Den Kuwaitis gehen die philippinischen Sklavinnen aus

Der moderne Sklavenhandel in den Golfstaaten ist nur eines von vielen Problemen in Nahost, das Antisemiten weniger bewegt als die pure Existenz Israels. Nun interveniert die philippinische Regierung wegen Missbrauchs ihrer Bürgerinnen in dem arabischen Land.

Eine Philippinin betrauert den Tod ihrer in Kuwait ermordeten Schwester.© TED ALJIBE, AFP

Stefan Frank

Nach dem Mord an einer philippinischen Haushaltshilfe in Kuwait, die offenbar zuvor vergewaltigt und anderweitig brutal misshandelt worden war, haben die Philippinen ein Entsendeverbot für Haushaltshilfen nach Kuwait beschlossen. „Dieser Schritt dient dem Schutz unserer Arbeiter“, sagte Arbeitsminister Silvestre Bello III.

Die 26-jährige Jeanelyn Villavende wurde nach Angaben des kuwaitischen Gesundheitsministeriums am 28. Dezember 2019 getötet. Als Todesursache gab das Ministerium „akuten Herz- und Atemstillstand“ infolge eines Schocks und zahlreicher Verletzungen an. Die Familie Villavendes, die am 30. Dezember von ihrem Tod informiert wurde, hatte seit zwei Monaten nicht mit ihr gesprochen, da es ihr nicht erlaubt war, zu telefonieren. Das Ehepaar, bei dem Villavende gearbeitet hatte, wurde verhaftet. Am 2. Januar hatte das philippinische Arbeitsministerium öffentlich gemacht, dass Villavende sich drei Monate vor ihrem Tod bei der Agentur, die sie vermittelt hatte, über nicht vertragsgemäße Bezahlung beschwert und den Wunsch geäußert hatte, in ihre Heimat zurückzukehren.

Minister Bello begründete das Entsendeverbot damit, dass die kuwaitischen Behörden versucht hätten, die Todesumstände zu „vertuschen“. Der Autopsie-Bericht des philippinischen National Bureau of Investigation (NBI) zu den sterblichen Überresten von Jeanelyn Villavende stehe in „völligem Gegensatz zu dem Bericht des kuwaitischen Gesundheitsministeriums“. Dieses habe „verschwiegen“, dass Villavende vor ihrem Tod vergewaltigt worden sei; zudem sei bei der Autopsie das „Fehlen einiger innerer Organe“ festgestellt worden.

Als weiteren Grund für das Entsendeverbot nannte Bello, dass mit Kuwait keine Einigung über einen neuen Standardarbeitsvertrag erzielt worden sei. „Im Rahmen der Absichtserklärung sollten wir einen Standardarbeitsvertrag ausarbeiten, um unseren Gastarbeitern einen ausreichenden Schutz zu bieten. Seit fast zwei Jahren diskutieren und debattieren wir, aber bis jetzt haben wir noch nichts finalisiert“, so Bello.

 

250.000 philippinische Gastarbeiter

Laut einer Schätzung des philippinischen Außenministeriums leben allein in Kuwait 250.000 philippinische Gastarbeiter, die meisten davon als Haushaltshilfen; auch in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar gibt es zahlreiche Arbeiter von den Philippinen.

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