Der „politisch unkorrekte“ Rabbi von Sarajevo

Interview mit Dr. Eliezer Papo, dem Rabbiner von Sarajevo, über die Rolle seiner Stadt für den Zionismus und das Ladino des Balkan

Die jüdische Gemeinde Sarajevos

Die ersten Juden kamen nach der Vertreibung aus Spanien Ende des 15. Jahrhunderts nach Sarajevo, das damals Teil des Osmanischen Reiches war. Sarajevo, die heutige Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, wurde auch als Jerusalem Europas bezeichnet, weil hier die drei Weltreligionen für lange Zeit friedlich zusammenlebten und das jüdische Leben in der Stadt gedieh. In der Stadt gab es kein jüdisches Viertel im engeren Sinne, erst recht keine Art abgeschlossenes Ghetto, in dem alle Juden hätten leben müssen. Die zentralen jüdischen Institutionen befanden sich jahrhundertelang in prestigeträchtiger Lage beim großen Basar der Stadt. Dennoch lebten in manchen Vierteln Sarajevos mehr, in anderen weniger und in wieder anderen gar keine Juden. Dr. Eliezer Papo, ein gebürtiger Sarajlija (Bewohner Sarajevos) und nicht-residenter Rabbiner der Jüdischen Gemeinde von Sarajevo, lebt heute in Jerusalem und lehrt an der Universität Ben Gurion in Be’er Schewa. In seiner Funktion als Rabbiner kommt er zu den hohen jüdischen Feiertagen nach Sarajevo. Die JÜDISCHE RUNDSCHAU hatte Gelegenheit, Herrn Dr. Papo in seiner Jerusalemer Wohnung zu besuchen und zu interviewen.

 

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Herr Dr. Papo, viele Leute verbinden mit dem Namen Sarajevo leider nur Begriffe wie den 28. Juni 1914, die Winterolympiade 1984 oder die Belagerung der Stadt – wenn überhaupt. Was glauben Sie, welchen Stellenwert die Stadt für die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU und an der Geschichte des Judentums und Israels Interessierte haben sollte?

Dr. Papo: Assoziationen sind spontan, oft persönlich und noch öfter kollektiv; abhängig von der Erfahrung des Einzelnen oder der Gruppe, der er angehört, den Informationen, die er erhalten hat usw. Deswegen glaube ich nicht, dass man von Assoziationen sprechen kann, die irgendetwas, auch Sarajevo, in irgendjemandem wecken werden. Obwohl diese Zeit der politischen Korrektheit und allumfassenden Nicht-Authentizität, die die Menschen oft so klingen lässt, wie man es für richtig hält, und nicht wie freie Individuen. Auf jeden Fall glaube ich, dass für einen Großteil der Leute heutzutage eine der ersten fünf Assoziationen an Sarajevo die Haggadah von Sarajevo ist – und es ist schön, dass es so ist. Einer meiner Wünsche ist es auch, dass Juden auf der ganzen Welt Sarajevo als Geburtsstadt des Ribi Yehuda (Ben Shlomo Chai) Alkalai (*1798) assoziieren. Alkalai gilt als der Vater des modernen politischen Zionismus. Glücklicherweise habe ich einige leichter zu erfüllende Wünsche im Leben.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Bei Theodor Herzl denken die meisten wohl eher an Basel, aber nicht an Sarajevo. Welche Rolle spielt Sarajevo für den modernen politischen Zionismus?

Dr. Papo: Unter der Führung von Miloš Obrenović erkämpften die Serben eine Autonomie innerhalb des Osmanischen Reiches. Mit diesen Eindrücken gewappnet, dass eine Autonomie innerhalb des Osmanischen Reiches möglich ist, zog Ribi Yehuda Alkalai von Sarajevo in die heute serbische Stadt Zemun. Diese grenzte an das Osmanische Reich. Er war der erste Visionär der großen jüdischen Rückkehr nach Eretz Israel und der Schaffung der jüdischen Autonomie innerhalb des Osmanischen Reiches, sowie der Begründer der ersten zionistischen Gesellschaft und Bewegung. Er weckte das Interesse für den Zionismus bei Herzls Großvater, einem gebürtigen Zemuner, und verfasste ein Empfehlungsschreiben für den Bruder von Herzls Großmutter, in welchem er ihn als einen „wahrhaften Zionisten“ lobte. Soviel zum Hirngespinst, dass Herzl ein assimilierter Jude gewesen und erst durch die Dreyfus-Affäre auf die „Unvermeidlichkeit eines jüdischen Schicksals“ aufmerksam gemacht worden sei.

Interessanterweise sollte in der Vision von Ribi Alkalai als offizielle Sprache dieser jüdischen Autonomie das wiederhergestellte Hebräisch fungieren. Ein Schüler seines Schülers, Dr. Theodor Herzl, hatte weniger Vertrauen in die Vitalität und Vielseitigkeit der hebräischen Sprache, weshalb er als realistischere Alternative Deutsch in die überarbeitete alkalaische Vision einbrachte.

Nun, im Einklang mit dem Motto der jüdischen Geschichte: „Seien wir realistisch, fordern wir das Unmögliche“, setzte sich auch in diesem Segment die Vision von Alkalai durch. Wenn man diesem noch die Prophezeiung von Alkalai hinzufügt, dass ab 1840 das Jahrhundert der göttlichen Gnade beginne, welches die Juden für die Rückkehr nach Israel nutzen sollten, weil ab 1940 die Zeit der schrecklichen Verfolgung beginne, bekommt man einen vollen Eindruck von der Größe der Vision des Sarajevoer Begründers des Zionismus.

Die Haggadah ist ein reich bebildertes Buch, das Juden als Handlungsanweisung für den Seder am Pessach-Vorabend dient. In ihm wird der Exodus aus Ägypten erzählt. Die Haggadah von Sarajevo soll um das Jahr 1350 in Barcelona oder Saragossa angefertigt worden sein und ist, nach der Vertreibung der Sepharden von der iberischen Halbinsel im Zuge der Reconquista, über Umwege mit nach Sarajevo gebracht worden. Das Museum von Sarajevo kaufte die Haggadah 1894 an, um sie ausstellen zu können. Während des Zweiten Weltkrieges suchten die Nazis gezielt nach der Haggadah, und nur durch den selbstlosen Einsatz vieler Einwohner Sarajevos konnte diese gerettet werden. Während der Belagerung der Stadt in den 1990ern haben zwei Museumsangestellte sie unter Einsatz ihres Lebens aus der Stadt geschmuggelt. In beiden Fällen waren die Retter bosnische Muslime. Heute zählt man sie zu den größten Schätzen jüdischer Buchkunst. Ihre Geschichte ist ein kleines Wunder und birgt Stoff für mindestens drei Hollywoodfilme.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Sie sind gebürtig aus dem ehemaligen Jugoslawien, dem heutigen Bosnien-Herzegowina, wo man früher Serbokroatisch und heute – angeblich – Kroatisch/Bosnisch/Serbisch spricht. Wie bezeichnen die bosnischen Juden ihre Sprache?

Dr. Papo: Bosnische Juden nennen ihre Sprache Ladino. Nur weil es ihre Sprache ist, heißt das aber noch lange nicht, dass sie diese auch sprechen. Wir wissen auch warum! Die deutsche Besatzung, die Einrichtung des deutschen Satellitenstaates: Der kriminelle Unabhängige Staat Kroatien (Anm. JR: der Ustascha-Staat) und der Völkermord an den bosnisch-herzegowinischen Juden hatten ein solches Ausmaß, dass es zu einem Linguizid (Sprachmord) führte. Eine Handvoll bosnischer Juden, die die Schrecken des Zweiten Weltkriegs überlebt hatten, zuvörderst dank der Italiener und dann durch den Sieg der Partisanen; stellt, biologisch gesehen, keine kritische Masse mehr dar, um das Ladino als bestimmte ethnische Sprache „aufrechterhalten“ zu können. Die Sprecher des bosnischen Ladino in Bosnien und Herzegowina können an den Fingern einer Hand und im Rest der Welt an den Fingern der anderen Hand abgezählt werden.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Wie viele Sprecher des Ladino gibt es heute noch und wo wird es am meisten gesprochen?

Dr. Papo: Die meisten Sprecher des Ladino leben heute in Israel, logischerweise. Mit der Rückkehr der Juden kehrte auch das Ladino nach Hause zurück. Leider scheint es, dass es nur zurückgekehrt ist, um schließlich hier seinen letzten Atemzug zu tun. Anders gesagt: sehnsüchtig nach Hause gekommen, um dann hier zu sterben. Heute spricht in Israel kein einziges Kind Ladino als Muttersprache. Und selbst die erwachsenen Muttersprachler können sich nicht einer einzigen Person rühmen, die ausschließlich Ladino spräche. Verschiedene Institutionen in Israel versuchen, das Erbe des Ladino zu retten und arbeiten unermüdlich daran, dass möglichst viele Errungenschaften der sephardischen Kultur und Erfahrungen Teil des israelischen Mainstreams werden. Man schätzt die Sprechergemeinde des Ladino in Israel auf etwa 200.000 Menschen, aber ihre Sprachkenntnisse sind sehr unterschiedlich. Darunter solche, die Ladino nur kulinarisch kennen (Nona, no me me meta kajmak nel sendvich, savi ki ich no mi plazi - Oma, tu mir keine Butter in mein Sandwich, das mag ich nicht), bis zu denen, für die es wirklich eine Sprache ist. Zum Beispiel Moshe Haelon, ein Holocaust-Überlebender aus Thessaloniki, der kürzlich in Israel die Ilias und die Odyssee ins Ladino übersetzte.

20.000 Juden leben ungefähr in der Türkei, und den Ältesten ist Ladino die Muttersprache. Den Übrigen ein Repositorium des Kollektivgedächtnisses, ein Identitätsreservoir, ein Objekt des Stolzes – aber leider kein Kommunikationsmedium. Ladino ist in der Türkei in erster Linie ein Kommunikationsmittel mit der eigenen Identität. In Bulgarien ist die Situation ein wenig besser als in den sephardischen Ländern Jugoslawiens, aber bei weitem nicht so gut wie in der Türkei. Der Holocaust an den griechischen Juden hatte ähnliche Folgen wie der Holocaust an den bosnischen, serbischen und dalmatinischen Juden: Linguizid.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Wie ist die jetzige Situation in der jüdischen Gemeinde von Sarajevo?

Dr. Papo: Es gibt einen sehr schönen Ausdruck auf Serbisch-Kroatisch-Bosnisch, den die bosnischen Sephardim auch ins Ladino übersetzten: Si kazo mejor ki pinso – Sie heiratete besser, als sie es sich erhofft hatte. In Anbetracht der Tatsache, wie wenige Juden in Sarajevo diesen letzten Bürgerkrieg „erwartet“ haben, und in Anbetracht seiner Grausamkeit und Dauer, in der Kinder, meist in Begleitung ihrer Mütter, und ältere Gemeindemitglieder in Sicherheit gebracht werden mussten, ist die Situation in der jüdischen Gemeinde in Sarajevo heute besser, als zu erwarten war. Einige Kriegsflüchtlinge kehrten zurück, prozentual gesehen wahrscheinlich sogar mehr als in den anderen bosnisch-herzegowinischen Ethnokonfessionsgruppen – aber in absoluten Zahlen lächerlich gering im Vergleich zur Größe dieser anderen Ethnokonfessionsgruppen.

Die Zeiten, in denen jeder fünfte Sarajlija jüdisch war, es Aufführungen auf Ladino im Nationaltheater gab, das neben der größten sephardischen Synagoge Europas stand, sind unwiderruflich vorbei. Sarajevo hat heute einen außergewöhnlichen jungen Chasan (Kantor), Bensijon Igor Kožemjakin, einen regelmäßigen G‘ttesdienst am Schabbat und an Feiertagen, einen aktiven Jugendclub, eine noch aktivere Frauenabteilung, benannt nach der ersten Verfasserin von Dramen auf Ladino, Laura Papo Bohoreta, einer gebürtigen Einwohnerin Sarajevos. In der Stadt wirkt auch die jüdische Wohltätigkeitsorganisation „La Benevolencija“, die den Bürgern Sarajevos ihrer kolossalen, im Krieg geleisteten Hilfe wegen in Erinnerung geblieben ist. Archimedes jedenfalls wäre in Zeiten moderner Kommunikationsmittel erstaunt darüber, an wie vielen Orten der Mensch gleichzeitig agieren kann, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Das können Sie an mir sehen: Aus Jerusalem heraus diene ich als nicht-residenter Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Bosnien-Herzegowina. In die Stadt selbst komme ich zu wichtigen jüdischen Feiertagen. Brauchen die Gemeindemitglieder einen Rat, wissen sie, wo und wie sie mich finden können, und ich stehe in ständigem Kontakt mit der weltlichen Gemeindeführung.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Deutsche und europäische Politik haben Auswirkungen auf den Balkan und natürlich auch auf Israel. Verfolgen Sie die politischen Geschehnisse im Deutschland und Europa der letzten Jahre?

Der Autor Filip Gaspar (rechts) mit Rabbi Papo

Dr. Papo: Ehrlich gesagt versuche ich, diese so wenig wie möglich im Auge zu behalten, vor allem meiner mentalen Hygiene wegen. Wenn ich sie doch mal verfolge, rege ich mich nur unnötig auf. Trotzdem werde ich ohne Bezug zu irgendeiner Funktion, die ich ausfülle (oder auch nicht), meine persönlichen Ansichten mit Ihnen teilen. Juden in Europa sind eine Minderheit par excellence. Historisch betrachtet, und ohne irgendwelche Verallgemeinerungen, kann man immer noch sagen, dass Juden traditionell eher mit der Linken sympathisierten, und diese auch mit ihr. In der Zwischenzeit hat die Linke dem Mythos zugestimmt, dass der Kapitalismus die Verwirklichung des Reiches G‘ttes auf Erden sei, das vollkommenste System, das die Menschheitsgeschichte seit jeher angestrebt habe. Ein System, in dem die Arbeitnehmerrechte endgültig erfüllt und in dem wir von jetzt an und immer weiter fort in messianischen Zeiten leben würden. In Zeiten, in denen der Kampf um soziale Gerechtigkeit nichts weiter als eine blasse Erinnerung ist, hat die Linke ihren Fokus auf andere Minderheiten gerichtet: nämlich auf sexuelle. Dieser Irrglaube, die Rettung der Welt läge in der absoluten Akzeptanz der „Gender-fluid“-Theorie, ist eine Verballhornung des Religiösen und der Religiosität in der westlichen Öffentlichkeit. Hiermit meine ich vor allem die Europäer, aber auch die Amerikaner, insbesondere jene, deren „Bewusstsein für einen gemeinsamen europäischen Ursprung“ ausgeprägter ist. Es scheint, als ob die Menschen versuchen würden, die Maxime zu beweisen, der zufolge die menschliche Seele von Natur aus religiös sei. Die ausgeprägtesten Atheisten unter uns haben ein Dogma erschaffen, das die Trennlinie zwischen „Geretteten“ und „Nicht-Geretteten“, „Söhnen des Lichts“ und „Söhnen der Dunkelheit“ zieht. Wäre es nicht beängstigend, könnte man drüber lachen! Ein Dogmatismus, für den sich das Mittelalter nicht schämen müsste.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Aber Religionen leben doch auch von der Debatte.

Dr. Papo: Und dies ist auch der traditionelle Unterschied zwischen einer Weltanschauung und einer Religion. Ersteres ist eine mehr oder weniger leidenschaftliche Debatte, mit dem Ziel, das Gegenüber für seine eigene Idee zu gewinnen. Bei letzterem hilft die Diskussion nicht weiter. Diejenigen, die das Gegenteil behaupten, verkörpern ihrem Wesen nach das existenzielle Böse, – und als solche gehören sie ausgerottet. Glücklicherweise verfügen die Vertreter dieser neuen Religion nicht über die Machtinstrumente, die beispielsweise der katholischen Kirche im Mittelalter zur Verfügung standen.

Ansonsten würde es allen, die es wagen, anders oder überhaupt zu denken, schlecht ergehen. Fügt man hinzu, dass trotz der Existenz eines starken Israels, das in den letzten Jahren größtenteils von einer rechten Regierung geführt wurde, die jüdische Minderheit in Europa von der Neu-Linken nicht mehr wie ein Underdog, eine Sorte, welche die Neu-Linke gerne hegt und pflegt, wahrgenommen wird, sondern als ein verlängerter Arm Israels und seiner rechten Regierung, bekommt man einen neu-linken Antisemitismus, in dem ein irrationaler Hass auf Israel in eine Haltung gegenüber allen Juden überall mündet. Gleichzeitig existiert die Neu-Rechte, die seit der Entstehung Israels bis dato in den Juden oft „ein normales Volk sah, das am Wohle seiner eigenen Nation arbeitet. Viele Anhänger der Neu-Rechten sind Erben des traditionellen Antisemitismus, der, milde ausgedrückt, die jüdische Integration in die europäische Gesellschaft mit Argwohn betrachtete und in den Juden ein anationales oder gar transnationales Element sah, deren Interessen nicht im Einklang mit derjenigen europäischen Nation, in der sie lebten, standen. Oftmals warf man Juden vor, dieselben Interessen wie andere Juden in anderen Staaten zu haben.

Natürlich repräsentieren diese beiden vereinfachenden Ansichten, die eigentlich zwei Seiten derselben Medaillen sind, weder alle Neu-Linken, noch alle Neu-Rechten, noch sind sie geeignet, wenn man die wirklichen Ansichten der europäischen Juden erfahren will. Aber all diese formellen rechtlichen Mängel hindern sie nicht daran, unbewusste Meinungen zu schaffen, die oft weitaus mächtiger als die bewussten sind. Eines ist sicher: Uns wird nicht langweilig und mit großer Wahrscheinlichkeit wird es immer „interessanter“ und „interessanter“ (lächelt). Traditionelle Religionen haben zumindest ihre Anhänger dazu inspiriert, mehr Kinder zu bekommen. Religionen der Neuzeit sind dagegen infantile Peter Pans. Dennoch funktioniert die Welt nicht so, wie es sich Klein Hänschen vorstellt, und so wird mit Sicherheit auch die Zukunft des alten Kontinents in den Händen derer liegen, die ihren Fokus auf noch ein weiteres Kind, und nicht auf noch ein weiteres Gadget, richten. Mögen wir lang genug leben, um es noch zu erleben.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Was denken Sie über die aktuellen Geschehnisse in der Europäischen Union?

Dr. Papo: Jede Religion hat zwei traditionelle Anführertypen: Propheten, die dem Heute das Zukünftige aufzwingen, und Priester, die dem Heute das Gestrige aufzwingen wollen. Natürlich leben die Menschen im Gegensatz zu den Propheten und Priestern weder im Morgen noch Gestern, sondern ausschließlich im Hier und Jetzt. Gleichzeitig ermöglicht es erst die gesunde Spannung zwischen der Faust des Propheten, der zum Morgen, und der Faust des Priesters, der zum Gestern tendiert, dass die Menschen fest im Hier und Jetzt stehen. Meine langatmige Antwort auf diese Behauptung soll mich vor eventuellen Vorbehalten derer schützen, die eine freudigere Antwort erwartet haben. Ich finde es sehr wichtig, dass ein jeder weiß, was genau seine Berufung und Aufgabe ist.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Herr Dr. Papo, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte und übersetzte Filip Gašpar.

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