„Alle Juden sind reich“

Das alte antisemitische Vorurteil und die Realität

Ein jüdischer Bettler am Busbahnhof von Tel Aviv

Von Dr. Elvira Grözinger

Heute wird jede Behauptung einem Faktencheck unterzogen und an dieser Stelle wird nun der bekannte und von den Antisemiten mantra-artig wiederholte Ausspruch, alle Juden seien reich, auf seinen Wahrheitsgehalt überprüft.

Den neuesten Fall hat der skandalöse Artikel im „Spiegel“ vom 12. Juli 2019, betitelt „Lobbyismus im Bundestag: Wie zwei Vereine die deutsche Nahostpolitik beeinflussen wollen“, geliefert. Eine Gruppe von Journalisten schreibt sich ihre antisemitischen Ressentiments von der Seele, in einer Manier, die an die unseligsten Pamphlete der als überwunden geglaubten mörderischen Zeit erinnern. Da Israel heute als Ersatz für den Juden als Ziel der Attacken dient, bleiben die alten Stereotypen bestehen und auch hier wird mit dem angeblichen Geld der Juden operiert, das die deutschen Parlamentarier korrumpiert und zum angeblichen Werkzeug der „Zionisten“ mache. Der Artikel ist unredlich und der „Spiegel“ beharrt auf seinen falschen, bereits widerlegten Behauptungen und weist den Vorwurf des Antisemitismus natürlich von sich.

 

Zinsen waren eine Sünde, die den Christen nicht zuzumuten war

„Juden und Geld“ ist ein Reizthema seit es in der Bibel (Exodus 22,24) hieß: „Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, der arm ist, sollst ihm nicht schaden und keinen Wucher mit ihm treiben“. Das frühe Christentum (und dann der Islam) übernahm das Zinsverbot, das die Katholische Kirche bis ins 19. Jahrhundert beibehielt. In späteren Synoden wurde es gar zum Kapitalverbrechen erklärt, so dass die Juden als Sünder und Verbrecher galten, denn im Mittelalter, als Juden in Mitteleuropa aus der Wirtschaft – den Zünften und der Hanse – verdrängt wurden, übertrugen ihnen die Christen das Geschäft des Geldverleihs, umgingen so das Zinsverbot, aber blieben selbst ohne Sünde. Dennoch zogen die Juden den Zorn, Neid und Hass der christlichen Nachbarn auf sich, dem Mythos des geldgierigen Juden die Grundlage liefernd, der neben dem Vorwurf des Gottesmordes u.a. zu Vertreibungen, Ausgrenzung und Pogromen führte. Die Kontinuität der antijüdischen Bilder hat im Nationalsozialismus ihren mörderischen Höhepunkt erreicht. So verfälschten 1940 die Nationalsozialisten auch die historische Figur des Joseph Süß Oppenheimer, der ein respektierter Hoffaktor und Schutzjude des Württemberger Herzogs Karl Alexander im 18. Jahrhundert war. Nach dem Tod des Herzogs fiel er unschuldig einem Justizmord zum Opfer, wurde hingerichtet und sein Leichnam sechs Jahre lang öffentlich im Käfig zur Schau gestellt. Die Nazis machten ihn zu einem hinterlistigen reichen Juden in dem antisemitischen Film „Jud Süss“ unter der Regie von Veit Harlan. Er wurde zu einem NS-Blockbuster. In den europäischen Literaturen, die Spiegel der Gesellschaft sind, wurde dieses Bild des reichen, gnadenlosen Wucherjuden weiter tradiert. Allen ist die Figur des blutrünstigen Geldverleihers Shylock aus Shakespeares Komödie (sic!) „Kaufmann von Venedig“ oder des reichen Juden „Nathan der Weise“ aus dem gleichnamigen Drama von Lessing geläufig. Der geldgierige Jude Veitel Itzig aus dem „Buch der Deutschen“ im 19. Jahrhundert, Gustav Freytags „Soll und Haben“, ist heute wohl weniger präsent wie wahrscheinlich die Juden-Figuren von Dickens, wie der diebische Fagin in „Oliver Twist“, der reichen Ebenezer Scrooge und Jacob Marley aus „Eine Weihnachtsgeschichte“.

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