Flucht eines Hamas-Kommandeurs nach Israel

Wegen abnehmendem Rückhalt unter den eigenen Anhängern hat die Hamas eine Aktion gegen vermeintliche „Israel-Kollaborateure“ gestartet. Israels Auslandsgeheimdienst Mossad verhilft im Gegenzug dieser Aktion einem beschuldigten Hamas-Kommandeur zur Flucht.

Hamas-Chef Sinwar (Mitte) mit der Führungsebene der Terrorgruppierung.© MAHMUD HAMS , AFP

(Israelnetz) Der Vizechef der Terror-Organisation Hamas, Mussa Abu Marsuk, hat am Donnerstag bestätigt, dass eines ihrer Mitglieder nach Israel geflohen ist. Gegenüber dem libanesischen Sender „Al-Majadin“ erklärte er weiter, dass die Hamas weitere Mitglieder wegen „Israel-Kollaboration“ festgenommen habe. Entsprechende Berichte waren Mitte Juli unter anderen beim emiratisch-saudischen Sender „Al-Arabija“ zu sehen.

Den Beiträgen zufolge handelt es sich bei dem Geflohenen um Mohammed Abu Ajwa, der die Hamas-Waffenboote befehligte. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad organisierte demnach die dreitägige Flucht. Sie war offenbar nötig geworden, weil Verdächtigungen gegen den Kommandeur aufgekommen waren. Abu Ajwa soll Israel seit dem Jahr 2009 Auskunft gegeben haben über Waffenlager und Wohnsitze von Hamas-Funktionären. Bei der Flucht über den Seeweg habe er Geheimdokumente mitgenommen.

Ermittlungen aufgenommen

Infolge der Aktion sei bei der Hamas „Hysterie“ ausgebrochen. Funktionäre hätten ihren Wohnsitz gewechselt. Hamas-Chef Ismael Hanije, der in Katar wohnt, habe angeordnet, bei den „Ermittlungen“ auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Den Medienberichten zufolge gehören die meisten der 16 Festgenommenen dem militärischen Flügel der Hamas, den Isadin-al-Qassam-Brigaden an. Hamas-Sprecher Abu Marsuk betonte jedoch, es handele sich nicht um hochrangige Mitglieder. Zudem hätten sie nicht zusammengearbeitet.

Ursprünglich hatte die Terrorgruppe die Medienberichte vollständig zurückgewiesen und als Versuch Israels eingestuft, die „Heimatfront“ zu destabilisieren. Israel bestätigte die Medienberichte bislang nicht.

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