Aus Unrecht wieder Recht machen: Fritz Bauers Plädoyer für eine Pazifizierung der Welt

Der jüdisch-österreichische Literat und Lebenskünstler Peter Altenberg. © WIKIPEDIA
Fritz Bauer gehörte zu den wenigen deutschen Juristen, die schon vor dem Ende der NS-Diktatur darüber nachdachten, wie aus dem von den Nationalsozialisten pervertierten Recht wieder Recht werden könne. Bereits 1944 forderte der jüdische Exilant in seiner Schrift über Kriegsverbrecher einen internationalen Strafgerichtshof und entwickelte Grundgedanken, die wenig später in den Nürnberger Prozessen Wirklichkeit werden sollten. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland musste Bauer erleben, wie wenig Interesse die vielfach selbst belastete deutsche Justiz an einer konsequenten Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit hatte. 81 Jahre nach der ersten deutschen Ausgabe erscheint sein bemerkenswertes Plädoyer für die „Pazifizierung der Welt und Humanisierung des Krieges“ nun erneut und erinnert an einen aufrechten Juristen, der die strafrechtliche Verfolgung der NS-Verbrechen zu seiner Lebensaufgabe machte und sich damit mehr Feinde als Freunde schuf. (JR)
Fritz Bauer (1903-1968) war Jurist, Intellektueller sowie als Homosexueller, Sozialdemokrat, Exilant und nicht zuletzt als Jude stigmatisiert. Durch mehrere Filmbiografien und Dokumentationen ist sein Leben und Wirken für den Aufbau eines demokratischen Justizwesens und die Ahndung von NS-Verbrechen in den letzten Jahren einem breiten Publikum bekannt geworden. Das nach ihm benannte Frankfurter Forschungsinstitut im Verbund mit dem Göttinger Wallstein-Verlag beschäftigt sich auch weiterhin mit den herausragenden Leistungen Bauers. So auch in der vorliegenden Wiederauflage seiner im schwedischen Exil verfassten Schrift über Kriegsverbrecher und -verbrechen, eine Schrift, die im Jahre 1944 als schwedische Originalausgabe in Stockholm und im Jahr darauf erstmals in deutscher Sprache in Zürich erschienen ist.
Der Zeitpunkt für sein Plädoyer war gut gewählt, die Vorbereitungen für den großangelegten Kriegsverbrecherprozess der Alliierten in Nürnberg waren weit gediehen, auch wenn all die monströsen Verbrechen gegen die Menschlichkeit längst nicht umfassend ans Licht gelangt waren. Bauer wollte, wie er bei der Stockholmer Buchpräsentation 1944 hervorhob, viel „Pazifizierung der Welt und Humanisierung des Krieges“ erreichen.
In Deutschland wollte man 1945 freilich nicht an das Vergangene erinnert werden. Damals war der Widerhall seiner Anklageschrift eher bescheiden, kurz: Sie wurde ignoriert. Die deutsche Justiz wollte mit der NS-Vergangenheit, in der sie selbst verstrickt gewesen war, nichts mehr zu tun haben.
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