Der christliche LeChajim-Chor der Sächsischen Israelfreunde singt in Israel für Holocaust-Überlebende

Eine beispielgebende Reise durch das Heilige Land wird filmisch dokumentiert

Begleitet werden die Sänger von einer Band.

Von Oliver Vrankovic

2015 hatte die freischaffende Sängerin Maria Koschwitz aus Chemnitz eine Vision. Die Musikerin sah sich selbst „mit einem Chor irgendwo in Jerusalem singen”. Vorausgegangen waren Gebete für den Frieden im Heiligen Land angesichts einer Welle von Anschlägen und die Überlegung, wie sie ihre Gefühle musikalisch umsetzen könnte. In ihrer Vision brachte der Chor eine Fürbitte für den Frieden Jerusalems dar, zu dem sich erst die Worte und mit der Zeit eine Melodie einstellten. Obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch nie in Israel war, spürte Maria Koschwitz eine Verbindung mit dem Heiligen Land und dem jüdischen Volk und machte sich über die Beschäftigung mit hebräischen Liedern mit dessen Sprache vertraut.

Im Oktober 2015 kam die Musikerin zum ersten Mal mit einer Handwerkergruppe unter der Organisation des Sächsischen Israelfreunde e.V. nach Israel, wo ihre Vision Konturen annehmen konnte. In der Hineni-Suppenküche in Jerusalem sah sie den von ihr imaginierten Chor dazu berufen den Menschen „etwas Besonderes” zu bieten. Die Begegnung mit teilweise schlecht bemittelten Überlebenden des Holocaust führte zu dem Wunsch diesen Menschen mit der Musik eine Linderung ihres Schmerzes zu verschaffen und darüber hinaus Herzen zu verbinden. Zum Leitgedanken wurde Jesaja 40,1 „Tröstet, ja, tröstet mein Volk“.

Als sie im Oktober 2018 mit dem LeChajim-Chor des Sächsische Israelfreunde e.V. an verschiedenen Orten in Israel auftrat, darunter auch in der Heiligen Stadt und dort den von ihr komponierten Jerusalem-Segen präsentierte, war aus der Vision Wirklichkeit geworden. Diese Wirklichkeit sah den Chor auf eigene Kosten vor Holocaustüberlebenden singen. Die Auftritte waren von Seiten der Chorleiterin „eine Botschaft für das Leben nach all dem Tod und der Zerstörung, die das jüdische Volk zu erleiden hatte“. Das erste Konzert sollte vor Holocaust-Überlebenden in Sderot stattfinden, kam aber so nicht zustande. Durch Partner vor Ort vermittelt trat der Chor und die ihm angeschlossene Band in einer musischen Schule in der vom Raketenterror geplagten Stadt auf. Schüler und Lehrer der Schule waren gleichfalls ergriffen und im anschließenden Austausch wurde deutlich, dass viele der Kinder Nachkommen von Überlebenden sind. Aus dem Konzert erwuchs in der Folge eine Partnerschaft, die im Sommer 2020 in einen „Urlaub in Frieden“ einer Gruppe von Jugendlichen der Schule in Sachsen münden wird. Die weiteren Konzerte waren in der Hineni-Suppenküche in Jerusalem, in einer Tagesstätte für Senioren in Hadera. Die Vorstellungen von Maria Koschwitz, die sie bis dato schon drei Jahre in sich trug, wurden bei den Konzerten noch übertroffen. Es sei überwältigend gewesen, sagt die Musikerin: „Wenn die Leute angefangen haben zu tanzen wurde klar, dass ihre Herzen erreicht wurden”. Begleitet wurde der Chor von der Dokumentarfilmerin Ilona Rothin (u.a. „Gestatten, ich bin ein Siedler”).

Der LeChajim-Chor wurde 2016 auf Anfrage des Sächsische Israelfreunde e.V. von Maria Koschwitz gegründet, um bei der 20. Israelkonferenz des Vereins aufzutreten. Le-Chajim bedeutet „Auf das Leben”. Bei der Konferenz, die 1.000 Teilnehmer zählte, präsentierte der Chor deutsche und hebräische Lieder.

Eine Band reist mit

Der Chor trat auch 2017 bei der Israelkonferenz des Sächsische Israelfreunde e.V. auf und im Mai 2018 war Chorleiterin Maria Koschwitz noch einmal mit den Handwerkerdiensten des Vereins in Israel. Zu diesem Zeitpunkt war die Chorreise nach Israel bereits in Planung und seine Mitglieder in dieses große Unterfangen eingeweiht. Dadurch, dass dem Chor eine Band angeschlossen war, wurde die Reise auch zu einer logistischen Herausforderung.

Die Mitglieder des Chors wurden danach ausgewählt „das Herz am richtigen Fleck zu haben”. Die Liebe zum Land Israel und zum jüdischen Volk waren dabei wichtiger als ausgereifte Gesangskunst. Der Chor wurde zudem bewusst so angelegt, dass von Jugendlichen bis zu Pensionären jedes Alter vertreten ist, die Mehrheit aber zu den jüngeren Generationen zählt.

Die Liebe für das jüdische Volk, mit dem Herzen geöffnet werden sollen, ist Hartmut Voß eingeschrieben. Das langjährige Chormitglied war einer der Ersten, die von der Idee einer Israelreise mitbekommen haben. Er sagt, dass er diese auch als Gelegenheit gesehen habe, das jüdische Volk in seinem Land zu erleben. Tatsächlich ergaben sich für ihn bei seinem damals zweiten Israelbesuch sehr viele Möglichkeiten den Menschen im Land zu begegnen. Seine anfängliche Skepsis als Deutscher aufzutreten und auf Deutsch zu singen, um Wunden zu lindern, verflog als er mitbekam „wie die Augen anfangen zu leuchten” und die “Herzen weich werden”. Gleichzeitig aber, so betont er, sei die Reise natürlich eine ständige Konfrontation mit dem Holocaust gewesen und nicht selten galt es in der Begegnung tiefe Erschütterungen auszuhalten.

Hartmut Voß war mit seiner Frau und den beiden jüngsten Kindern auch im Februar 2020 bei der zweiten Israelreise des LeChajim-Chors dabei. Wenn man ihm oder einem der anderen 38 Teilnehmer zuhört, wird klar, dass diese Menschen auf eigene Kosten ihren Urlaub darauf verwenden mit Leuten, die sie zum Teil nicht kennen (zur Hälfte war der Chor im Vergleich zu 2018 neu besetzt) vor Leuten aufzutreten, die sie nicht kennen, um deren Herzen zu berühren.

Der Vorlauf für die Chorreise 2020 betrug ungefähr ein Jahr und intensiv geprobt wurde ab Januar. Hartmut Voß verweist auf die Herausforderung Hebräisch zu singen, obwohl niemand im Chor diese Sprache spricht. Die Lieder so zu singen, dass sie die Israelis verstehen sei „Gehirnjogging“.

Aufgetreten ist der LeChajim-Chor im Februar 2020 in der Schule in Sderot und einer Altentagesstätte in Hadera und in der Suppenküche Hineni – Einrichtungen, in denen der Chor in anderer Besetzung bereits im Oktober 2018 aufgetreten war. Zudem gab es ein Konzert vor Holocaustüberlebenden in einer Senioreneinrichtung in Netanja und ein Konzert vor Überlebenden in Zfat, für dessen festlichen Rahmen ein großer Saal angemietet wurde und einen Auftritt in einer Einrichtung für Kinder mit Behinderung in Beit Jala.

Das Repertoire des LeChajim-Chors in Israel 2020 umfasste u.a. „Sh‘ma Israel“,

„Ich stehe hier auf heiligen Land“, ein Lied, dass Maria Koschwitz bei der Reise 2018 bereits im Kopf hatte, „Frieden Dir Jerusalem“ nach Psalm 122, „Jerusalem-Segen“ (das Lied aus der Vision von Maria Koschwitz) und ein Medley, dass ruhig mit dem Lied „Hashivenu“ anfängt, das von der Sehnsucht des jüdischen Volkes nach seiner Heimat erzählt und dessen Schluss die freudigen Volkslieder „Od Avinu chai“ und „Hevenu Shalom alechem“ bilden, und das an allen Orten große Freude hervorgerufen hat. Des Weiteren präsentierte der Chor „Nun danket alle Gott” von Felix Mendelsohn Bartholdy, dem Enkel von Moses Mendelsohn.

Pro-israelische Christin

Sarah Schulze ist Lehrerin für Musik, die dem LeChajim-Chor als pro-israelische Christin verbunden ist. Die Chorreise im Februar 2020 war ihre erste Reise nach Israel. Obwohl sie als Sängerin mit Auftritten sehr vertraut war, empfand sie die Tage als intensiv und durch die Gelegenheit Überlebende zu treffen als besonders wertvoll. Als besonders eindrücklich bleibt ihr in Erinnerung, wie inbrünstig überall die HaTikva mitgesungen wurde. Als Grundschullehrerin war sie besonders ergriffen von der Erfahrung an der Schule in Sderot, wo Raketenalarme und Lebensgefahr und die damit verbundenen Traumata Teil des Alltags und auch des Schulalltags sind. Den Kindern dort sichtlich eine Freude zu bereiten, ging ihr sehr nahe. Sie sagt, dass sich durch die Reise ihre pro-israelische Einstellung verfestigt habe und sie sensibler für Falschdarstellungen in den Medien geworden sei.

In ihrer freien Zeit machte sich die Gruppe ein Bild vom Leben in Israel und besuchte u.a. das Genossenschaftsdorf Nativ Ha'Asera, die dem Gazastreifen am Nächsten gelegene israelische Ansiedlung, die multireligiöse und multikulturelle Stadt Haifa und die israelisch-syrische Grenze, und machte sich so ein Bild von Israel abseits der medialen Verzerrungen.

Sarah Schulze bezeichnete die Reise entsprechend als „sinnvoll” und es wird nicht lange dauern, bis die nächste Israel-Reise des LeChajim-Chors geplant wird.

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