Fritz Grünbaum – Der Mann, der noch im Abgrund lachte

Der österreichisch-jüdische Kabarettist Fritz Grünbaum.
Fritz Grünbaum war einer der brillantesten Kabarettisten des deutschsprachigen Raums — Wiener Jude, Europäer durch und durch, Weltbürger, Meister der Pointe. Die Nazis verschleppten ihn ins KZ, wo er 1941 starb. Was ihn unsterblich macht, ist nicht nur sein Talent, sondern seine Haltung: Grünbaum lachte noch im Abgrund. Er wählte den Humor als letzten Akt der Würde, als unzerstörbaren Ausdruck menschlicher Freiheit angesichts totaler Unmenschlichkeit. In einer Zeit, in der jüdisches Leben erneut bedroht wird, erinnert uns Fritz Grünbaum daran, dass Würde und Humor zwei Seiten derselben Medaille sind. (JR)
Es war einmal eine wahrliche Größe namens Fritz Grünbaum. Klein von Statur, groß von Geist, geboren 1880 in Brünn als Franz Friedrich, gestorben 1941 in Dachau – und dazwischen ein Leben, das den Wiener Witz in seiner schärfsten, tiefgründigsten und unbeugsamsten Form verkörperte. Wer heute von Kabarett spricht, das nicht ins Banale, ins Billige oder ins bloß Lächerliche abgleitet, der steht unweigerlich in der Tradition dieses Mannes. Grünbaum war kein bloßer Spaßmacher. Er war ein Feuilletonist der Bühne, ein Analytiker mit Pointen, ein Zyniker mit Herz und ein Ironiker, der selbst dem Tod noch ein Bonmot abtrotzte.
Freikarten? Lieber zahlen!
Eine der schönsten Anekdoten über ihn erzählt von einer Reise nach Berlin mit seinem Kollegen Paul Morgan. Die beiden sollten ein Theaterstück für Wiener Verhältnisse adaptieren. Kaum hatte der Vorhang sich gehoben, wurde klar: Geist- und witzlos, ein Graus. Nach wenigen Minuten flüsterte Grünbaum seinem Sitznachbarn zu: „Paul, ich halt’s nicht länger aus. Ich geh!“
Morgan, der brave: „Das kannst du nicht machen! Wir sind eingeladen, Freikarten!“
Grünbaum fügte sich zähneknirschend. Fünf Minuten später erneut: „Ich ertrag diesen Schwachsinn nicht. Ich geh!“ Wieder der Einwand mit den Freikarten. Nach weiteren fünf Minuten stand Grünbaum endgültig auf: „Ich hab genug. Ich renn zur Kassa, kauf zwei Karten und geh nach Hause.“
So tat er es. Und ersparte sich weitere Qual. Diese Geschichte ist mehr als eine Anekdote. Sie ist Programm. Fritz Grünbaum zahlte lieber selbst, als sich etwas Unerträgliches aufzwingen zu lassen – ob es nun ein schlechtes Stück war oder später das „Tausendjährige Reich“.
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