Ein weltliches Kaddisch für den Vater: Paul Hoffmanns Leben nach Auschwitz

© © Königshausen & Neumann
Paul Hoffmann überlebte Auschwitz-Monowitz und mehrere Todesmärsche – und entschied sich dennoch, im Land der Täter ein neues jüdisches Leben aufzubauen. Als Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Nordrhein prägte er über Jahrzehnte den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland. Sein Sohn Daniel Hoffmann zeichnet nun in „Weit ist der Weg zurück ins Heimatland“ diesen außergewöhnlichen Lebensweg einfühlsam nach. Entstanden ist das eindrucksvolle Porträt eines Mannes, der der nationalsozialistischen Vernichtung entkam, das Vernichtungslager jedoch ein Leben lang mit sich trug – als eintätowierte Auschwitz-Nummer auf dem Arm. Was dieser Mann und seine Generation unter unvorstellbaren Mühen wieder aufgebaut haben, geben ihre Enkel heute auf: Sie packen die Koffer, weil dieses Land ihnen kein sicheres mehr ist. Die Nummer auf dem Arm war die Vergangenheit. Der gepackte Koffer im Flur ist die Gegenwart. (JR)
Vom Umschlag blickt ein gutaussehender Mann Anfang 60 mit einem leichten Lächeln den Leser an. Die Frisur sitzt, gebräunter Teint, schlanke Figur. Er trägt ein kurzärmliges Poloshirt, die beiden Arme hat er aufeinandergelegt, lange, feingliedrige Finger. Ein Pianist? Ein Handelsvertreter oder Tennisspieler? Vielleicht ein Schauspieler? Der Mann auf dem Umschlagfoto könnte all das verkörpern, gäbe es da nicht ein kleines Detail, das auf der Oberseite seines linken Unterarms zu entdecken ist – eine eintätowierte Zahlenreihe – 104951. Seine Auschwitz-Nummer! Aufgenommen hat das Foto Daniel Hoffmann im Jahr 1984 und der Abgebildete ist sein Vater Paul Hoffmann, 39 Jahre nach dessen Befreiung aus Auschwitz in der gemeinsamen Wohnung in Düsseldorf.
Ende Februar 1943 wurde der 21-jährige, aus Iserlohn gebürtige, Paul Hoffmenn, nachdem er zuvor vier Jahre lang Zwangsarbeit hatte leisten müssen, von Bielefeld aus nach Auschwitz deportiert. Als Häftling im KZ Auschwitz/Monowitz (I.G. Farben-Buna-Werk) war er zunächst für Transport- und Montagearbeiten eingesetzt. Bis Februar 1944 war er insgesamt fünf Mal im Krankenbau. Durch glückliche Umstände gelangte er in das Kalkulationsbüro des Buna-Werkes: Sein Freund Heinz Giesener, der Kapo im Kommando 90 war, hatte ihm diese Funktion vermittelt. Auch war da ein Büroleiter, ein NSDAP-Mitglied, der seine Hand schützend über ihn hielt und ihm damit das Überleben ermöglichte.
Beim Heranrücken der Roten Armee im Januar 1945 wurde Hoffmann auf einen Todesmarsch nach Buchenwald geschickt. Im Februar 1945 wurde er in das KZ Holzen im niedersächsischen Holzminden, einem Nebenlager des KZs Buchenwald, deportiert. Ende März 1945 erfolgte der Rücktransport nach Buchenwald, von wo aus er auf einen Deportationsmarsch mit dem Ziel KZ Flossenbürg geschickt wurde. Auf diesem Todesmarsch konnte Hoffmann am Abend des 12. April 1945 in der Dunkelheit in einen Wald fliehen. Tags darauf wurde er abends in der Nähe von Eisenberg in Thüringen von einer alliierten Panzereinheit befreit.
Sie können diesen Artikel vollständig in der gedruckten oder elektronischen Ausgabe der Zeitung «Jüdische Rundschau» lesen.
Vollversion des Artikels
Sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Hier können Sie
die Zeitung abonnieren,
die aktuelle Ausgabe oder frühere Ausgaben kaufen
oder eine Probeausgabe der Zeitung bestellen,

in gedruckter oder elektronischer Form.
Sehr geehrte Leser!
Die alte Website unserer Zeitung mit allen alten Abos finden Sie hier:
alte Website der Zeitung.
Und hier können Sie:
unsere Zeitung abonnieren,
die aktuelle oder alte Ausgaben bestellen
sowie eine Probeausgabe bekommen
in der Druck- oder Onlineform

Werbung














