Wie die Juden ab 1787 zu deutschen Familiennamen kamen

Der österreichische Kaiser Joseph II. hat zum Zwecke der Zentralisierung seines riesigen Habsburger Reiches die Familiennamen standardisiert. Der Monarch ist dafür verantwortlich, dass noch heute ein großer Teil der Juden weltweit deutsche Nachnamen trägt.

Der österreichische Kaiser Joseph II. war auch ein Förderer Mozarts.
© WIKIPEDIA

Von Dr. Stefan Winckler

Joseph II. (1741-1790) ist als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches bekannt, aber seine tatsächliche Herrschaft beschränkte sich auf die Hausmacht in den habsburgischen Landen Österreich, Ungarn, Böhmen und Galizien. Als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus konnte er jene „modernen“ Regelungen in Gang setzen, die unter seiner frommen Mutter Maria Theresia nicht möglich waren: verschiedene Toleranzedikte für Protestanten und Orthodoxe (aber keine Gleichstellung!), und auch eine stärkere Integration der Juden in Staat und Gesellschaft. Bisher lebten Juden am Rande der Gesellschaft, ihre Bildung war oftmals niedrig. Ab dem 2. Januar 1782 genossen sie in Wien und Niederösterreich wirtschaftliche Freiheiten und hatten ihre Kinder in die deutschsprachige Schule zu schicken (wenn sie keine eigene hatten, war das eine christliche Schule).

Ursprünglich trugen die Juden West- und Mitteleuropas keine festen Familiennamen. Vielmehr hatten sie einen Vornamen, dem der Zusatz ben und der Vorname des Vaters angehängt war. Eine Ausnahme in der frühen Neuzeit galt lediglich in Prag, wo fast die Hälfte aller jüdischen Nachnamen von böhmischen oder mährischen Ortsbezeichnungen abgeleitet war, z.B. Kisch oder Brandeis. Diese alte Praxis des Vornamens in Verbindung mit dem Vaternamen änderte sich zuerst in den habsburgischen Gebieten, von denen insbesondere Galizien eine recht hohe jüdische Besiedlung aufwies.

Ab dem 23. Juli 1787 mussten sich die Juden für einen festen Familiennamen entscheiden, der – bei angedrohter Strafe – nicht mehr geändert werden konnte: „Weil es nothwendig ist, daß sie sich an einen bestimmten Namen gewöhnen und mit demselben sich auch immer unterfertigen [unterschreiben, ausweisen]“. Anhand einer alphabetischen Namensliste suchten sie sich den Namen selbst aus, den der zuständige Beamte allerdings genehmigen musste – und auch ablehnen konnte. Dafür hatten sie eine Gebühr zu entrichten. Wer diese nicht zahlen konnte oder den Namenswechsel verweigerte, dem teilten die Beamten einen Namen zu, der in manchen, eher seltenen Fällen beleidigend oder abwertend war (Trinker, Bettelarm, Maulwurf, Wanzreich). Im Ganzen betrachtet, waren Familiennamen oft mit positiven Eigenschaften verbunden: Redlich und Ehrlich beispielsweise. Rabbiner hatten wie christliche Pfarrer ein Standesbuch zu führen, in dem sie Trauungen, Geburten und Sterbefälle archivieren.

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