Israels libysche Gemeinde

Die von unseren Medien kaum thematisierte Vertreibung von Juden aus fast allen arabischen Ländern hat auch in Libyen zur nahezu vollständigen Auslöschung jüdischen Lebens geführt. Israel ist vielen der ehemals libyschen Juden zur neuen Heimat geworden. Hier ein kurzer Bericht über ihr Leben im Gelobten Land.

Mit der Machtübernahme Gaddafis 1969 erlebte die Verfolgung und Diskriminierung libyscher Juden ihren Höhepunkt. Gaddafi ordnete an, dass jeglicher jüdische Besitz zu enteignen sei und alle Schulden, die Nichtjuden bei Juden hätten, hinfällig seien. Obwohl Gaddafi ein Ausreiseverbot verhängte, gelang den allermeisten libyschen Juden in den folgenden Jahren die Flucht ins Ausland. Seit dem 21. Jahrhundert leben schließlich gar keine Juden mehr in Libyen.© PATRICK HERTZOG / AFP

Von Rachel Avraham (Israel Heute)

Obwohl es heute keine Juden mehr in Libyen gibt, hatte dieses mehrheitlich arabische Land einst eine blühende jüdische Gemeinde, die bis ins Jahr 323 v. Chr. zurückreicht. Nachdem jedoch bei einem großen Pogrom 1945 über 140 Juden getötet und fast alle Synagogen des Landes geplündert wurden und bei den darauffolgenden Unruhen 1948 12 Juden getötet und 280 jüdische Häuser zerstört wurden, erklärte der ehemalige israelische Generalkonsul Dr. Yitzhak Ben Gad in einem Exklusivinterview mit „Israel Heute“, dass „90 % der libyschen Juden nach Israel einwanderten.“

Bald nach dem Sechs-Tage-Krieg und Gaddafis Aufstieg zur Macht verschlechterte sich die Situation der libyschen Juden weiter, was zum Exodus der gesamten libyschen jüdischen Gemeinde führte. Heute kann man libysche Juden an vielen Orten außerhalb Libyens finden: „Einige von ihnen leben in Aschkelon, einige in Bat Yam, einige in Nord- und Südisrael, aber die meisten in Netanja.“

 

Alles verloren, aber eine jüdische Heimat gewonnen

„Sie kamen nach Israel, und sie begannen ein schwieriges Leben im neu gegründeten jüdischen Staat Israel“, betonte Ben Gad. „Am Anfang lebten sie in Zelten und Hütten. Aber die Menschen beklagten sich nicht, weil sie verstanden, dass dies Schritte zum Kommen des Messias sind. Sie akzeptierten all diese Schwierigkeiten mit Liebe. Schließlich, so sagten sie, wurde der Traum vieler Generationen wahr. Endlich gab es wieder ein jüdisches Heimatland im Heiligen Land.“

Laut Ben Gad sind etwa eine Viertelmillion Bürger Israels libyscher Abstammung: „Die libyschen Juden versuchen heute, ihre Kultur zu bewahren und ihre Vorväter nie zu vergessen. Wenn man die libysche Synagoge in Netanja besucht, kann man die Kultur und den Geist der Juden aus Libyen noch spüren. Die Sha’ar Tzedek Zagaar Darna-Synagoge in der Be’eri-Straße ist eine der berühmten libyschen Synagogen. Die gleiche Synagoge gab es auch in Libyen und sie wurde hier nachgebaut. Die Synagoge in der Be’eri-Straße hat eine Thorarolle, die aus Libyen kommt und Wunder für kranke Menschen, Menschen mit Eheproblemen usw. bewirkt. Leute, die Wunder sehen wollen, gehen zu dieser Synagoge in der Be’eri-Straße.”

Das „Center for Libyan Jewish Heritage“ fügte hinzu, dass es viele Legenden über diese besondere Thorarolle gibt: „Der Überlieferung nach wurde die Zagaar-Darna-Schriftrolle in den Tagen von Esra (etwa 458 v. Chr.) geschrieben. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels wurde sie von Exilanten aus Judäa nach Alexandria gebracht.“ Als in Alexandria Unruhen ausbrachen, wurde die Thorarolle der Legende nach gerettet und nach Darna gebracht: „Diese heilige und uralte Thorarolle wurde zu einem Pilgerzentrum für libysche Juden, und sie wurde auch von den lokalen Arabern wegen ihrer Heiligkeit verehrt.“

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