Die Metamorphose der Kibbuzim

Die Kibbuzim sind das Abbild israelischer Flexibilität.© JALAA MAREY/AFP

Was als sozialistisches Wehrdorf mit messianischem Eifer begann, ist heute vielfach Industriepark, Vorstadtidylle oder Hightech-Standort: Die Geschichte der Kibbuzim ist eine Geschichte radikaler Wandlung. Tief verwurzelt im religiösen Denken des Judentums und zugleich getragen vom idealistischen Revolutionsgeist der Pioniere, prägten sie den jungen Staat Israel wie kaum eine andere Institution. Die Entwicklung der Kibbuzim – von agrarischen Kommunen bis hin zu industriellen und urbanen Lebensformen – spiegelt die besondere Fähigkeit Israels wider, Tradition, Notwendigkeit und Wandel miteinander zu verbinden. (JR)

Von Chaim Noll

Das Wort „Kibbuz“ stammt – wie so viele neu-israelische, scheinbar „progressive“ Termini – aus dem Wortschatz des religiösen Judentums. „Kibbuz galujot“, die „Sammlung der im Exil Verstreuten“, wird bereits in den Mosaischen Büchern angekündigt (5 Mose 30,3), über die Jahrhunderte immer wieder thematisiert, etwa von den Propheten Jeremia, Mica, am prägnantesten Jesaja 11,12: Gott werde „zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde“. Das Konzept wurde im zweiten Jahrhundert in den Talmud (Pesachim 88a) und ins Achtzehn-Segen-Gebet übernommen, in den zehnten Segen des später im jüdischen Gebetbuch, dem Sidur, fixierten, von allen betenden Juden dreimal täglich zu sprechenden Textes.

Wie der „Zionismus“ keine Erfindung Theodor Herzls war, sondern ein seit dem Babylonischen Exil, also mehr als 2500 Jahren bestehender Aufruf zur „Rückkehr nach Zion“, so existiert das Wort „Kibbuz“ seit fast 2000 Jahren im alltäglichen Sprachgebrauch religiöser Juden. Und es liegt keine Ironie darin, sondern eine nachvollziehbare Kontinuität, dass ausgerechnet das sozialistische, genossenschaftlich organisierte Modell israelischer Siedlungen diesen Gedanken aufgriff. Deutlich lassen sich Parallelen erkennen, etwa das Sendungsbewusstsein der Kibbuz-Gründer, das durchaus religiös-messianischen, sogar eifernden Charakter trug.

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