst vor bösen Menschen zu haben… Das kann ich mir, die ich in einem Hochhaus, in einer Wohnung im neunten Stockwerk, aufgewachsen bin, kaum vorstellen.

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