KOLUMNE DES HERAUSGEBERS

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

mit dem Beginn des Monats November richtet sich unser Blick wieder verstärkt auf jene politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die das Leben unseres Volkes und die Zukunft des jüdischen Staates bestimmen. Der November ist der Monat, in dem sich Deutschland am liebsten an Juden erinnert – vor allem an die Toten. Mit den Lebenden tut es sich deutlich schwerer.

Die Jüdische Rundschau wird auch in dieser Ausgabe dort den Finger in die Wunde legen, wo Judenhass und Israel-Feindschaft wieder salonfähig gemacht werden, ohne Scheu und ohne Rücksicht auf die Empfindlichkeiten derer, die beides hofieren.

Wir erinnern uns an die nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938, als in Deutschland Synagogen brannten, jüdische Geschäfte verwüstet und jüdische Bürger gedemütigt, misshandelt und ermordet wurden. Wir erinnern uns aber auch an den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989, der nach Jahrzehnten kommunistischer Unterdrückung Millionen Deutschen den Weg in Freiheit und Selbstbestimmung eröffnete. Die Nachfolger derer, die diese Mauer bauten und auf Flüchtlinge schießen ließen, greifen in Berlin gerade nach der Macht.

Und wir erinnern uns an den 29. November 1947.

An jenem Tag verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 181, die eine Teilung des damaligen britischen Mandatsgebiets Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorsah.

Für das jüdische Volk, das wenige Jahre zuvor die Schoah hatte erleiden müssen, war das die schicksalhafte Chance, nach Jahrhunderten der Vertreibung, Verfolgung und Entrechtung in seiner historischen Heimat wieder einen souveränen Staat zu errichten.

Die jüdische Führung akzeptierte den Teilungsplan. Die arabische Seite lehnte ihn ab. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Am 14. Mai 1948 rief David Ben-Gurion den Staat Israel aus; schon am Tag darauf fielen die Armeen der arabischen Nachbarn über ihn her. Es folgten Kriege, Terror und der nie aufgegebene Versuch, den jüdischen Staat auszulöschen. Doch Israel wurde zu einer wehrhaften Demokratie, einer wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Hochleistungsnation und vor allem zur sicheren Heimstätte des jüdischen Volkes.

79 Jahre nach dem historischen UN-Beschluss muss Israel seine Existenz und sein Selbstverteidigungsrecht noch immer gegen Feinde behaupten, die sich mit der jüdischen Souveränität bis heute nicht abgefunden haben.

Und ausgerechnet in Deutschland, dem Land der Täter der Schoah, glauben politische Moralapostel und selbst ernannte Nahostexperten, dem jüdischen Staat erklären zu müssen, wie er seine Sicherheit gewährleisten und wer ihn regieren sollte. Wie dreist diese deutsche Anmaßung inzwischen geworden ist, zeigte sich einmal mehr im Vorfeld der israelischen Parlamentswahl vom 27. Oktober.

Deutschlands linke Medien und politische Israel-Belehrer hatten sich den Ausgang der Wahl anders vorgestellt. Benjamin Netanjahu sollte verschwinden, der jüdische Staat endlich einen Regierungschef bekommen, der den Vorstellungen westlicher Oberlehrer entspricht. Doch die Israelis haben auf die Wunschzettel der Meinungsfabriken in Hamburg und Mainz gepfiffen und Netanjahus Likud erneut zur stärksten Kraft gemacht.

Es gehört zu den besonderen Perversitäten westlicher Nahostpolitik, dass man islamischen Terrorregimen und Mörderbanden mit diplomatischer Geduld begegnet, während Netanjahu in grün-linken deutschen Redaktionsstuben als Ursache nahezu sämtlicher Übel des Nahen Ostens gilt.

Die Mullahs dürfen drohen, die Hisbollah darf Raketen horten, die Terror-Bande aus Gaza ihren nächsten Massenmord vorbereiten. Hauptsache, Netanjahu verschwindet!

Das ist keine politische Äquidistanz, sondern eine moralisch verrottete Affektionsdistanz. Will heißen: Die Henker-Mullahs in Teheran, Nordkoreas Kerkermeister Kim Jong-un und jeder andere blutrünstige Despot liegen deutschen Herzen näher als der soeben vom eigenen Volk bestätigte Regierungschef der einzigen wahrhaft freiheitlichen Demokratie im Nahen Osten – eines Landes, in dem sogar die arabische Minderheit freier lebt und wählt als ihre Brüder irgendwo zwischen Marokko und dem Persischen Golf. Gleich nebenan, in Judäa und Samaria, herrscht derweil Mahmud Abbas über das eigens erfundene Volk der „Palästinenser“, im 22. Jahr seiner vierjährigen Amtszeit, und hat die erste Wahl seit zwanzig Jahren kurzerhand wieder abgesagt. Schuld daran ist, wie immer, Israel. Geduld mit den Mördern, Ungeduld mit ihren Opfern, sobald diese sich wehren. Verübelt wird Netanjahu vor allem eines: dass er Israels Existenz nicht von der Gnade seiner Feinde abhängig macht.

Im Juni 2025 nannte Friedrich Merz Israels Schläge gegen Irans Atomprogramm „Drecksarbeit“ für uns alle, im August verhängte er einen Teil-Exportstopp für Rüstungsgüter.

Erst bedankt man sich für die Drecksarbeit, die man als Trittbrettfahrer lieber andere erledigen lässt. Dann sperrt man die Lieferung, solange Israel um sein Überleben ringt, und gibt sie erst frei, wenn die Waffen schweigen. Staatsräson nach dem alten Bankiersprinzip: Man verleiht den Regenschirm bei Sonnenschein und verlangt ihn zurück, sobald es regnet.

Wie Berlin auf die Wahl blickte, formulierte t-online Ende Oktober erstaunlich offen: Ein Machtwechsel in Jerusalem könne Deutschland „aus einer diplomatischen Sackgasse befreien“.

Die Sackgasse heißt demnach Netanjahu. Dass Israels Wähler das anders sehen, gilt in Berlin als Betriebsunfall.

Unterdessen erhält der Internationale Strafgerichtshof, der einen an den Haaren herbeigezogenen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsidenten erlassen hat, den Sacharow-Preis 2026. Washington belegt dieses Gericht zu Recht mit Sanktionen, das EU-Parlament mit einem Orden für Menschenrechte. Den Friedensnobelpreis erhält Navi Pillay, die Israel als UN-Chefermittlerin des „Völkermords“ bezichtigte – im Auftrag jenes Diktatorenclubs, dessen Hilfswerk UNRWA Mittäter des 7. Oktober auf der Gehaltsliste hatte. Jerusalem fand dafür den passenden Satz: „Goebbels applaudiert aus der Hölle.“

Wer Israel anklagt, dem winkt in Oslo der Frieden. Der Preis hat Tradition: Mussolini und Stalin standen auf der Vorschlagsliste, und Jassir Arafat, der mit Pistolenhalfter vor die UNO trat und an dessen Händen das Blut ungezählter Juden klebte, hat ihn tatsächlich bekommen. Alfred Nobel wusste wohl, warum er ausgerechnet diese Auszeichnung nicht von seinen Schweden vergeben ließ.

 

Der Retter, den Israel nicht bestellt hat

Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot wurde von deutschen Medien zum Hoffnungsträger stilisiert. Der „Stern“ präsentierte ihn als Mann, der „Israel vor Netanjahu retten soll“. Als müsste ein Volk vor dem Mann gerettet werden, den es selbst gewählt hat.

Geschätzt wird er von Netanjahus Gegnern vor allem für das, was er nicht ist: Benjamin Netanjahu.

Doch das reicht nicht. Der Likud ist klar stärkste Partei, und Eisenkots Lager bleibt auch mit sämtlichen Verbündeten weit von einer Mehrheit entfernt. Über die Schwelle käme es allein mit den arabischen Parteien.

Ahmad Tibi, einst Berater Arafats, erklärte vor der Wahl: „Der erste Schritt ist, diese Regierung zu stürzen.“

Die Losung lautet also: Hauptsache nicht Netanjahu, notfalls eben mit dem Israel-Feind Tibi. Und genau so kommt es: Am selben Tag, an dem Eisenkot, Bennett und Liberman vollmundig verkünden, Netanjahu gemeinsam abzulösen, sitzt ihr Bündnispartner Yair Golan bereits bei Tibi am Tisch.

Nur hat diese niederträchtige Rechnung einen Schönheitsfehler namens Avigdor Liberman: Er schließt eine von den arabischen Parteien abhängige Regierung aus und versichert, es gehe auch ohne sie – wie, verrät er nicht. Netanjahus Angebot einer breiten Regierung aller Parteien, die den Terror ablehnen, schlagen die Retter aus. So steht der Hoffnungsträger unserer öffentlich-rechtlichen Erziehungs- und Gesinnungsmedien da wie ein Generalstabschef ohne Truppen.

Wer Israel regiert, entscheiden nämlich seine Wähler und nicht der „Stern“ und seine Gesinnungsgenossen in Redaktionen und Sendeanstalten. Und diese Wähler haben den Likud Benjamin Netanjahus erneut an die Spitze gesetzt.

 

Berlins Linke zittert vor den eigenen Israelhassern

Wie wichtig ein starker jüdischer Staat für die Sicherheit der Juden weltweit ist, zeigt sich gerade in Berlin, wo sich die Steigbügelhalter der Israelhasser anschicken, ins Rote Rathaus einzuziehen.

Die Berliner SED-Erben möchten die deutsche Hauptstadt regieren. Gewählt wurden sie von gut einem Viertel der Wähler, darunter jeder zweite Muslim der Stadt. Doch ausgerechnet die linke Spitzenkandidatin Elif Eralp fürchtet sich ganz handfest vor Sympathisanten der Terror-Bande aus Gaza im politischen Umfeld ihrer eigenen Partei. Nach Jahren der linken Anbiederung an radikale Israelhasser, der Verharmlosung antisemitischer Agitation und des politischen Schulterschlusses mit extremistischen „Palästina“-Terrorfreunden bekommt die Mauerschieß-Partei nun die Folgen ihrer eigenen heuchlerischen Politik zu spüren. Während sich die roten Genossen um die Sicherheit ihrer möglichen Regierungschefin sorgen, müssen Berlins Juden aus Angst um Leib und Leben längst ihre Identität verbergen.

„Ich kann mich und meine Familie für den SPIEGEL nicht in Gefahr bringen“, schreibt Eralp in einer internen Anmerkung zu einem Interview, die von ihrem eigenen Büro versehentlich an das Nachrichtenmagazin übermittelt wurde. Sich und ihre Familie mag sie nicht gefährden. Die Menschen dieser Stadt und vor allem ihre Juden in Gefahr zu bringen, fällt ihr offenbar leichter.

Eralp wollte eine Interviewpassage über den Terror-Sympathisanten Ibrahim Ibrahim streichen lassen, der dem Umfeld der terroristischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zugerechnet wird, den Massenmörder Jahja Sinwar als Märtyrer verehrt und nach der Septemberwahl auf der Wahlparty der Neuköllner Linken erschienen war. Das Perfide daran: Die Berliner sollten offenbar nicht erfahren, wovor sich ihre mögliche Regierungschefin fürchtet – ein weiterer Beleg dafür, wie verlogen diese Partei mit der Sicherheit der Bürger umgeht.

Das ist weit mehr als eine peinliche Wahlkampf- oder Interviewaffäre. Es ist das logische Resultat einer politischen Entwicklung, die die Berliner Linke seit Jahren maßgeblich mitverantwortet und deren verheerende Auswirkungen vor allem die jüdische Bevölkerung unserer Hauptstadt längst zu ertragen hat.

Bereits Ende August dieses Jahres wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung der Neuköllner Linken vor einem teilweise begeistert mittanzenden Publikum die Parole „Yalla, yalla, Intifada“ skandiert, ergänzt durch den Ruf „Death to the IDF“, eine Todesparole gegen die israelische Armee. Die Partei, die einst auf jeden schießen ließ, der ihr Freiluftgehege – pardon: ihr Arbeiter- und Bauernparadies – verlassen wollte, kann heute gar nicht genug Zuwanderer hereinholen, will niemanden mehr abschieben, nicht einmal verurteilte Straftäter, und tanzt mit, wenn Israels Soldaten der Tod gewünscht wird.

Jene Intifada also, deren zweite mörderische Auflage zwischen 2000 und 2005 durch islamische Selbstmordattentate, Bombenanschläge und die Ermordung von rund tausend Israelis gekennzeichnet war, wird im linken Berliner Wahlkampfmilieu zur vermeintlich revolutionären Mobilisierungsparole umfunktioniert.

Als wir im Juni 2014 die JÜDISCHE RUNDSCHAU gründeten, gehörte es zu unseren vordringlichsten Anliegen, vor der nach der Tragödie der Schoah in dieser Form kaum mehr erwarteten Wiederkehr eines zunehmend unverhohlenen Judenhasses, der fortschreitenden Delegitimierung Israels und ganz besonders vor den verheerenden Folgen der von unserer linken Politik geduldeten und vielfach verharmlosten islamo-faschistischen Judenfeindschaft zu warnen.

Seit dem barbarischen Massaker der Terror-Bande aus Gaza vom 7. Oktober 2023 hat die offene Feindseligkeit noch einmal eine erschreckende Intensität erreicht, und sie richtet sich, so unfassbar es ist, gegen die Opfer: gegen Israel und seine jüdischen Bürger.

Während unsere politisch Verantwortlichen gebetsmühlenartig ihre Solidarität mit dem jüdischen Leben und eine historisch begründete Staatsräson beschwören, beherrschen die Freunde der Intifada längst das Straßenbild und versuchen, den öffentlichen Diskurs mit Einschüchterung und aggressiver Agitation in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Und nun muss ausgerechnet die mögliche künftige Regierungschefin einer Partei, die dieses Milieu jahrelang gehätschelt hat, selbst um die Sicherheit ihrer Familie fürchten. Die Geister, die man rief, wird man nun nicht mehr los.

Welch eine beschämende Bilanz einer Politik, die sich so gern als moralisch überlegene Verteidigerin unserer Demokratie präsentiert!

Eine einst freiheitliche Demokratie, die ihren jüdischen Bürgern kein offenes, selbstbestimmtes und sicheres Leben mehr gewährleisten kann, verliert einen wesentlichen Teil ihrer eigenen moralischen und rechtsstaatlichen Legitimation.

Daran ändern weder vorgeheuchelte antifaschistische Parolen etwas noch eine Antisemitismus-Erklärung, über deren Verletzung am Ende die Genossen des Beschuldigten selbst befinden.

Wer den Judenhass unter dem Deckmantel vermeintlicher „Palästina“-Solidarität politisch hofiert, verharmlost oder gar rechtfertigt, hat jede moralische Glaubwürdigkeit als Verteidiger der Menschenrechte verspielt. Er macht sich zum Komplizen der Hetze, verhöhnt die Lehren aus der Schoah und verrät das Versprechen des „Nie wieder“!

 

Von der SED zur Intifada

Aus der SED wurde die SED-PDS, dann die PDS und schließlich, nach dem Zusammenschluss mit der WASG, die heutige Linkspartei.

Die Namen wechselten, die Denkmuster blieben und haben längst Grüne, SPD und weite Teile der Presse angesteckt: Andersdenkende werden moralisch ausgegrenzt, Bürger zu ihrem vermeintlichen Glück erzogen, gern mit Hilfe zwangsgebührenfinanzierter Sender, die einer gescheiterten Regierung die Gehirnwäsche besorgen.

Es entbehrt nicht einer gewissen historischen Ironie, dass ausgerechnet die politischen Erben jener Partei, die ihre Bevölkerung hinter einem sogenannten „antifaschistischen Schutzwall“ einsperrte und Flüchtende an der innerdeutschen Grenze erschießen ließ, heute einen vermeintlichen Antifaschismus zu ihrer wichtigsten moralischen Legitimation erheben.

Dieser Schutzwall mit Stacheldraht und Todesstreifen schützte nicht vor Faschisten und äußeren Feinden. Er sollte die Menschen drinnen daran hindern, dem sozialistischen Unrechtsstaat zu entkommen.

Die Feindschaft gegen Israel hat im kommunistischen Milieu Tradition: Schon die DDR hofierte arabische Diktaturen und die PLO, deren Terror zahllose jüdische und israelische Opfer forderte.

Ausgerechnet jener deutsche Staat, der seine nationalsozialistische Vergangenheit zum Problem der Bundesrepublik erklärte, unterstützte Kräfte, die den nach der Schoah wiedererstandenen jüdischen Staat bekämpften. Israel galt als imperialistischer Vorposten des Westens, seine Gegner wurden zu antiimperialistischen Freiheitskämpfern verklärt.

Heute erscheint derselbe ideologische Mechanismus in neuem Gewand: Der jüdische Staat wird zum vermeintlich kolonialistischen Unrechtsstaat erklärt, während seine terroristischen Gegner als Vertreter eines angeblich legitimen Befreiungskampfes auftreten dürfen. Dass die grüne, faschistoide Klimagaga- und Verbotspartei mit den Erben des Schießbefehls koalieren will, überrascht niemanden.

Besonders beschämend aber ist die Rolle der Sozialdemokraten.

Jener Partei also, die der Jude Ferdinand Lassalle schon im vorletzten Jahrhundert gründete, die 1933 als einzige im Reichstag gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmte, deren Mitglieder unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt wurden und die nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone erneut Opfer der Repression wurde, diesmal durch die SED.

Die erzwungene Vereinigung von SPD und KPD zur SED im Jahr 1946 gehört zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Nachkriegsgeschichte. Zahlreiche Sozialdemokraten bezahlten ihren Widerstand mit Gefängnis und Verfolgung.

Ausgerechnet diese SPD verhandelt nun darüber, der Nachfolgepartei ihrer einstigen Peiniger zur Regierungsführung zu verhelfen – als Juniorpartner, der an der Wahlurne gerade noch zweistellig geblieben ist. Dass Pistorius, Gabriel, Giffey und mehr als tausend weitere Genossen schriftlich dagegen aufbegehren, ficht die Berliner Funktionäre nicht an. Die Nachfahren der Eingesperrten schließen den Erben ihrer Wärter die Tür zur Macht auf.

 

Berlin und die Lehren aus zwei Diktaturen

Denn Berlin ist nicht irgendeine Hauptstadt.

Von hier aus wurde die industrielle Vernichtung des europäischen Judentums organisiert. Hier errichteten die kommunistischen Machthaber anschließend ein zweites deutsches Unrechtssystem, das Millionen Menschen über Jahrzehnte Freiheit und Selbstbestimmung verweigerte.

Dass ausgerechnet hier die politische Nachfolgepartei der SED mit Unterstützung von SPD und Grünen die Regierungsführung übernehmen könnte, ist mehr als Symbolik: Es ist Geschichtsvergessenheit mit Ansage.

Deutschlands Geschichte sollte uns gelehrt haben, dass der Judenhass immer neue ideologische Gewänder findet. Mal galten Juden als Feinde des christlichen Glaubens, mal als vermeintliche Ausbeuter des arbeitenden Volkes, später als rassisch definierte Gegner einer verbrecherischen Weltanschauung. Heute wird ihr Staat Israel zum angeblichen Repräsentanten kolonialistischer Unterdrückung erklärt. Und die älteste Verschwörungstheorie der Welt trägt wieder Alltagskleidung: Seit dem 11. September gibt es kaum einen Flugzeugabsturz, kaum ein Zugunglück und kaum einen Anschlag, bei dem nicht binnen Stunden der Mossad, „die Zionisten“ oder gleich „die Juden“ als Drahtzieher ausgemacht würden – mit Vorliebe sogar dann, wenn die Opfer selbst Israelis sind.

Die Rechtfertigungen wechseln. Die Bedrohung jüdischen Lebens bleibt.

Wer Deutschlands historische Verantwortung ernst nimmt, muss jüdisches Leben und die Unversehrtheit jüdischer Männer, Frauen, Kinder und Familien gegen ihre tatsächlichen Feinde und deren bösartigen Wahn verteidigen. Ohne Rücksicht darauf, ob diese von rechts, von links oder aus dem islamischen Milieu kommen.

Eine Politik, die sich selbst zum moralischen Sieger über die deutsche Vergangenheit erklärt, gegenwärtigen Antisemitismus aber dort relativiert, wo er den eigenen politischen Bündnissen im Wege steht, hat aus der Geschichte nichts, aber auch gar nichts gelernt.

Am Israel Chai!

Ihr Dr. Rafael Korenzecher

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