Otto Warburg: Der geduldete „Halbjude“

Die Krebsforschung des Nobelpreisträgers war Adolf Hitler wegen dessen persönlicher Angst vor Kehlkopfkrebs so wichtig, dass der NS-Staat nicht nur über die jüdische Abstammung, sondern auch über die vermutete Homosexualität des Wissenschaftlers hinwegsah. Otto Warburg starb vor 50 Jahren.

Otto Warburg© WIKIPEDIA

Von Martin Stolzenau

Otto Heinrich Warburg stammte aus Freiburg im Breisgau, war der Sohn eines Physikers, machte als Arzt, Physiologe sowie Biochemiker eine steile Karriere und begründete das Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Zellphysiologie, das er über Jahrzehnte leitete. Er war der einzige deutsche Forscher mit einer jüdischen Herkunft, der auf Weisung Adolf Hitlers bis zum Ende der Naziherrschaft KWI-Direktor bleiben durfte.

Die Palette seiner revolutionären Forschungserkenntnisse, die seine Nachwirkung in der Welt der Wissenschaft über den Tod vor 50 Jahren hinaus bis in die Gegenwart begründete, reichte von der mitochondrialen Atmungskette über die Photosynthese der Pflanzen bis zur Hypothese über den Stoffwechsel von Tumoren, die als Warburg-Hypothese in die Medizingeschichte einging. Warburg wurde ab 1923 regelmäßig für den Nobelpreis vorgeschlagen, erhielt ihn 1931 für die „Entdeckung der Natur und der Funktion des Atmungsferments“ und musste 1944 auf Geheiß Adolf Hitlers auf die zweite Verleihung verzichten. Für das Preisgeld von 1931 ließ er sich in Berlin-Dahlem und in Nonnevitz auf Rügen zwei Häuser bauen. Im Berliner Heim repräsentierte Warburg im edlen Ambiente, teuren Zwirn und mit Pour le mérite. Nonnevitz war über Jahrzehnte sein Refugium. Er lebte hier zurückgezogen, im Trainingsanzug, mit Faktotum Jacob Heiss, Dogge Birke sowie Schimmelstute Nixe. In der Ruhe von Nonnevitz wurden viele bahnbrechende Ideen geboren, aufsehenerregende Schriften verfasst und das Nazi-Ende überstanden.

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