Als ein Araber für ein paar Tage Präsident von Israel war

Trotz ungerechtfertigter Apartheids-Vorwürfen steigen Angehörige religiöser Minderheiten in Israel in höchste Ämter auf – in den islamischen Staaten nahezu nie.

Der Druse Madschalli Wahbi war 2007 für kurze Zeit Staatspräsident des jüdischen Staates.© ABDELHAK SENNA / AFP

Von Anastasia Iosseliani

Ein guter Freund hat mich zu diesem Text inspiriert, in dem es um die vermeintliche Diskriminierung von Muslimen in islamischen Staaten geht. Länder wie die arabischen Staaten, Afghanistan, der Iran und die Türkei werden seit 1.400 Jahren nur von Moslems regiert und da fühlen sich die Islamisten diskriminiert? Lächerlich! Von wem sollen die Islamisten diskriminiert worden sein, etwa von ihresgleichen?

Außer Atatürk, der wahrscheinlich Atheist oder Agnostiker gewesen ist, und dem Oppositionsführer, Kemal Kılıçdaroğlu, der Alevit ist, hat die Türkei es noch nicht erlebt, dass jemand, der nicht-sunnitischer Moslem ist, irgendeine Machtposition besetzt. Das Gleiche ist im Iran zu beobachten – selbst unter dem Schah, der selber nichts anderes als schiitischer Moslem gewesen ist, obwohl er Familienangehörige hatte, die zum Katholizismus konvertiert waren, nämlich unter anderen seine Schwester Shams Pahlavi. Religiösen Minderheiten wie Bahai, Zoroastern und Juden waren Ministerposten verwehrt, weil der schiitische Klerus schon Sturm lief, als es um Dinge wie die sogenannte «Weiße Revolution» ging und deshalb Gerüchte verbreitete, dass die schiitisch-muslimischen Minister des Schahs, wie zum Beispiel Amir-Abbas Hoveyda, insgeheim doch Bahai, Zoroaster oder gar Atheisten waren, was von den Betroffenen und dem Schah natürlich heftig dementiert wurde. Das jedoch änderte nichts daran, dass der Klerus in Ghom tobte, die Massen gegen vermeintliche und echte, erfolgreiche Minderheiten aufstachelte, wie gegen den Architekten Hossein Amanat, der Bahai war, und deshalb nach 1979 den Iran verlassen musste und im Exil, in Kanada gestorben ist. Dieser Hossein Amanat hat das Wahrzeichen des «neuen Iran», den «Borj-E Azadi» (dt:Turm der Freiheit), entworfen. Auch der erfolgreiche, jüdische Geschäftsmann Habibollah Elghanian, der nach der Islamischen Revolution der erste Jude und einer der ersten der Zivilisten war, die vom Regime hingerichtet wurden, erregte den Zorn des schiitischen Klerus. Während vor 1979 im Iran, respektive vor 2003 in der Türkei, in staatlichen Einrichtungen religiöse Symbole, darunter das Kopftuch verboten waren, wurde keinem Moslem und keiner Muslima sonst die Religionsausübung verboten.

 

Eine seltene Ausnahme gibt es in Tunesien

Der Opfermythos von Islamisten ist demnach nichts weiter als Lug und Trug, der islamische Chauvinismus dagegen sehr real. Und darunter leiden nicht-muslimische Minderheiten ganz konkret, weil sie dort nur Bürger zweiter Klasse sind und es nicht einmal wagen können, davon zu träumen Minister oder dergleichen werden zu können. Die einzige Ausnahme in der arabischen Welt, die die Regel bestätigt, ist Tunesien, das derzeit einen jüdischen Tourismusminister hat. Währenddessen wurde in der Islamischen Republik Iran der Zoroaster Sepanta Niknam, ein Stadtrat aus Yazd, seines Amtes enthoben und ins Gefängnis gesteckt, weil er es «gewagt» hatte, in der Islamischen Republik Kommunalpolitik zu machen. Später wurde diese Entscheidung, aufgrund des Drucks durch Menschenrechtler revidiert. Doch dieser Fall zeigt exemplarisch den islamischen Chauvinismus gegenüber Nicht-Muslimen.

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