Die jüdischen Grabsteine im Prager Straßenpflaster

Während der Zeit des kommunistischen Regimes sind auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens mehr Synagogen zerstört worden als zur Zeit des Nationalsozialismus.

Der alte jüdische Friedhof von Prag© WIKIPEDIA

Von Till Janzer und Lenka Kabrhelova (Radio Prag International)

Derzeit wird das Pflaster auf dem Wenzelsplatz in Prag restauriert. Über die Arbeiten wacht auch die Jüdische Gemeinde. Denn unter anderem in der Goldenen Stadt hat das kommunistische Regime besonders ab den 1970er Jahren nicht Schwerter zu Pflugscharen, sondern jüdische Grabsteine zu Pflastersteinen gemacht. Wie konnte es aber dazu kommen?

Der Prager Magistrat und die Jüdische Gemeinde haben Ende vergangenen Jahres eine Übereinkunft geschlossen. Demnach werden all die Pflastersteine, die aus Grabsteinen gehauen wurden, nun wieder zurückgegeben. Schon seit langer Zeit weisen jüdische Vertreter immer wieder auf diese Steine hin. Aber erst jetzt wurde das Pflaster des Wenzelsplatzes aufgerissen, weil es erneuert werden soll. Bis vergangene Woche wurden bei den Arbeiten etwa 50 Steine mit teils hebräischen Aufschriften gefunden und rund 500 aus poliertem Marmor. Vertreter der jüdischen Gemeinde in Prag haben den Fund bereits inspiziert. František Bányai ist ihr Vorsitzender:

„Sie stammen wahrscheinlich aus Gräbern aus der Gegend von Chomutov in Nordböhmen, wo jüdische Friedhöfe zerstört wurden.“

Der Tschechische Rundfunk hat sich kürzlich in seiner Podcast-Serie „Vinohradská 12“ mit dem Thema befasst. Demnach ist der Missbrauch der Grabsteine schon zu kommunistischen Zeiten ein offenes Geheimnis gewesen. Laut dem Historiker Martin Šmok wurden sie Mitte der 1980er Jahre für die Prager Fußgängerzone zu Pflastersteinen gehauen. Denn damals stand der Besuch des sowjetischen Staats- und Regierungschefs Michail Gorbatschow an. Und die tschechoslowakische Hauptstadt sollte etwas hermachen…

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