Die Expansionspolitik des neuen Iran schließt nahtlos an die grausame koloniale Geschichte des alten Persien an.

Gerne präsentieren sich Perser und Persischstämmige in Deutschland als Underdogs der Dritten Welt – dabei ist die persische Kolonialgeschichte eine der längsten und brutalsten weltweit.

Das Perserreich um 500 v. Chr
© WIKIPEDIA

Von Anastasia Iosseliani

Wie Sie sicher schon bemerkt haben, gibt es wenig, was mich so anwidert wie Heuchelei – und Heuchelei ist es, wenn sich die Erben von gescheiterten Imperien, die jahrhundertelang zu den brutalsten Kolonialmächten überhaupt gehörten, sich nun über Kolonialismus und «westliche Schönheitsideale» beklagen. Solch ein bizarres Lamento kann man dieser Tage von Hengameh Yaghoobifarah vernehmen. Mir scheint, dass Frau Yaghoobifarah sich moralisch prostituiert. Lassen Sie mich das erklären: So, wie einige Menschen ihren Körper für Geld und andere Dienst- und Sachleistungen verkaufen, so geht Frau Yaghoobifarah mit ihrer Herkunft hausieren und schreibt in nur jedem denkbaren Medium, sobald das Thema nur irgendetwas mit ihrer Herkunft und Kolonialismus zu tun hat, als «Quotenmigrantin» – egal, ob sie in irgendeiner Form qualifiziert ist zum Thema etwas zu sagen oder eben nicht.

Dabei bleibt Frau Yaghoobifarah ihrem Thema, dem iranischen Opfermythos in Deutschland, treu, wie ihr neuer Beitrag für das Goethe-Institut zeigt, in dem sie sich über vermeintlichen Kolonialismus durch Schönheitsideale echauffiert.

Nun ist Frau Yaghoobifarah nicht die Einzige, die sich persönlich und den Iran allgemein als Opfer der Geschichte sieht. Ich habe über Iraner wie Frau Yaghoobifarah im Sammelband «Freiheit ist keine Metapher» (Querverlag, Berlin 2018) das Folgende geschrieben:

Diese Iraner entschuldigen die jetzige Situation des Iran mit der Entmachtung von Mossadegh 1953. Diese Iraner relativieren somit den genozidalen Wahn der Henker von Teheran, die ohne Scheu Menschen am helllichten Tage an Baukränen aufhängen und Weltmeister bei der Hinrichtung Minderjähriger sind, und verteidigen damit Imperialisten und Antisemiten in der Maske von Revolutionären. Hinzu kommt, dass es während der dynastischen Herrschaft der Safawiden vom 16. bis zum 17. Jahrhundert in zahlreichen iranischen Haushalten georgische Sklaven gegeben hat. Die Safawiden und andere Schahs schafften es mit ihrer chauvinistischen Politik im Kaukasus, die Grausamkeiten in der bekannten Fernsehserie «Game of Thrones» wie einen Kindergeburtstag aussehen zu lassen.

Der Schah schändete die Hauptkirche der ältesten christlichen Nation

Schah Abbas beispielsweise hat die Ikalto-Akademie und das David-Gareji-Kloster zerstören lassen, beides wichtige georgische Kulturstätten. Der gleiche Schah Abbas ließ übrigens auch Etschmiadsin, die wichtigste Kathedrale der armenischen Christenheit, plündern und die dortigen Ikonen und Reliquien nach Isfahan ins persische Kernland schaffen. Schah Abbas wollte die Träume der Armenier von einer Rückkehr in ihre Heimat zerstören und ließ deshalb im Exil in Isfahan die Vank-Kathedrale errichten. Im Übrigen hat Schah Abbas I. die georgische Königin Ketevan (Catharina) zu Tode foltern lassen, weil sie sich geweigert hatte zum Islam zu konvertieren. Schah Abbas I. ließ auch den Bruder seiner georgischen Ehefrau, Prinzessin Tinatin/Peri Lala, mit einer Bogensaite strangulieren. Der spätere persische Schah Aga Mohammed Khan (1742-1797) hingegen ließ Tiflis, die georgische Hauptstadt, gleich ganz brandschatzen.

Demzufolge ist die Theorie, wonach solche Imperien wie die Perserreiche der Sassaniden und Safawiden durch eine defensive oder pazifistische Außenpolitik entstehen konnten, geradezu lachhaft. Übrigens, als Jüdin bin ich es leid, ständig über Kyros den Großen belehrt zu werden, als ob die Befreiung von uns Juden aus babylonischer Gefangenschaft es für die Perserreiche legitimieren würde, für die darauffolgenden 2.500 Jahre eine Politik aus Brudermord, Völkermord und Versklavung zu praktizieren. Sprich: Ich möchte in diesem Beitrag daran erinnern, dass der Iran der Rechtsnachfolger der Perserreiche ist und diese Imperien im Kaukasus mit einem noch nie dagewesenen Furor gewütet haben.

Insgesamt ist es so, dass die persische Okkupation des Kaukasus alleine in der georgisch-orthodoxen Kirche für mehr Märtyrer gesorgt hat als der Stalinismus. Schlicht und ergreifend deshalb, weil die persischen Schahs mehr Zeit für ihre Schandtaten hatten als Genosse Stalin. Angefangen hat diese Okkupation mit den Sassaniden und der Ermordung von christlich-orthodoxen Märtyrern wie Eustachius von Mtskheta und der heiligen Shushanik. Und Hengameh Yaghoobifarah ist, aller postkolonialer Rhetorik zum Trotz, nunmal iranischstämmig.

Wenn jetzt jemand wie sie mit so vielen historischen Leichen im Keller ankommt und sich über «westliche Schönheitsideale» echauffiert, so finde ich dies nicht nur oberflächlich und eitel, sondern auch heuchlerisch. Zumal die Islamische Republik Iran sich heute noch wie ein Feudalherr benimmt und einen persischen Chauvinismus praktiziert, unter dem Minderheiten, wie Aserbaidschaner, Belutschen und Kurden zu leiden haben.

Das konstante Stilisieren des Iran als Teil des «globalen Südens», als Teil der sogenannten «Elenden der Welt», ist deshalb schlicht und ergreifend falsch. Zumal der Iran, die Zwangsislamisierung durch die Araber ausgenommen, eines der wenigen asiatischen Länder ist, die nie von kolonialisiert wurden. Die anderen Staaten wären Japan, Thailand und Saudi-Arabien. Stattdessen ist die Islamische Republik Iran ein gescheitertes Imperium, heute bestenfalls eine Regionalmacht, die sich mit dem Export der sogenannten «Islamischen Revolution» durch die Revolutionsgarden und die Hisbollah massiv übernommen hat.

Wären die Deutschen gerne wie der Iran?

Inakzeptabel ist, dass immer wieder solchen Apologeten wie Hengameh Yaghoobifarah die Möglichkeit gegeben wird, Agitation für die Islamische Republik Iran zu betreiben, ohne dass sie mit irgendeiner Form der Widerrede zu rechnen haben. Diese blinde Schwärmerei für den Iran – gerade im deutschsprachigen Raum – ist gelinde gesagt bizarr und erscheint mir wie eine Projektion deutscher Sehnsüchte auf andere «Arier». Der Iraner darf das sein, was dem Deutschen seit 1945 vermeintlich nicht zugestanden wird, nämlich Stolz auf das eigene (vermeintliche) Ariertum, eine revisionistische Sicht auf die Geschichte und das Infragestellen der Grenzen mit den Nachbarstaaten – das Ganze abgerundet mit als «Antizionismus» kaschiertem Antisemitismus und Antiamerikanismus. Alles in allem eine toxische Kombination.

Eine Kombination, die dazu führt, dass aufgrund blinder Schwärmerei und einem Rassismus der niedrigen Erwartungen in Mainstream-Medien Stimmung für ein menschenverachtendes Regime gemacht wird, und dessen blutige Geschichte unter den (Perser-)Teppich gekehrt wird – alles im schönen Gewand des Postkolonialismus. Während in der Islamischen Republik Iran weiterhin ethnische und religiöse Minderheiten wie die Bahai systematisch entrechtet werden, und die Revolutionsgarden und die Ayatollahs weiter versuchen, den Juden unter den Staaten, Israel, zu terrorisieren.

Abschließend empfehle ich Frau Yaghoobofarah sich nicht mit so Oberflächlichkeiten wie Schönheitsidealen aufzuhalten, sondern die Terrorherrschaft der persischen Schahs im Kaukasus zu erforschen, oder sich hier und heute für religiöse und ethnische Minderheiten einzusetzen, die in der Islamischen Republik Iran unter dem Joch des chauvinistischen Regimes leiden. Ich erinnere Frau Yaghoobifarah nur ungern an das persische Sprichwort: «Dig be dig migeh rut siah» (dt. «Ein Ochse zum anderen; dein Gesicht ist schwarz»). Die persische Version von «Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen».

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