Davos – die jüdische Sommerhauptstadt Europas

Im Schweizer Kanton Graubünden machen so viele in- und ausländische orthodoxe Juden Urlaub, dass selbst die dortigen Hotels auf koschere Küche umstellen.

Blick über den weltberühmten Alpen-Ort in Graubünden.© WIKIPEDIA

Von Peter Bollag (Redaktion Audiatur)

Nach dem Trauertag Tischa Be’Aw (er fiel in diesem Jahr auf den 29. Juli) beginnt vor allem in den Bergen der „jüdische Tourismus“ wie jeden Sommer so richtig zu florieren – Tausende, oft orthodoxe, aber auch weniger observante Gäste aus Israel, den USA, Belgien und vielen anderen Ländern bevölkern dann bis ca. Ende August wieder Dörfer und Kurorte in den Alpen.

Vermutlich werden in diesem Jahr der Euro-Schwäche und -Krise auch weniger jüdische Touristen in die Schweiz kommen, sondern vielleicht eher eines der Nachbarländer Österreich oder Frankreich auswählen. Aber Davos im Kanton Graubünden, die heimliche und inoffizielle jüdische Sommerhauptstadt Europas, wird auch in diesem Sommer wieder von vielen jüdischen Touristen besucht werden, so viel lässt sich jetzt schon voraussagen.

Zwar gibt es dazu keine offiziellen Zahlen, denn die Gäste werden selbstverständlich nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit, sondern nach ihrer Nationalität erfasst. Aber wenn im 13.000-Seelen-Ort an einem Freitag im Durchschnitt im August ca. 1.500 Challot (Schabbat-Brot) bestellt werden, kann man sich die jüdische Präsenz im Ort in etwa ausmalen: sie geht in die Hunderte, wenn nicht gar in die Tausende.

 

Aufeinandertreffen von Nazis und Juden im Urlaub

Entsprechend gibt es zwei kurzzeitige koschere Hotels, mehrere Verpflegungsmöglichkeiten und vor allem unzählige kleinere Synagogen und Gebetsstuben. Die jüdische Präsenz in Davos geht im Übrigen weit zurück – und hat natürlich auch damit zu tun, dass früher auch jüdische Lungen-Patienten hierherkamen – um sich hier gesundpflegen zu lassen. So entstand auch die jüdische Heilstätte „Etania“, die auch noch dann weitergeführt wurde, als es längst keine Lungenkranken mehr gab – bis sie schließlich geschlossen werden musste, weil sie als Hotel einfach nicht mehr zeitgemäß war. Die vielen auswärtigen Gäste hatten nach 1933 für den seltsamen Effekt gesorgt, dass hier auf engem Raum jüdische Gäste auf einen Bevölkerungsteil trafen, der sich weitgehend dem Nationalsozialismus angeschlossen hatte: die ortsansässigen Deutschen, verstärkt durch Gäste aus dem Reich. Bis er vom Studenten David Frankfurter 1936 erschossen wurde, leitete hier Wilhelm Gustloff denn auch „die Landesgruppe Schweiz der NSDAP“- Erinnerungen der weniger schönen Art in Davos.

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