Israel bewahrt die „Kronen von Damaskus“

Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hat Anfang der 1990 Jahre in einer bis heute weitgehend unbekannten Operation ein Manuskript einer der frühesten fast vollständig erhaltenen Bibelabschriften aus der „ethnisch gesäuberten“ und nunmehr nahezu „judenfreien“ syrischen Hauptstadt Damaskus nach Israel gerettet.

© WIKIPEDIA

Von Ulrich W. Sahm und Elisabeth Lahusen

Wie israelische Medien berichten, arbeitete der israelische Mossad-Geheimdienst mit der kanadischen Aktivistin Judy Feld-Carr und Rabbi Abraham Hamra, dem letzten Führer der jüdischen Gemeinde in Damaskus, zusammen, um die Kronen aus Damaskus von Syrien nach Israel zu bringen. (Bibelbücher nennt man auch Keter (Krone) nach der Krone, die früher auf jede Thorarolle gesetzt wurde.) Die Texte wurden ursprünglich im 13. bis 15. Jahrhundert in Europa kopiert und reich illustriert, bevor sie nach der Vertreibung der Juden aus Spanien nach Damaskus kamen. Diese hebräischen Bibeln enthalten, anders als die traditionellen Thorarollen, auch Vokale, Interpunktions- und andere Zeichen, die für eine korrekte Aussprache aushelfen. Die aufwendig verzierten Bibeln wurden von der jüdischen Gemeinde in Damaskus sehr geschätzt und nur bei seltenen Gelegenheiten herausgenommen.

In einer eidesstattlichen Erklärung vor dem Gericht sagte Feld-Carr, dass sie 1993 in Absprache mit Rabbi Hamra eines der Manuskripte einem kanadischen Diplomaten übergeben habe, der es in einer schwarzen Plastiktüte aus Syrien herausschmuggelte. Die Nationalbibliothek in Jerusalem, deren Aufgabe es ist, jüdisches Erbe und Kulturgüter zu sammeln und zu bewahren, behütet diese Kronen seit ihrer Ankunft in Israel. Nachdem bekannt geworden war, dass die kostbaren Bücher in Israel sind, forderten die in Israel überlebenden syrischen Gemeindeglieder die Bücher für sich zurück, während die Nationalbibliothek erklärte, dass sie die alten Manuskripte fachgerecht restauriert habe und es für archäologische Laien kaum möglich sei, eine entsprechende klimatische Umgebung zu schaffen, um diese alten Werke vor weiterem Verfall zu bewahren.

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