Wie viele Judentümer gibt es eigentlich?

Die religiöse Vielfalt innerhalb des Judentums ist enorm.

Chassiden (oben) und äthiopische Frauen (unten) an der Klagemauer in Jerusalem© MENAHEM KAHANA, AFP

Von Michael Selutin (Israel Heute)

„Ein Jude hatte jahrelang einsam auf einer einsamen Insel gelebt. Als er endlich gefunden wurde, sahen seine Retter, dass er zwei Synagogen auf der Insel gebaut hat. ‚Warum zwei Synagogen?‘, fragten sie ihn. Der Jude zeigte auf eine Synagoge und sagte, ‚Das ist die Synagoge, in der ich regelmäßig bete und in diese dort drüben würde ich nie einen Fuß setzen!‘“

Dieser Witz beschreibt ziemlich akkurat die Einstellung vieler Juden, die vielleicht noch das alte Stammesdenken aus biblischer Zeit in sich spüren. Damals war das Volk in 13 Stämme aufgeteilt (der Stamm Joseph wurde in Menasche und Ephraim aufgeteilt) und aus der Bibel wissen wir, dass es Gott wichtig war, diese Stämme voneinander abzugrenzen und zu bewahren. Der Grund dafür ist, dass jeder Stamm einen eigenen Charakter und eine Spezialisierung hatte und das jüdische Volk als „Licht für die Nationen“ zeigen sollte, dass es nicht nur einen Weg zu Gott gibt. Der Weg zur Heiligkeit ist nicht nur durch einsame Meditation erreichbar, sondern auf sehr verschiedene Wege. Ein Kriegerstamm wie Gad war ebenso heilig und gottesnah wie der Händlerstamm Zewulun, oder der Priesterstamm Levi.

Heute haben wir keine Stämme mehr, aber dafür hunderte verschiedene Gemeinden mit unterschiedlichen Traditionen und sogar Gesetzen. Dazu muss gesagt werden, dass die Unterschiede in den Details liegen und nicht den wichtigen, übergeordneten Prinzipien. Zum Beispiel erkennen alle Strömungen des authentischen Judentums die Pflicht an, den Schabbat einzuhalten, aber manche Gemeinden erlauben das Fahrradfahren an diesem Tag und andere halten es für zu gefährlich, da das Fahrrad kaputtgehen kann und man es dann reparieren würde, was nach Meinung aller am Schabbat verboten ist.

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