Die Erlöserkirche Jerusalem als BDS-Stützpunkt?

Mit der Berufung von Rainer Stuhlmann als Interimsprobst gehört nach Pfarrerin Gabriele Zander nun schon ein zweiter Israel-Dämonisierer zum Führungsstab der protestantischen Hauptkirche des Heiligen Landes.

Rainer Stuhlmann

Von Ulrich W. Sahm

Die evangelisch-lutherische Erlöserkirche in der Altstadt Jerusalems, gleich neben der Grabeskirche, ist mit ihrem hohen spitzen Turm nicht nur ein Wahrzeichen von Israels Hauptstadt. Viele Jahre lang war sie auch ein Zentrum der Ökumene und internationaler Kontakte, wobei neben Deutschen auch Angehörige aller christlichen Kirchen in Jerusalem, Juden und Moslems zu den Treffen im mittelalterlichen Kreuzgang kamen. Doch diese Begegnungen sind seit vielen Jahren eingebrochen, da man von protestantisch-deutscher Seite eine politische Agenda vertritt, in der andere Konfessionen keinen Platz finden. Mit Rainer Stuhlmann als Interimsprobst wird diese problematische Tradition fortgesetzt.

Seit 7 Jahren ist nun Wolfgang Schmidt das Kirchenoberhaupt, bei den deutschen Protestanten „Propst“ genannt und nicht „Bischof“, wie bei allen anderen Kirchen. Im September 2019 wird Schmidt Jerusalem verlassen, da seine Heimatkirche im badischen Karlsruhe ihn in das Amt des Oberkirchenrats für „Bildung und Erziehung in Schule und Gemeinde“ berufen hat. Für die EKD in Hannover, die den Propst in Jerusalem ernennt, scheint dieser Weggang überraschend gekommen zu sein. Denn sie hat jetzt erst mit der „Bewerbungsphase“ begonnen. Ein neuer Propst werde nicht vor Sommer 2020 nach Jerusalem kommen. Das schrieb Schmidt im Gemeindebrief der Erlöserkirche.

Bis dahin will die EKD zur „Vakanz-Überbrückung“ den rheinischen Pfarrer Rainer Stuhlmann schicken. Stuhlmann war viele Jahre Studienleiter in Nes Amim im Norden Israels. Dort machte er sich einen Namen mit einer holzschnittartigen Agenda, die der differenzierten Wirklichkeit nicht gerecht wird. Für Stuhlmann sind die Fronten im Nahostkonflikt klar. Hier die Besatzer, die jüdischen Israelis – dort die Besetzten, die palästinensischen Araber. Er differenziert dabei nicht zwischen „Palästinensern“ in Jericho und Gaza und arabischen Bürgern Israels. Für ihn sind einfach alle Araber vor Ort „Palästinenser“.

 

Wegen Stuhlmann geplatzte evangelisch-jüdische Reise

Im vergangenen Mai geriet er in die Schlagzeilen mit einem einseitigen Text in einer Gottesdienst-Arbeitshilfe „70 Jahre Staat Israel“ aus Anlass einer gemeinsamen Reise des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein und der EKIR (evangelische Kirche im Rheinland). Darin behauptete Stuhlmann, dass es in der evangelischen Kirche einen „Märtyrerkalender“ gebe, in den das Dorf Biram aufgenommen werden sollte. 1948 hatte Israel während des Krieges die Bewohner dieses grenznahen Dorfes bei Libanon vertrieben und nur die Kirche stehen lassen. Stuhlmann behauptete auch, dass es schon „palästinensische Christen“ gab, als Jesus von Nazareth gerade mal im Alter von 18 noch nicht mit seinen öffentlichen Auftritten begonnen hatte. Auch die anderen Darstellungen Stuhlmanns waren klassische Fälle „palästinensischer“ Propaganda mit dem Ziel, Israel und das Judentum zu delegitimieren. Ein Grußwort dazu hatte Manfred Rekowski verfasst, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Als die jüdische Gemeinde in Düsseldorf von diesem Artikel erfahren hatte, sagte sie spontan die gemeinsame geplante Reise ab, zumal der Präses nicht bereit war, sich von den Inhalten des Stuhlmann-Artikels zu distanzieren.

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