Die islamische Bosnien-Connection, die Imame der SS und der „Zentralrat der Muslime“

Die frühe islamische Kooperation mit den Nazis (Teil 1: Wie alles begann)

Moslemische SS-Mitglieder lesen 1943 die Broschüre „Islam und Judentum”.© HO, AFP

Von Birgit Gärtner

Die Geschichte des Islams in Deutschland geht im Wesentlichen zurück auf die deutsch-türkische Waffenbruderschaft: Muslime wurden mit türkischer Unterstützung schon im Ersten Weltkrieg für die Interessen des Kaiserreichs instrumentalisiert. So richtig Fahrt nahm diese unheilige Allianz zwischen deutschen Herrschern und muslimischen Gefolgsleuten während der NS-Zeit auf. Nach dem Krieg waren es ehemalige muslimische Wehrmachtssoldaten, die – protegiert vom ehemaligen Gauamtsleiter in Ostpreußen, Theodor Oberländer, seines Zeichens CDU-Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (BMVt) – in München den Grundstein legten für das spätere „Islamische Zentrum München“ (IZM) und dem daraus resultierenden weitverzweigten Netzwerk islamischer Verbände, mit dem wir es heut zu tun haben.

Die Durchsetzungskraft Said Ramadans, Schwiegersohn des Gründers der „Muslimbruderschaft“, Hasan al-Banna, und eine Finanzspritze des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi führten dazu, dass der Bau des IZM möglich wurde. Dort hat auch die „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD), inzwischen „Deutsche Muslimische Gemeinschaft“ (DMG), ihren Sitz, ein Gründungsmitglied des „Zentralrats der Muslime in Deutschland e. V.“ (ZMD).

Eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung dieses weitverzweigten Netzwerkes hatten und haben Konvertitinnen und Konvertiten inne. Eine davon ist Fatima Grimm, geborene Helga Lili Wolff, Tochter des Generals der Waffen-SS, Karl Wolff, der wegen Beihilfe zum Mord an 300.000 Jüdinnen und Juden zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt wurde, von denen er nur 5 Jahre tatsächlich absitzen musste.

Im November 1914 rief Sultan Mehmed V. alle Muslime zum Heiligen Krieg gegen England, Frankreich und Russland auf. Im Gegenzug setzte er durch, dass muslimische Kriegsgefangene in den Lagern der Deutschen und in Deutschland die Möglichkeit erhielten, ihre Religion auszuüben, selbst wenn sie gegen das Kaiserreich gekämpft hatten. So entstanden in Berlin zwei Kriegsgefangenenlager, das „Halbmondlager“ und das „Weinberglager“, in dem Muslime interniert wurden. Ziel war es, sie für den von Mehmed V. ausgerufenen Heiligen Krieg, sozusagen den kaiserlichen Dschihad, anzuwerben. Dafür bekamen sie eine eigene Moschee, die 1915 als erstes aktives muslimisches Gebetshaus errichtet wurde.

 

Die Imame der SS

Bekannt ist der Pakt Hitlers mit Mohammed Amin al-Husseini, dem „Mufti von Jerusalem“; weniger bekannt hingegen ist, dass in Hitlers Armeen Muslime kämpften. Sie wurden z. T. betreut von Imamen, die ehemals in den Berliner Lagern interniert waren und für diese Aufgabe gezielt ausgebildet wurden. Einer davon ist Alimcan Idris, der 1918 in Berlin sein Wirken begann: Laut einer Publikation des „Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa“ (EZIRE) „engagierte er sich für die Errichtung islamischer Infrastrukturen in Deutschland. 1933 wurde er vom Auswärtigen Amt in den Dienst übernommen und nach Kriegsanfang für den Aufbau muslimischer Verbände in der SS eingesetzt. 1944 bildete er in Dresden Imame für die Armee aus.“

Solche – nicht nur von Idris ausgebildeten – Imame wurden eingesetzt, um die rekrutierten muslimischen Soldaten zu betreuen, die zum Teil noch halbe Kinder waren. Der Historiker David Motadel spricht von bis zu 250.000 Muslimen, die während des Zweiten Weltkriegs für die Wehrmacht und die SS kämpften.

Einer der Imame, der die muslimischen Soldaten betreute, war Ibrahim Gaçaoğlu, der sich nach dem Krieg in München niederließ und 1953 die „Islamische Gesellschaft in Westeuropa“, oder auch kurz „Islam“ gründete. Damals lebten etwa 3.000 Muslime in den Displaced-Persons-Camps in Deutschland. Gaçaoğlu erhielt ab 1955 finanzielle Unterstützung vom „American Comitee for Liberation from Bolshevism“ (AMCOMLIB), konnte so große Feste durchführen, Gläubige an sich binden und mediale Aufmerksamkeit erregen.

 

Erstes „panislamisches Treffen“ in München

Doch die Muslime strebten nach Größerem. Am 25. Dezember 1958 erlaubte der damalige Pfarrer der St. Pauluskirche 86 Muslimen, sich im Gemeindesaal zu treffen. Was damals niemand ahnte: Die Männer kamen nicht aus spirituellen Gründen zusammen, sondern aus politischen. Unter ihnen befand sich Said Ramadan, Schwiegersohn des Gründers der Muslimbruderschaft, Hasan al-Banna. Sie beschlossen den Bau einer Moschee. Aus der Moscheebau-Kommission ging später die IGD hervor. Laut Focus hielt sich

„der berüchtigte rothaarige Ägypter Mahmud Abu Halima (der „rote Gigant“, wie ihn die US-Presse nannte), beteiligt am Bombenanschlag auf das New Yorker World Trade Center (WTC) im Jahr 1993, […] in den 80er-Jahren im Islamischen Zentrum auf. Der UN-Sicherheitsrat zählt Ghaleb Himmat, den Präsidenten der IGD von 1973 bis 2002, zu den mutmaßlichen Unterstützern von Osama bin Laden. Zusammen mit dem IGD-Mitglied Youssef Nada gründete Himmat in Liechtenstein und auf den Bahamas mehrere Firmen. Die UN geht davon aus, dass eine Bank von Nada/Himmat in Verbindung zur al-Qaida steht.“

Said Ramadan wurde seinerzeit in den Vorstand der Moscheebau-Kommission gewählt, und auch Nurredin Namangani. Der „Focus“ schreibt über ihn:

„Während des Russlandfeldzugs hatte er in einer SS-Einheit gedient, die ab Juli 1944 der berüchtigten ‚Brigade Dirlewanger‘ unterstellt war, jener Einheit von Verbrechern, die unter anderem im aufständischen Warschau ein Gemetzel anrichtete. Namanganis Vergangenheit war der Adenauer-Regierung wohl bekannt, dennoch baute der Vertriebenenminister (und Hitler-Putschist von 1923) Theodor Oberländer den turkestanischen SS-Veteranen als neuen Vorkämpfer für die deutschen Exilmuslime auf. Die Strippen seiner Islamstrategie überließ Oberländer dabei seinem Intimus, dem Baltendeutschen Gerhard von Mende. Der herausragende Russland-Kenner hatte als NS-Beamter des Ostministeriums bei einem Nachfolgetreffen der Wannsee-Konferenz einige bürokratische Hürden auf dem Weg zur Vernichtung der Juden aus dem Weg geräumt, leitete nach 1945 das von der Bundesregierung und Verfassungsschützern finanzierte ‚Büro für heimatlose Ausländer‘.“

Der „Focus“ nannte die Zusammenkunft in der St. Paulusgemeinde das „erste panislamische Treffen“ auf deutschem Boden.

1973 wurde das „Islamische Zentrum München“ u. a. als Gebetshaus schließlich eröffnet und war gleichzeitig Sitz der IGD. Als 1994 der ZMD gegründet wurde, gehörte die IGD, jetzt DIG, zu den Gründungsmitgliedern und war der mitgliederstärkste Mitgliedsverband. Aktuell ruht diese Mitgliedschaft, vermutlich weil IGD/DIG von den zuständigen Sicherheitsbehörden immer wieder die Nähe zur Muslimbruderschaft attestiert wurde. Interessant ist, dass der ZMD neben sunnitischen Vereinigungen und einem Ableger der faschistischen türkischen „Grauen Wölfe“ auch schiitische Organisationen zu seinen Mitgliedern zählt. Wie mit diesem heute scheinbar unlösbaren Widerspruch zwischen den Sunniten und den Schiiten ganz pragmatisch umgegangen wurde, lässt sich anhand der Person Fatima Grimm aufzeigen, von der im zweiten Teil die Rede sein wird.

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