Marokko und Israel: Sich näher kommen mit Avocados

Im Interesse der Verbesserung der diplomatischen Beziehungen verstärkt sich nun auch die wirtschaftliche Kooperation: Israelis bauen mittlerweile in Marokko sogar die boomende Trend-Frucht Avocado an, weil dort u.a. Wasser leichter verfügbar ist als im jüdischen Staat.

Shira Greenberg vom israelischen Finanzministerium unterzeichnete zusammen mit ihrem marokkanischen Kollegen Nabil Lakhdar Wirtschaftsverträge zwischen den beiden Ländern.© FADEL SENNA / AFP

Von Stefan Frank

Nicht nur auf dem diplomatischen Parkett verstehen sich Marokko und Israel immer besser, auch wirtschaftlich entstehen neue Beziehungen. So hat ein grosser israelischer Nahrungsmittelkonzern nun bekannt gegeben, schon bald in Marokko Avocados anbauen zu wollen.

Seit das Königreich und Israel im Dezember ihre Beziehungen normalisiert haben, nähern sich beide Länder mit grossen Schritten einander an. Ebenfalls im Dezember war bekannt geworden, dass die jüdische Geschichte Marokkos in Schulbücher der vierten Grundschulklasse aufgenommen wird. Und vom 11. bis zum 14. Februar 2021 fand im marokkanischen Essaouira an der Atlantikküste eine auch von Vertretern der Regierung besuchte Veranstaltung zur Geschichte des jüdischen Rechts in Marokko statt.

Da sind engere Wirtschaftsbeziehungen folgerichtig, zumal die marokkanische Regierung bestrebt ist, die Wirtschaft des Landes auf eine breitere Basis zu stellen und dazu auch ausländisches Kapital und Know-how ins Land zu holen.

Die Avocado gilt als gesunde Modefrucht, als „Superfood“, der Weltmarkt wächst um durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr, besonders stark legte die Nachfrage aus China in den letzten Jahren zu. Einer der unter Europas Konsumenten wohlbekannten Avocadoexporteure ist Israel.

Der frühere israelische Ministerpräsident Ariel Scharon schrieb in seiner Biografie, dass sein Grossvater schon in den 1920er Jahren mit dem Avocadoanbau in Palästina begonnen habe, als die Idee, dafür kostbare landwirtschaftliche Fläche zu verbrauchen, noch verrückt schien. Das Land ist seither nicht größer geworden. Die grünschwarze Frucht verdrängt in Israel bereits mancherorts den Anbau von Zitrusfrüchten. Nun plant der grosse israelische Nahrungsmittelkonzern Mehadrin die Expansion im Ausland. In einem Joint Venture mit einem marokkanischen Unternehmen soll die Nachfrage bewältigt werden. Das berichtet die englischsprachige israelische Wirtschafts-Website Globes.

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