Als der Kolonialmacht Persien die kaukasischen Sklaven ausgingen

Der Iran ist keineswegs ein Kolonialismus-Opfer, sondern war im Gegenteil jahrhundertelang Sklavenhalter von ihm unterdrückter Völker, bis Russland ihn schließlich in seine Schranken wies.

Russische Soldaten bilden während des Russisch-Persischen Krieges eine menschliche Brücke für Kanonen (Gemälde von Franz Roubaud).

Von Anastasia Iosseliani

Nicht selten werfen mir Kritiker, die mich nicht kennen, vor, im Falle des Regimes der Islamischen Republik Iran kriegslüstern zu sein. Um eines klarzustellen: Für Israel gilt: «Si vis pacem para bellum» (zu Deutsch: Wenn du Frieden willst, dann bereite dich auf den Krieg vor!). Israel überlebt nur, weil es militärisch stärker als seine Gegner ist, und das ist auch gut so! Und auch sonst bin ich eher ein Falke als eine Taube.

Aber bevor man die Waffen sprechen lassen muss, kann man das volle Kontingent der Sanktionen ausschöpfen. Lassen Sie mich dazu etwas in die Vergangenheit schweifen. Genauer in den Kaukasus des 19. Jahrhunderts. Hier musste das Perserreich unter der Dynastie der Kadscharen die bis heute erniedrigendsten Verträge in der Geschichte des Iran unterzeichnen und große Gebiete – den größten Teil des Kaukasus – an das Russische Reich abtreten. Der Iran ist damit nolens volens der Rechtsnachfolger der Perserreiche, d.h. von gescheiterten Imperien. Nach den Verträgen von Golestan und Turkmanchay – das war der Name dieser demütigenden Verträge – ging es mit dem Perserreich nur noch bergab, denn nun fehlten Sklaven und zwangsverpflichtete Kindersoldaten aus dem Kaukasus, die das Rückgrat der Kolonialmacht des Perserreichs bildeten, und die Prunkbauten für die Safawiden und die nachkommenden Dynastien errichtet hatten und in den Eroberungszügen und Schlachten für das Perserreich gestorben sind.

Historiker wie Behnaz Mirzai, die an der «Brock Universität» in St.Catharines/Kanada lehrt und forscht, gehen davon aus, dass die Schahs nicht weniger als zwei Drittel der ursprünglichen Gesamtbevölkerung des Kaukasus ins iranische Kernland verschleppt und versklavt haben. Die georgischen Herrscher, die von den persischen Schahs als «Vali» (zu Deutsch: Gouverneure) eingesetzt wurden, lebten in konstanter Angst, dass ihr Land von den Persern vollständig entvölkert würde. Nicht einmal die georgischen Herrscher selbst waren ihres Lebens sicher vor den persischen Kolonialherren, denn die Schahs schreckten nicht davor zurück georgische Könige und Königinnen, wie Luarsab II. und Ketevan, die Märtyrerin kaltblütig zu ermorden. Diese chauvinistische Politik der persischen Schahs gegenüber den kaukasischen Völkern führte zu Aufständen der Kaukasier, primär der Georgier, wie dem Bakhtrioni-Aufstand, über den heute in Georgien jedes Kind in der Schule unterrichtet wird, weil Dichter und Schriftsteller wie Ilia Chavchavadze, Vasha-Pshavela und Akaki Tsereteli den Aufständischen literarische Denkmäler gesetzt haben.

Diese Aufstände wurden immer wieder von den persisch-iranischen Machthabern niedergeschlagen und die Zivilbevölkerung wurde danach in noch größerer Zahl ins iranische Kernland verschleppt, um dort Sklavenarbeit zu verrichten. Aber nicht einmal die Tatsache, dass die Iraner unter Agha Mohammad Khan im 18. Jahrhundert ihre Hauptstadt von Isfahan nach Teheran verlegten, um ihre Kolonien im Kaukasus besser ausbeuten und Aufstände besser unterdrücken zu können, konnte den Freiheitswillen der kaukasischen Völker brechen. Nicht einmal, dass die Perser die georgische Hauptstadt Tiflis in den letzten fünfhundert Jahren gleich fünfmal (zuletzt unter Agha Mohammad Khan), niedergebrannt haben, konnte die Georgier brechen. Und so blühte dem Persischen Reich unter den Kadscharen am Ende das, was so vielen Imperien in der Geschichte wiederfahren ist: Eine einschneidende und demütigende Niederlage – denn nun war es das Persische Reich, das gegen ein noch mächtigeren Imperium den Kürzeren zog und die Verträge von Golestan und Turkmanchay unterzeichnen musste.

Diese Verträge und der damit einhergehende Gebiets- und Gesichtsverlust sind etwas, das viele Iraner bis heute nicht verdaut haben, wie ich auch aus persönlichen Gesprächen mit Iranern weiß, von denen viele die Unverschämtheit besitzen die Verträge von Golestan und Turkmanchay mit dem Holocaust zu vergleichen, obwohl Vergleiche mit den Verträgen von Trianon und Versailles sich eher anbieten würden. Diese Kränkung in Bezug auf das Regime der Islamischen Republik könnte man sich nun zu Nutze machen. Das heißt, man könnte den JCPOA (auch als «Iran-Deal» bekannt) anpassen, um dem Imperialismus des Regimes zu Teheran endlich Grenzen zu setzen. So lange die Verträge von Golestan und Turkmanchay, und nicht der sogenannte «Iran-Deal» von vielen Iranern als die erniedrigendsten Verträge angesehen werden, die der Iran je unterzeichnen musste, so lange ist der JCPOA zu harmlos. Der JCPOA/«Iran-Deal» müsste so modifiziert werden, dass die Verträge von Golestan und Turkmanchay im Nachhinein wie ein Geschenk des Himmels erscheinen.

 

Nur die harte Hand

Alles andere stärkt den Größenwahn in Teheran, und die bisherige Politik des «kritischen Dialogs» und des «Wandels durch Annäherung» führte nur dazu, dass sich das Regime dazu ermutigt fühlte Methoden zu benutzen, die man sonst nur in Kreisen des organisierten Verbrechens vermuten würde, wie Geiselnahme, Drohungen, Erpressungen und neuerdings Piraterie zur See. Auch schreckt die Islamische Republik Iran nicht vor (Staats-)Terrorismus zurück, und greift dabei auf Proxies wie die Hisbollah und die Houthis zurück. Denn wie ich immer zu sagen pflege: Es gibt eine Zeit des Dialogs und eine Zeit, in der man zu handeln hat, und im Falle des Mullahregimes von Teheran braucht es harte Sanktionen! Das Regime versteht nur eine Sprache: die der harten Hand. Das beweisen die Verträge von Golestan und Turkmanchay, die dazu geführt haben, dass das Perserreich der Kadscharen nachhaltig geschwächt wurde und dem persisch-iranischen Imperialismus und Chauvinismus ein Schlag versetzt wurde.

Marx sagte einst, dass die Geschichte sich wiederholen würde: Zuerst als Tragödie, und dann als Farce. So lange aber europäische Politiker und andere, notorische Apologeten auf eine Politik der Diplomatie und nicht der Sanktionen setzen, wird sich in Teheran nichts zum Besseren wenden, und nicht nur Iraner werden unter diesem Teufelskreis aus Islamismus, Imperialismus und Chauvinismus leiden. Gerade die deutsche Haltung zum Iran, hat sich bisher aus einer Mischung aus Desinteresse, Feigheit, Gier und Antiamerikanismus gespeist.

Dabei wurden letztens drei Frauenrechtlerinnen zu insgesamt 55 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie es gewagt haben, gegen den Kopftuch-Zwang des Regimes zu protestieren. Und dem iranisch-schwedischen Katastrophen-Mediziner Ahmed-Reza Jalali droht die Hinrichtung, wegen angeblicher Spionage und Kooperation mit dem «kleinen Satan» Israel, obwohl Doktor Jalili sich nur aufgrund eines Kongresses iranischer Universitäten in sein Herkunftsland begeben hat, und sonst als Professor in Schweden gelebt und gearbeitet hat. Aber nicht nur im iranischen Kernland setzt das Regime der Islamischen Republik auf Terror und Unterdrückung! Gerade ist die Piraterie der Revolutionsgarden in der Straße von Hormuz und dem Golf von Oman in den Medien präsent. Doch es geht unter, dass durch Teherans Proxy im Jemen, den Houthis, die Bevölkerung des Jemens die schlimmste Hungerkatastrophe des 21. Jahrhunderts erleidet.

Dieser Staatsterrorismus der Islamischen Republik und der Fakt, dass diesem kaum Einhalt geboten wird, könnte tatsächlich zu Krieg führen. Dann nämlich, wenn die Revolutionsgarden sich zum Beispiel erlauben Israel oder amerikanische Soldaten in der Golfregion direkt anzugreifen, oder am «Tag X» Juden in Deutschland zu meucheln. Denn der Verfassungsschutz von Nordrhein-Westphalen hat darüber berichtet, wie der iranische Geheimdienst Juden und jüdische Einrichtungen in Deutschland ausspioniert.

Im Verfassungsschutzbericht des Jahres 2018 steht das Folgende: „Im Berichtsjahr wurden wieder Aktivitäten der sogenannten ‘Quds Force Brigade’ (QF) festgestellt. Bei den QF handelt es sich um eine Spezialeinheit der Revolutionsgarden, die über eine eigene nachrichtendienstliche Abteilung, einen Sicherheitsdienst und eine Spionageabwehr verfügt. Die QF betreibt unter anderem Informationsbeschaffung im Ausland. Ein Hauptaugenmerk liegt in der Ausspähung von israelischen und pro-israelischen Institutionen sowie von hier lebenden Staatsangehörigen des Staates Israel und von Personen jüdischen Glaubens. Dem Verfassungsschutz liegen Erkenntnisse vor, dass es im Berichtsjahr Ausforschungsaktivitäten der QF in Nordrhein-Westfalen gegeben hat.“

Das bedeutet, wem es wirklich ein Anliegen ist ein zweites AMIA-Attentat (1994 in Argentinien) – dieses Mal auf deutschem Boden – zu verhindern, setzt sich für effektive Sanktionen gegen das Terrorregime der Islamischen Republik ein, und hört im Fall der Islamischen Republik Iran mit diesem unredlichen «Rassismus der niederen Erwartungen» gegenüber Persern und anderen Iranern auf. Denn wie oben bereits erklärt, ist die jetzige, chauvinistische Expansionspolitik Teherans nicht auf eine historische Kränkung zurückzuführen, sondern sie ist das Wiedererwachen des iranisch-persischen Imperialismus, nun unter dem Banner der Islamischen Republik und in revolutionärer Verkleidung.

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