Die marokkanische Ausnahme

Auch Marokko zählt nun zum Kreis arabischer Staaten, die die Beziehungen mit Israel normalisiert haben. Obwohl auch dieser Staat den Großteil seiner jüdischen Bevölkerung vertrieben hat, unterhält er bereits seit Jahrzehnten inoffiziell Beziehungen zu Israel und verfügt als einziger arabischer Staat neben Tunesien noch über eine nennenswerte, wenn auch sehr kleine jüdische Minderheit.

Israels damaliger Premier Rabin und sein Außenminister Peres 1993 zu Besuch beim marokkanischen König Hassan II.© AFP

Von Daniel Frick (Israelnetz)

In der Geschichte Israels gab es Zeiten, in denen Verkleidungskünste ein diplomatischer Gewinn sein konnten. Im Juli 1976 griff der damalige Regierungschef Jitzchak Rabin zu Perücke, falschem Schnurrbart und falscher Brille, um seine Identität bei einem Treffen mit dem marokkanischen König Hassan II. zu verschleiern. Ein Jahr später setzte sich Außenminister Mosche Dajan für seinen Marokko-Besuch eine Sonnenbrille auf, um seine Einäugigkeit zu verbergen, und klebte sich ebenfalls einen Schnurrbart auf. Rabins Amtsnachfolger Menachem Begin verzichtete im November 1977 hingegen auf einen Besuch in Rabat, weil er sich keine Verkleidung antun wollte.

Der karnevaleske Aufwand rührte von dem Umstand, dass damals noch kein arabischer Staat Frieden mit Israel geschlossen hatte – und Gespräche in dieser Angelegenheit eine entsprechend sensible Angelegenheit waren. Zugleich lag Hassan II. einiges daran, entsprechende Vorstöße auf den Weg zu bringen. Ihn trug der Gedanke, dass das „jüdische Genie“ im Verbund mit arabischem Reichtum den Nahen Osten zu einem wirtschaftlichen Kraftzentrum verwandeln würde.

Marokko war dann auch der erste arabische Staat, der den ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat nach seiner Knesset-Rede 1977 unterstützte, während Syriens Machthaber Hafis al-Assad vor Wut schäumte. Hassan II. spielte schließlich eine wichtige Vermittlerrolle beim Frieden zwischen Ägypten und Israel 1979. Das lässt erahnen, worum es bei den Geheimtreffen mit israelischen Spitzenpolitikern ging.

Zu einer umfassenden Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Marokko kam es dennoch erst in diesen Tagen. Am 22. Dezember unterzeichneten die Länder eine entsprechende Verpflichtung. Wie bei den vorherigen Normalisierungsabkommen, etwa mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, war die iranische Bedrohung ein Faktor: Der Iran unterstützte in den vergangenen Jahren die Organisation „Frente Polisario“, die in der West-Sahara gegen Marokko kämpft. Im Jahr 2018 kappte Rabat wegen der Waffenlieferungen die Beziehungen zu Teheran. Quasi als Gegenleistung für die Normalisierung mit Israel erkannten die USA die marokkanischen Souveränitätsansprüche in der West-Sahara an.

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